Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 27 (26.6.1848)
- Date
- 1848-06-26
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
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387 Freiheit würdig benützen. Einigen wir uns daher zu einer unserer Grundsätze würdigen Macht. Ausgeschlossen bleibt natürlich von unserer Vereinigung der Wort- und Förmglaube, sowol der streng an den Wortlaut der schriftlichen, wie mündlichen Ueberlieferung sich anklammecnde als der romantisch-sentimentale, welcher erstorbene Institutionen durch pathetischen Aufputz zu retten sucht; ec hat in feststehenden, anerkannten Institutionen seine Stütze, ihm wüsten wir vorerst als offene Gegner entgegmtreten. Au uns sollen nur diejenigen treten, denen es mit einer zeitgemäßen, unsern Fortbestand sichernden, freien jüdischen Kirche Ernst ist, und die ihrer Ueberzeugung ihre Lebenskraft mit Ausdauer zu widmen bereit sind. Hiermit ist das Kriterion für unsre Vereinigung gegeben. Die Abweisung aller politischen und sozialen, nichtreligiösen Momente (z. B. Elementarschulen, Armenpflege, Gesellschaften aller Art) dürfte ein Hauptmoment zur Herstellung freier kirchlicher Vereinigung bilden. Dies Kriterion wird vorerst genügen, um nicht durch Häufung heterogener Momente eine gedeihliche Entwickelung des beabsichtigten Vereins zu stören. Ein Programm zu geben, und somit der künftigen Entwickelung des Vereins und der Kirche einen bestimmten Weg vorschreiben zu 'wollen, wäre verwesten von uns; nicht von außen herein, von innen heraus soll der Verein, die künftige Kirche ihre Gestaltung gewinnen, und die fceigewahlten Repräsentanten sämmtlicher freigesinnten Juden Deutschlands sollen den Grundriß zu diesem Neubau entwerfen. . Dieser Versammlung allein kann insbesondere die Feststellung einer Verfassung, die auch für die kleinsten' Reformgemeinden passen muß-, und unsers Benehmens gegen die bestehende Kirche und die alten Gemeinden überlassen werden. Um jedoch das Positive, das uns .Alle einigt, wenigstens .anzudeuten, glauben wir es dahin bestimmen zu können.: eine Synagoge (oder vielmehr Religionsschule für die Erwachsenen, wie für die Jugend) soll gegründe.t werden, die deren sammtlichen Gliedern den reinen Gottesglauben, .wie er ein Echtheit Israels zu allen Zeiten war, mit den sittlichen Ausflüssen, die das Diesseits regeln und den beseligenden Verheißungen, die die Erreichung des Höhepunkts menschlicher Entwickelung gewährleisten, in aller Hehre und .Reinheit und einem der Jetztzeit entsprechenden Gewände zur lchMigen Anschauung bringt, und zum sittlichen Stützpunkte für das ganze Leben, als die erste Bedingung unsrer sozialen Wiedergeburt, als einzigen Schutz gegen Zerfall und Auflösung, herstellt. Zur Erreichung dieses Zieles bedürfen wir der Vereinigung, und an alle Gleichgesinnten, Laien wie Rabbinen, geht dieser Aufruf. Orts-, Bezirks- und Provinzialvereine sollen zu diesem Zwecke durch ganz Deutschland gegründet werden (für unsre N.ähe etwa ein Württemberg, Baden, Rheinbaiecn, Großherzogthum Hessen, Frankfurt, Nassau und einige angrenzende Theile umfassender Provinzialverein), und eine große Vereinigung durch ganz Deutschland muß aus deren Zusammenwirken erstehen. Wir fordern Gleichgesinnte zur Ausbildung und Erweiterung der bestehenden Vereine, und zur Bildung solcher Vereine, wo noch keine bestehen, auf, und zur schleunigsten Mittheilung, ob sie die alsbaldige Berufung einer großen deutschen Versammlung oder die vorgehenden Ber.athungen in etwa sechs verschiedenen Provinzialversammlungen zur Beschickung einer allgemeinen für angemessen halten, um alsdann in Gemeinschaft mit denselben zur weitern Veröffentlichung schreiten zu können. So erlassen wir diesen Aufruf, der eine oft und in neuester Zeit namentlich von Frankfurt a. M., Berlin und Breslau angeregte Idee von Neuem in Erinnerung bringt, als Sendbote durch alle deutsche Gauen, damit er alle diejenigen iw deutschen Israel, die warm fühlen für jede deutsche Angelegenheit, zum Erwachen und Handeln rufe, um eine weit verbreitete Glaubensgenossenschaft vor Zerfall und innerer Auflösung zu bewahren und als Solche dem Dienste des Gesammtvaterlandes zu erhalten. Unsre uralte, heilige Religion predigt nicht allein, wie neulich ein bewährter Lehrer Israels so trefflich darge.than hat, so weit die menschliche Erinnerung zurückreicht, die Grundsätze, der Freiheit (höchsten sittlichen Willensfreiheit), Gleichheit (alle Menschen zu gleichem Dienste Gottes bestimmt) und Bruderliebe (Nächstenliebe), sie sucht sie auch in ihrem Sittengesetze und ihren Institutionen zu bethätigen. Diese Religion soll nicht allein uns erhalten, sie muß auch -er Welt in ihrer Hehre dqrgestellt werden, was nur durch eine freie Synagoge erzielt, durch freie Nationalsynagogen .vorgearbeitet wird, und tvozu wir zunächst durch Gründung, einer