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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-10 · Heft 29 (10.7.1848) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 29 (10.7.1848)
Date
1848-07-10
Page
Seite 415 (sequence 7)
Language
German
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415 der alte preußische Staat absichtlich die Judenheit hielt, trägt in Berlin die nächsten Früchte, und es ist nicht abzuschen, was daraus werden soll. Dieses böse Beispiel, welches die Hauptstadt liesert, wird nicht ohne Rückwirkung in den Provinzen bleiben. Berlin, 3. Juli. Die Z. H. enthält folgenden Artikel: Der Vorstand der hiesigen Genossenschaft für Reform im Judenthum hat schon vor einiger Zeit definitiv den Beschluß gefaßt, sich von der alten jüdischen Gemeinde zu trennen, und bethätigt diesen Entschluß durch ein neuerdings an die Mitglieder herumgehendes Zirkular mit der direkten Aufforderung, ihre Beiträge nicht mehr der alten Gemeinde, sondern der Reformgesellschaft zuzuwenden. Der Erfolg scheint jedoch ein sehr mäßiger werden zu wollen, wie überhaupt über die mannigfachen Bemühungen der Gesellschaft, Lheilnahme zu erwecken, schon seit längerer Zeit ein großer Unstern waltet, sei es, weil der Reiz der Neuheit, der dem Institut hier zur Zeit seines Entstehens beiwohnte, zu schwinden anfängt, sei es daß das Organ desselben, vr. Holdheim, die Zuhörer nicht mehr so wie früher zu fesseln vermag, sei es daß die Lnhaltschwere Gegenwart, die Aller Streben auf die politischen Erscheinungen hinführt, jedes andere Interesse vergessen macht. Hoppstätten (im Fürstenthum Birkenfeld), 20. Juni. (Eingesandt.) Dringende Bitte an alle jüdischen Lehrer Deutschlands. Kollegen und Freunde! Die Zeitsaat eines Jahrhundertshält gegenwärtig, wie Sie sehen, ihren großen Erntetag; sie will sich der Garben bemächtigen, welche durch den Fruchtregen einer gehobenen Bildung und durch die wirkungsmächtige Triebkraft einer erleuchteten Gotteserkenntniß zur Reife gekommen. Benützen nun auch wir Lehrer die große Zeit zu unserm und unsrer Schule Heil,-.sorgen wir jetzt, wo die Stützen des s. g. historischen Rechts morsch und hohl geworden und das faule Gebälke der alten Zwingburg einen unerhörten Generalkrach, erlitten, daß uns nicht das Loos deö Dichters in Schillers „Theilung der Erde" trifft und wir keine Niete aus der Urne des Schicksals ziehen. Das Barometer der Zeit deutet uns gutes Wetter an, alle Perspektive zeigen uns den lockenden, einladenden Finger, man wird, man muß, ja muß unseren so oft schon ausgesprochenen gerechten Wünschen Gehör und Folge geben, wenn wir sie vor das Forum der Nationalversammlung zu Frankfurt in gehöriger Weise zu bringen wissen. Es ist aber nur Eines, was zu erstreben ist, alles-Uebrige ist nothwendigeFolge— die Erhebung der Schule zur Staatsanstalt. Diese Erhebung nur ermöglicht die Blüthe des Schulwesens überhaupt und die des jüdischen insbesondere, da dem Emporkommen des Letztem jederzeit die materiellen Kräfte der quantitativ so unbedeutenden Gemeinden als ein nicht zu beseitigendes Hinderniß in den Weg steht. Ich ersuche daher alle meine Berufsgenoffen in unserm gemeinschaftlichen Interesse, sich ungezögert, am Besten im Vereine mit den christlichen Kollegen und wenn dieses unmöglich, selbstständig und allein, in zahlreichen Petitionen an die Nationalversammlung zu wenden und man wird, man muß diese Forderung in Rechnung tragen. Dann — Heil unsrer Schule, die zur Freude und Wonne aller Menschen- und Bildungsfreunde in schönstem Prangen erblühen wird; Heil dann der Mehrzahl unserer Standesglieder, die dann ebenso bald von den giftigen Pfeilen einer, jeden lichten Gedanken, jede freie Regung, jede selbstständige Bewegung niederhaltenden, muckernden Pfafferei, wie von den spitzen Klauen einer unerträglichen bäuerlichen Parnassimherrschaft und von dem noch unerträglichem, ekelhaften Uebermuthewer sich spreizenden Mammonsknechte erlöst werden werden. Ich bin mir bewußt,, daß, es nur dieser Paar Worte bedarf — und bei Vielen vielleicht dieser nicht — um meine Amtsbrüder zu dem in Rede stehenden — kostenfreien und mühelosen— Schritte zu veranlassen, der auf die glückliche Gestaltung des Schulwesens den entscheidendsten Einfluß üben wird. Emanuel Hecht. Aus dem Fürstenthnm Birkenfeld, im Juni. (Eingesandt.) Bescheidene Fragen! , 1) Sollte es jetzt, wo die. ..goldene Mas Lgalile, Fiberte und Fraternite aud) auf den greisen Dulder Israel Anwendung finden soll, setzt, wo der Wegfall aller konfessionellen Beengungen proklamirt und die vollste Verbrüderung mit den Juden angestrebt werden wird, nicht geeignet sein alljährlich oder mindestens dies Jahr ein gottesdienstliches Fest an jenem Tage zu feiern, der nach einem Ausspruch der frankfurter Nationalversammlung uns in die Bürger- und Men-

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