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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-26 · Heft 27 (26.6.1848) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 27 (26.6.1848)
Date
1848-06-26
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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389 Insofern also der „Aufrufs der Gestaltung des Iudenthums durch den Ausdruck „freie Nationalsynagoge" von vorn herein ein bestimmtes, gewissermaßen unreligiöses Gepräge aufdrücken will, können wir allerdings ihm nicht beistimmen. Dies hat aber in der Wesenheit mit dem Vorgänge selbst Nichts zu thun. Wir betrachten diesen „Aufruf" als den äußern Anstoß, im Geiste der Zeit und in der Nothwendigkeir für den Bestand des Judenthums endlich zu einer Vereinigung zu gelangen, und während die Rabbinerversammlungen nur die Bekämpfung einzelner Mißbräuche, der frankfurter Reformverein die Vernichtung des positiven Inhalts, die berliner Reformgenossenschaft die Errichtung eines modernen Gottesdienstes zum Inhalte hatten, jetzt, nachdem die Zeit gereift, die Allgemeinheit des Iudenthums aufzustellen und in faßlichen Lehrsätzen darzustellen, nicht als ein bindendes Symbolum, sondern vielmehr als eine allgemeine Aeußerung von innen heraus. In diesem Sinne würden wir den, im Aufrufe angegeben Weg, Provinzialvereine zu bilden, nicht billigen: sondern vielmehr eine freie Versammlung aus Deutschland zuerst Vorschlägen, und von dieser aus, wenn sie zu einem Resultate geführt, an Provinzialvereine denken. Sollen Letztere vorangehen, so würde das Interesse gespalten, die Sache in die Länge gezogen, und die ganze Angelegenheit später wieder in diplomatische Wege eingelenkt, durch Deputkrte rc., wo doch nur Jeder selbst der Mann ist. Daß eine solche, allgemeine, freie Versammlung zu Stande komme, hätte jetzt, bei der lebendigen Energie der Zeit, einige Hoffnung für sich, wenn sie nicht zu weit nach Südwest verlegt würde. Doch hierüber ein ander Mal. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlichingen (Württemberg), im April. (Privatmitth. Verspätet.) Nachdem unsre Regierung nach Verordnung vom 12. d. M. die direkten Reichstagswahlen mit dem Bemerken ausgeschrieben, daß auch Israeliten daran Theil zu nehmen hätten, erließ der für den diesseitigen Bezirk ernannte Wahlkommissär, Amtsnotar Schall in Forchtenberg, zwei Stunden von hier, ein Schreiben, daß am 25. d. M. die diesseitige Gemeinde zu wählen hatte, was auf den letzten Tag des Pesachfestes siel. Nach Verlesung desselben vor der ganzen Bürgerschaft, erhob sich unser Rabbiner Wälder und protestirte laut gegen diesen Wahltag, da derselbe es den Israeliten unmöglich mache, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, während die Verordnung selber besagte, daß an Festtagen keine Wahl vorgenommen werden dürfe. Herr Rabbiner Wälder verfügte sich in Begleitung des ihm befreundeten hiesigen Ortsvorstandes sogleich nach Forchtenberg, wo denn der Wahlkommissär mit Vergnügen den Wahltag vom 25. auf den 27. d. M. verlegte, indem er sich entschuldigte, daß er nicht daran gedacht habe, daß die Israeliten an jenem Tage Festtag hatten, übrigens freue er sich, daß dieselben, resp. ihr Geistlicher, so viel Interesse an diesem Wahlrecht nehmen. Am 27. d. M. zog nun die ganze Bürgerschaft, ohne Ausnahme der Konfession, der katholiiche und israelitische Geistliche mit den beiderseitigen Schullehrern an der Spitze, militärisch bewaffnet an den Wahlort, wo auch der Herr Rabbiner, der schon seit geraumer Zeit geschichtliche Vortrage vor einer größern Versammlung gehalten, sehr viel Stimmen für den Reichstag erhielt,, da derselbe im ganzen Bezirk sehr beliebt und geachtet ist. K. Posen, 11. Juni. (K. Z.) Die Juden beginnen bereits an ihre Auswanderung nach altpreußischen Provinzen zu denken; wer es von denseloen möglich machen kann, verläßt Posen über kurz oder lang bestimmt, da man zur Ueberzeugung kommt, daß es den Polen Ernst ist, jede Geschäftsverbindung mit ihnen zu brechen. Berlin, 16. Juni. Die Bert. Zeit. Halle enthält unter der Überschrift: „Auch ein Mittel der Reaktion" Folgendes: „Einer der verabscheuungswerthesten Reste des Mittelalters, den noch keine Revolution, auch unsre jüngste nicht, zu zerstören vermochte, ist das Vorurtheil der Haß gegen die Juden, und wie es scheint wird dieses Vorurtheil von der Reaktion zu ihren Zwecken mit am Meisten ausgebeutet. Ja es ist die einzige Handhabe, welche ein Theil des Volkes noch der Reaktion zur Erreichung ihrer Zwecke bietet, da alle übrigen Vorurtheile und Aberglauben, wie Pietismus, sklavische Ehrfurcht vor fürstlichen Personen, Franzosenhaß und wie die Schrul-

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