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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-10 · Heft 29 (10.7.1848) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 29 (10.7.1848)
Date
1848-07-10
Page
Seite 418 (sequence 10)
Language
German
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418 haben. Beispielweise werde hier nur der einzige Punkt der Wahlfahigkeit der Israeliten herausgehoben. Der Paragraph daß die Wahlfähigkeit ohne Unterschied der Religion ausgesprochen ist, berechtigt die Juden zur Wahl, — wogegen aber ein anderer Paragraph dieselben vollkommen ausschließt, indem derselbe ausdrücklich die Bedingung festsetzt, daß der Wahlfähige im Besitz aller staatsbürgerlichen Rechte fein müsse. Daß aber die Juden bis zur Stunde nicht in diesem Besitz seien, wird von vielen Seiten entgegengestellt. Nehmen wir aber ihre Berechtigung zur Wahl an, so müssen wir auch bei Aufnahme der Arbeiter in den Wahlakt bedacht haben, daß die unteren Klassen auch alle ihre Vorurtheile mitbringen; denn die Vorgänge bei den Wahlen selbst haben uns bereits gezeigt, daß das Volk ganz andere Begriffe von der Gleichberechtigung aller Staatsbürger hat, als man von dem vorgeschrittenen Zeitgeiste erwarten dürfte. Ungarns Gesetzgeber haben, die Volksstimmung erkennend, nicht gewagt, die volle Emanzipation der Juden auszusprechen, genau wissend, was der Erfolg gewesen wäre; denn schon der ausgesprochene Schein derselben hat schlimme Auftritte veranlaßt. Welche Wirkung würde aber die Wahl vieler Juden bei dem oberösterreicher, tyroler und steirer Deputaten Hervorbringen?*) Deputirte aus Provinzen, wo noch das traurige Erbstück des Mittelalters besteht, daß sich kein Jude länger als 24 Stunden, Marktzeiten ausgenommen, in einem Orte aufhallen darf. Ohne im geringsten gegen die Juden eingenommen zu sein, hätten wir ihnen doch gerne den Rath ertheilt, sich ja nicht in größerer Zahl zur Kandidatur zu drängen, ass ungefähr ihrer Kopfzahl entspricht; denn sie vor Allen würden die Folgen thatsächlich fühlen, wollten sie schon jetzt einem Vorurtheile entgegentreten, welches bei so Vielen in der^Schule und Kindheit eingesogen, seine Wirkung nicht verfehlte. Zu dem im Volke eingewurzelten Haß, der durch die Vorfälle der letzten Zeit und die vielen Flugblätter bedeutend gesteigert wurde — kömmt noch oft ein auffälliges Zeigen eines Wohlstandes, an dem der Bürger bereits *) „Der Herr Einsender mag sich beruhigen; wenn die Wahlen so fortgehen, wie sie begonnen haben, so werden wir im Parlament gar wenig Liberale, und daher auch wenig Juden erblicken." A. d. R. d. O. Z. Mangel leidet, ihre bessere Erziehung, welche von weniger Gebildeten nur mit einem' bittern Gefühl der eigenen Zurücksetzung wahrgenommen wird;..denn der gemeinste Mensch fühlt jetzt den Mangel an Kenntnissen, von deren Dasein er sonst nicht einmal eine Ahnung hatte. Darum anerkenne man die Vorurtheile der unteren Klassen, verletze ihre Eigenliebe nicht zu sehr, und überlasse es der Zeit, daß sie auch über diese düstere Seite des Menschenlebens ihr versöhnnendes Licht ausgieße. Wenn die Juden einen Deputirten für Wien durchsetzen,'so mögen sie mit diesem Ergebniß, dessen moralische Folgen allein für sie von unberechenbaren Vortheil sind, sich vollkommen zufrieden stellen. Mehr anzustreben hätten sie wol das Recht, aber ihre angeborne Klugheit und. bekannte Uebereinstimmung wird sie hoffentlich abhalten, sich dießmal nicht allzusehr vorzudrängen." Ungarn «nd die Nebenländer. Aus Siebenbürgen, 16. Juni. (Privatmitth.) Es ist sehr zu bezweifeln, ob es noch ein Land giebt, in welchem der Jude so geknechtet, so der Geißel des Druckes der Armuth und Verachtung unterworfen ist, wie in Siebenbürgen. Ich will Sie nicht mit langen Schilderungen belästigen, sondern mir nur gestatten, eine kleine Skizze zu entwerfen. 1. Die Juden in Siebenbürgen dürfen,. Karlsburg ausgenommen, nicht in den Städten wohnen, sondern sind auf den Wohnsitz in einigen Dörfern in einem kleinen Theil des Landes beschränkt, wo noch dazu die roheste, ungebildetste Volksklasse ansässig ist. 2. Sie können kein Handwerk betreiben, weil sie in die Zünfte nicht ausgenommen werden. 3. Daher ist das Geschäft der Juden hierorts sehr niedrig, sie sind arm und heruntergekommen, sie ernähren sich fast Alle von dem schmutzigen Gewerbe der Branntweinbrennerei, das, ungemein überfüllt, kaum das tägliche Brod abwirfr, und dabei wahrscheinlich, bei den veränderten Verhältnissen des Landes, bald einem Äerbote entgegengeht. 4. Werden sie von den Christen äußerst tyrannisch behandelt, es wird ihnen bei jeder Gelegenheit mit der größten Verachtung begegnet, weshalb wiederum die Juden keinen Trieb nach höhrer Bildung empfinden. So sind unsere Verhältnisse hier. Sind nun bessere

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