Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 27 (26.6.1848)
- Date
- 1848-06-26
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
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386 verkenne» wir die Schwierigkeiten des Unternehmens durch- I aus .nicht, glauben aber, gerade dessen^ Nothwendkgkeit durch die Darstellung dieser Schwierigkeiten ach Besten begründest zu können. ' " ' v v •-, -- Noch tönen in uns die herzzerreißenden Schilderungen der leider in so vielen Theilen des Vaterlandes verübten Judenexzesse, welche rMiAüsammenhange mit den gedrückten Verkehrsverhaltnissen so viele unserer Glaubensgenossen materiell bedrängen, und den Lebensmuts) Niederdrücken. — Aber gerade diese Zertrümmerung de't bisherigen äußeren Grundlagen unserer Stellung drängen uns, das Panier eines reinen gelauterten Glaubens weithin zu entfalten. Hiemit stellen wir nach Außen die einzige Eigenthümlichkeit dar, die der Jude beansprucht, und aber auch trotz aller Angriffe und Unbilden, die uns die Auswüchse der Bewegung zufügten, trotz aller Freiheiten, die uns der gewaltige Umschwung der Ideen bringt, festhalten wird. Nach Innen aber erhalten wir die festeste Stütze in Leid und Freud, das unvergängliche einzige Heil, den einzigen sittlichen Stützpunkt für unsre neue Stellung.— Nicht der materiellen Mittel, wenigstens nicht vorzugsweise, sondern des Geistes und Gemüthes unserer Jünglinge und Jungfrauen, der Gesinnung und Thatkraft unserer Männer und Frauen, der Liebe und des Vertrauens zu Gott und seinen beseligenden Verheißungen bedürfen wir zur Verwirklichung der uns vdcschwebenden Ideen. Noch hat sich der Sturm, der Europas Lande durchzuckt, nicht vollständig entladen, noch ist die Verwirrung der Begriffe und Interessen im Wachsthume, noch, glauben wol Viele, sei die Zeit zu ruhiger Berathung nicht gekommen. Aber wir leben der Ueberzeugung, daß nur eine große Zeit Großes gebiert, und daß der Grundstein zu einer freien jüdischen Kirche in einer großartigen zu Opfer und Entsagung ermuthigenden Zeit gelegt werden muß. Noch sind die politischen Institutionen, das Palladium der Neuzeit, nicht festgestellt, noch erfüllen die nicht gelösten Angelegenheiten des Vaterlandes jeden Vaterlandsfreund, lassen für einen andern Gedanken kaum Raum, ja Manche brandmarken sogar jede Beschäftigung selbst mit den heiligsten Angelegenheiten eines Theils des ' Volkes als unzeitgemäßes, selbstsüchtiges Bestreben. Doch nirgends und am Allerwenigsten unter uns, den Rellgionsinteressen mit hervorragender Gemächlichkeit sich zuneigenden Deutschen, wird die staatliche Frage ge!- löst, so längere soziale'und religiöse noch der Lgsung betratst, Hiey Helfen Hcht .frch .poKtrHhe HrrMutionen, ja nicht einmal mate^ieü aus'glstchende Gestaststng der Gesellschaft, die Grundlage bleibt'Bildung eines ffttlichreligiösen Gefühls durch alle Volksklassen, und als deren Grundlage freie Kirchen. Nicht früh genug können auch wir Juden unsere VorbereksuNgen treffen, damit nicht die neüen Staats- und Kirchengestallungen das Judenthum unvorbereitet treffen, zertrümmern und auflösen. Hier entsagen wir 'nicht in Absonderungsbestrebungen dem Dienste des Vaterlands, nein, wir arbeiten, indem wir uns zu immer würdigeren Söhnen des deutschen Vaterlandes zu bilden bemühen, gerade in dem höchsten vaterländischen Interesse. Schon sehen wir die Freigesinnten anderer Konfessionen (Deutschkatholiken, die Anhänger der Synode in der römisch-katholischen Kirche, protestantische Lichtfreunde) zu großen Anstrengungen sich ermannen, um die errungenen kirchlichen Freiheiten zu ihrem Besten zu benützen, und nicht indie Hände der Ultramontanen und Pietisten fallen zu lassen, welche nun auch diese freien Institutionen, denen sie seit Jahren mit aller Kraft entgegen traten, zu ihren freiheitswidrkgen Zwecken auszubeuten sich bestreben. —" Und wir, die wir bis vor wenigen Jahren die einzigen Träger des hohen Prinzips der Religionsfreiheit, der Trennung von Staat und Kirche nach außen, wir, die freigesinnten Juden, die wir seit einem Jahrhundert die.Vorkämpfer für freie Glaubensanschauung nach innen waren, sollten den hehren, heiligen und allein vernünftigen Gottesglauben nunmehr verrathecisch Preis geben, jetzt feige zurücktreten, in dem Momente, in dem sich überall die Freigesinnten schaaren, um endlich ernst Hand anzülegen an den Tempelbau, der vorerst-nur für eine Kl-einzahl die Vollkraft der Religion in aller Reinheit darzustellen bestimmt ist, wodurch aber in Bälde die Rückgebliebenen, die nur durch die wirkliche-Anschauung einer lebenskräftigen freien Kirche überzeugt werden können,- nachgefützrt und so endlich zur wahren Einheit der GottesverrhruNg und Bruderliebe Alle, Alle vereinigtwerden Men! Ja, vertrauen wir doch etwas auf die Macht dieser Ideen, auf die Gewalt des Prmzipes, das bei klarer Darstellung die begeisterndste Weihe üben und mit Riesengewalt die kleinen, nur scheinbar praktischen und unüberwindlichen Hindernisse überwältigen wird. Nur wennwirdas Prinzip der Freiheit nach innen in Fülle, ausbauen, werden wie die errungene, äußere