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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-26 · Heft 27 (26.6.1848) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 27 (26.6.1848)
Date
1848-06-26
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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895 blickte man hier sehnsüchtig nach dem Westen. Nach den Vorgängen in Posen ist jede Hoffnung geschwunden, und die Herrschaft der Knute steht sichrer als je. Korrespondenz. Die Geschichte des jüdischen Schulwesens. Von Emanuel Hecht. (Schluß.) Noch weit schlimmer jedoch als mit der Bildung des Knaben stand es um die der Mädchen. Diese holden Geschöpfe, von Gott dazu bestimmt, den Männern Gehilfinnen zu werden und von der Natur dazu ersehen, dem Säuglinge Pflegerin, dem vollendeten Kinde Erzieherin zu sein; diese nach dem in ihrem Charakter vorwaltenden Gefühl und Herz, auf Glauben und Liebe so ganz eigentlich von Natur aus hingewiesen (und ohne diese hohen Güter allen Stürmen und Schicksalen des Lasters hingegeben, zur Geisel für Haus und Familie werdend). Dieses holde, einflußreiche Geschlecht, sage ich, wurde grenzenlos vernachlässigt. Für ihre Herzensbildung, Sittenveredelung und Geiftesvervollkommung wurde nicht das Geringste gethan. Die Religion lernten sie nur dem Namen nach kennen. Ihr ganzer Unterricht bestand nur in nothdürftigem Lesen des Hebräischen und Hebräisch-Deutschen Schreiben lernte selten ein Mädchen. Gebetsübersetzung blieb ihnen fremd, woher es auch kommen mag, daß die Frauen in der Regel beim öffentlichen Gottesdienste die Andachtslosesten von jeher waren, und immer ein Gespräch in der Synagoge mit der Nachbarin der andächtigen Verrichtung des Gebetes vorzogen. Und doch war der Mutter fast allein die Erziehung der Kinder überlaffen, da der Mann selten zu Hause war und sich nicht in diesem Geschäfte bekheiligen konnte. Was noch zu ihrem Besten nicht nur in der Schule, sondern zu Hause geschehen war, daß die Mutter am Sabbate von der Tochter Etwas aus dem hrwn dem 2p, -ira-von, -MIN -isö, ‘DNEii mim, U5DD rinnw vorlesen ließ, Werke, in welchen sich neben der strengsten Moral, allerlei Buntes und Krauses von Hölle und Geister, die bizarrsten Erzählungen von,Begegiiissen und Ereignissen, die extravagantesten Legenden von Seelenwanderungen / Nützlichkeit der Amulette, von Gespenstern, Verschwörungen der Engel und Dämonen, kurz allss das vorfand, was geeignet ist das Urtheil zu verirren, den Verstand zu verdummen und das Gemüth mit unendlichen Superstitionen anzufüllen. Der WNT) WaiS insbesondere, die Bibel der jüdischen Frauen, war mehr Kommentar als Text und zwar ein Kommentar, aus welchem so Mancher das lernte, was gerade zu wissen nicht nöthig war. Von anderer Lektüre blieb Nichts als der Eulenspiegel, die 1001. Rächt, alte Sagen- und Ritterbücher*) aus dem Jahrhunderte der Meistersänger, die in immer neuen Auflagen in jüdisch-deutscher Sprache ihnen dargereicht wurde. Das war nun Alles, was für die Geistesbildung des andern Geschlechts geschehen. Schreibt sich diese Vernachlässigung von dem orientalischen Vorurtheile her, das in diesem Geschlechts nur das schöne, nicht das gebildete suchte, oder aus dem Umstande, daß es die Bedingniß des von Gott geschlossenen Bundes nicht zu erfüllen vermag**), oder von ihrer Unfähigkeit, in- und außerhalb der Synagoge die Zeremonien zu verrichten, oder endlich von dem Talmud, der ausdrücklich verbietet, das weibliche- Geschlecht in die Geheimnisse der Theologie einzuweihen? Wir glauben den Grund in dem Umstande zu sehen, daß das Talmudstudium eine zu große Zeit in Anspruch nimmt, die das verhältnißmaßig weit mehr als der Mann beschäftigte Weib nicht aufbringen konnte; daß es ferner — seiner Natur nach mehr Gefühl — an dem, große Verstandesschärfe fordernden Talmudstudium wenig Vergnügen fand, es durch erlangte Bildung keine Auszeichnung, keinen Nutzen sich erringen konnte. Galt dies nun zunächst in Beziehung auf den Talmud, so hatte dies doch auch rückwirkenden Einfluß auf die allgemein geringere Berücksichtigung der weiblichen Bildung, um so mehr, als auch von den übrigen Konfessionen dies Geschlecht wenig beachtet wurde. Hat doch sogar Montaigne noch geglaubt, ein Weib wisse genug, wenn es das Wamms ihres Mannes von den Beinkleidern zu unterscheiden verstehe. Wenn demungeachtet die Mädchen jeder Zeiten ihren Eltern gehorsam, dabei fromm und bescheiden, die Frauen genügsam, häuslich und züchtig, wenn Untreue, freches Wesen und mißvergnügte Ehen äußerst seltene Erscheinungen waren, so mußte dies der *) Auch gehörte noch, wenn auch seltener, zurFrauenbibliothek das m von Jona Garondi, das v">ivdN von Benjamin Mordono, das VfO von R. Schmelka. - **) Sieh Herz Homberg, die israelitische Schulanstalt, Anhang zu dessen -pp*' p.

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