Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 28 (3.7.1848)
- Date
- 1848-07-03
- Page
- Seite 403 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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403 fibel, eine Wandkarte von Palästina und eine Wand- und Notentafel anzuschaffen. Die Auswahl des Textes betreffend, so ist das „hebräische Lesebuch, Auswahl historischer, poetischer und prophetischer Stücke aus säst allen biblischen Schriften mit Anmerkungen und einem Wörterbuche von Dr. M. A. Levy, erstem Religionslehrer an der israelitischen Gemeinde zu Breslau"*) besonders zu Grunde zu legen. Außer den oben gemachten Bemerkungen laßt diese „Schulordnung" Nichts weiter zu wünschen übrig. Sie ist mit Umsicht und Sachkenntniß gearbeitet und wird gewiß nur zum Gedeihen des Religionsunterrichtes in Mecklenburg beitragen. S. Weintraub. Schwaart, 10. Juni. (Privatmitth.) Die hiesige nur aus 11 Mitgliedern bestehende israelitische Gemeinde hat der Geisteshauch der auch auf religiösem Gebiete fortschreitenden Gegenwart angewehet und sie zu Thaten veranlaßt. — Dem Beispiele Bützow's folgend, wurden hier am Sabbat Bechukotai folgende Reformen im Gottesdienste vorgenommen. 1) Einführung des 3jährigen Zyklus für die Toravorlesungen; 2) Vortrag der Haphtora in deutscher Sprache; 3) Abschaffung der wnb2 beim Mussafgebete; 4) Auslassung des näiü nssn; 5) Weglassung des rri‘-p»T und 6) Einführung des württembergischen deutschen israelitischen Gesangbuches. Mögen derartige Reformen allgemeinen Anklang in'Israel finden und zur Nachahmung anregen, damit dem Jndifferentismus für den Gottesdienst, der sich gegenwärtig wie ein Wurmfraß durch die Glieder der Gemeinden Jakobs hindurchziehet, durch zeitgemäße Umgestaltung des israelitischen Kultus, einigermaßen gesteuert werde. S. Lasky. *) Was die Wahl dieses Buches betrifft, so kann Ref. dieselbe nicht anders als treffend bezeichnen. Der gelehrte Verf. zeigt darin große Belesenheit und Bewandertheit auf dem Literaturgebiete der jüdischen und christlichen Exegese wie auch der biblischen Lexikographie. Die Analyse schwieriger Wörter wie auch die rabbinischen Scholien sammt dem Wörterbuche können dem Lehrer sowol als auch dem Schüler nur höchst nützlich sein. Besonders giebt sich in der Wahl der einzelnen Leftstücke der pädagogische Takt des Verfassers kund; weshalb Ref. denn auch dieses Lesebuch nicht allein zum Gebrauche für jüdische, sondern auch für christliche (nämlich christliche Gelehrten-) Schulen empfehlen möchte. Anmerk. d. Ref. Leipzig, 18. Juni. Um unseren Lesem zu zeigen, wie weit die Einheit Deutschlands im Königreich Sachsen gediehen ist, gestatten wir uns eineBekanntmachung, die in der hiesigen Zeitung stand, abdrucken zu lassen, und so lautet: „In Bezug auf den bevorstehenden mit dem 26. Juni d. I. beginnenden Jahrmarkt zu Altstadt-Dresden machen wir andurch bekannt, daß vermöge des hohen Mandats vom 16. August 1746 ausländischen Juden der Handel auf den Jahrmärkten zu Dresden lediglich im Ganzen gestattet, dagegen aller Verkauf en detail und mithin der Waarenschnitt und Vertrieb im Einzelnen so wie das Hausiren bei Vermeidung von 10 bis 50 Thalern Geldstrafe, auch nach Befinden härterer Ahndung und Konfiskation der Maaren verboten ist, ingleichen, daß diese Vorschriften auf alle ausländische Israeliten ohne Ausnahme, mithin auch auf die vereinsländischen Anwendung leiden. Dresden, am 13. Juni 1848. Der Rath zu Dresden." Deffau, im Juni. (Privatmitth.) Sie werden aus den öffentlichen Blättern erfahren haben, daß unser neues Ministerium den liberalsten Konstitutionsentwurf ausgearbeitet hat, der bis jetzt in Deutschland zu Tage gekommen. Sie finden darin „absolute Religionsfreiheit, unbedingte Emanzipation der Juden, Trennung der Kirche vom Staate, Trennung der Schule von der Kirche." Letztere Position bringt nun eine besondere Wirkung mit sich. Wer kennt nicht „die herzogliche israelitische Franzschule zu Dessau" % Im Jahre 1799 als Armenschule gegründet, ungefähr zehn Jahre später zu einer israelitischen Hauptschule erhoben, würde sie im nächsten Jahre ihren 50jährigen Bestand gefeiert haben. Es war eine Zeit, wo diese Schule ein Ereigniß war für die ganze deutsche Judenheit; eine Zeit, wo sie in ihren Lehrern einen Mittelpunkt abgab für die ganze damalige jüdische Literatur, wo Moses Philippson durch die Gründung seiner Druckerei und die Herausgabe tüchtiger Schriften, David Fränkel durch die Gründung der Sulamit, I. Wolfs, Salon, on-u. A. durch ihre Arbeiten den Grund zur Entwickelung der neuern Literatur der Juden legten. Wie viele bewährte Männer haben ihre erste Bildung in dieser Schule erhalten, und verbreiteten Bildung in großen Kreisen der Judenheit. Es war ein Eigenes um diese Schule. Gründliche