Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 28 (3.7.1848)
- Date
- 1848-07-03
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
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400 samkeit mehrer einsichtsvoller Volkslehrer Israels. Und ich . kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit der edeln und würdigen Strebsamkeit des Rabbinen Abraham Wälder in Berlichingen zu erwähnen, der seit seinem 9jährigen Hiersein mit Umsicht und großem politischen Takt sein Amt verwaltet, seine sämmtlichen Gemeinden.mit Rath und That vorsteht, und einen solchen einträchtigen wahrhaft wohlthuenden Geist zwischen den verschiedenen Glaubensbekennern zu befördern bestrebt ist, daß die Ruhe und Ordnung in dieser sturmvollen. Zeit namentlich seinem Einfluß und seinem freundschaftlichen Verhaltniß mit dem dasigen katholischen Geistlichen und dem Ortsvorstande zuzuschreiben ist. .-. Seine eminenten historischen Kenntnisse, von denen wir bei mehreren Abendunterhaltungen, wo Wälder vor größeren Versammlungen populäre historische Vorträge besonders aus der deutschen Geschichte ex tempon6 abhielt, selbst Zeuge waren, Haben ihm die Liebe, Achtung und-FreUndschaftbesonders auch.Seitens der christlichen Gemeinden überall erworben. Derselbe ertheilte schon seit mehreren Jahren den aus der Schule entlassenen jüdischen und christlichen Zöglingen Unterricht in allen Realg'egenständen, als in deutschen Aufsätzen, Geschichte, Geographie, Mathematik, Zeichnen und Naturgeschichte und zwar unentgeltlich. Bei Organisirung der Bürgerwehr war es seine erste Sorge, daß die Israeliten daran Theil Nahmen. Auch gewann er gegen/30 .hiesige jüdische Arme zur Betheiligung an dem gegenwärtigen Straßenbau, und bewirkte,, daß sie , Schaufel und Hacke und andere Werkzeuge aus der Gemeindekasse bezahlt bekamen. Seine Sorge für das Armenwesen .ist ohnehin-, schon lange bekannt und anerkannt. Nicht, zu seiner Belobung, denn wir kennen seine Bescheidenheit, sondern zur Nacheiferung für andere Rabbinen und Volkslehrer in unsrer bedeutungsvollen Zeit, möge diese wahrhaft gesegnete Wirksamkeit' in der weitverbreiteten Zeitung des Judenthums ein Plätzchen.finden.. G. M. S. - Aus Württemberg, im Juni. (Privatmitth.) Ich theile Ihnen hierfolgend zwei Zirkulärschreiben der israelitischen Oberkirchenbehörde Württembergs mit, von denen namentlich das zweite ein allgemeines Interesse hat, indem es erweist, wohin noch immer die Neigung vieler unserer Glaubensgenossen in Bezug auf den Gottesdienst geht. Das Erstere lautet: „Da wegen der Noch der gegenwärtigen. Zeit in manchen Gemeinden ein Wunsch nach besonderen Gebeten entstanden ist/ und da die israelitische Oberkirchenbehörde zu jeder Zeit dem religiösen Bedürfniß, wo es sich zeigt, Befriedigung zu gewähren sucht, so werden hiermit dem Rabbiner die Psalmen 23, 27, 32, 85 und 9 bezeichnet, welche derselbe, wenn die Gemeinden seines-Rabbinats Solches wünschen, an den Werktagen'nach dem Schmone Esra und am Sabbat nach dem Olenu-Gebet vom Vorsänger -und der Gemeinde Vers um Vers abwechselnd beten lassen kann. Zugleich folgt ein Gebet in deutscher und hebräischer Fassung, welches von dem Vorsänger an den Werktagen am Schlüsse der Psalmen in deutscher Sprache vorzutragen ist, und von der Gemeinde leise etwa auch in hebräischer Sprache mitgebetet werden kann. Für den Sabbat bleibt es dem Rabbiner überlassen, in dem Gebete nach der Predigt ein auf die Zeitverhältniffe paffendes Gebet einzuschalten. Stuttgart, den 22. Mai 1848. . Steinhardt. Weil." Der zweite Erlaß lautet: „Es ist zur Kenntniß der israelitischen Oberkirchenbehörde gekommen, daß in mehren Kirchengemeinden des Landes, theils in Folge der Zeitbewegungen, theils aus Mißverstand, der verheißenen Religions- und Gewissensfreiheit, Versuche gemacht werden, mit Aufhebung der Synagogenordnung den' frühem, gesetzlosen Zustand in den Synagogen wieder herzustellen, und selbst solche Gebete öffentlich zu sprechen, die, wie die mnbit, menschenfeindliche Gesinnungen und Wünsche, sogar Verwünschungen gegen die Bekenner anderer Religionen enthalten. Finden diese liturgischen Bestandtheile (denn Gebete können sie nicht genannt werden) ihre Erklärung nur in der finstern Zeit der Verfolgung, während der Kreuzzüge, in welcher sie größtentheils entstanden sind, und widersprachen sie ursprünglich schon dem Geist unserer Religion, welche Liebe gegen alle Menschen, sel.bst gegen Feinde- , lehrte, so vertragen sie sich noch weit weniger'mit einer Zeit, in welcher die Israeliten ihre völlige Gleichstellung mit den Bekennern aller übrigen Religionen anstreben, diese auch in sichrer Aussicht, theilweife schon, gewährt worden ist. Die israelitische Oberkirchenbehörde, welche sich bewußt ist, die Rechte der israelitischen Kirche gegenüber dem Staate mit Entschiedenheit vertreten und ihr Nichts vergeben zu haben, ist ebenso mit Entschie-