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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-19 · Heft 26 (19.6.1848) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 26 (19.6.1848)
Date
1848-06-19
Page
Seite 382 (sequence 14)
Language
German
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382 deutsch vorgetragen werden. Möglich, daß es in kommenden Generationen anders werden kann. Heute wäre der Unterricht rein ungarisch auszuführen nicht möglich und für die Wissenschaften selbst von Nachtheil nur. . Manche andere in neuester -Zeit aufgeschossene Vaterlandsverbesserer bemerken: wozu der Gemeinde diese &t|i ertragen, es giebt. ja christliche Schulen und sparen thut heute noch. Zwar wird in den christlichen Schulen nur ungarisch gelehrt, und der Jude bedarf deutscher Bildung, um sich sein Brod auch außerhalb Ungarns engen Grenzen suchen zu können; zwqr stehen die jüdischen Schulen im Rufe,, die meisten Wissenschaften, als Rechnen, Geographie, Geometrie, ^Buchhaltung rc, gründlicher zu betreiben als alle hier bestehenden christlichen; zwar herrscht noch ein kleiner Umstand, daß die jüdische Jugend auch hebräische „Sprache und Religion zu lernen habe, alle diese Gründe müssen por dem großen Gedanken: man soll die Kosten-ersparen, verschwinden. . •j.;: Freilich wird diese Finanz-Philosophie auch auf qndere Zweige schon erstreckt, man findet, aus demselben. Gesichtspunkte ausgehend, auch ein eigenes jüdisches Spital.für überflüssig, ja Rabbinen undPre- .diger sind in diesem Geiste betrachtet auch nur reiner Luxus;, lebenwir lieber nie Hottentotten und wir werden ein Sündengeld des Jahres hindurch ersparen, nebstdem haben wir noch Aussicht,, daß unsere christlichen Brüder uns das Zeugniß des Nichtseparirens geben werden. Möge Gott es bessern und den Vorstehern der Gemeinde Energie verleihen, auf daß sie durch.verblendete, kurzsichtige,, falsche Judenfreunde sich nicht irre leiten lassen, und alle Angriffe, auf ihr redliches Wirken mit Verachtung zurückweisen. Noch stehen wir außerhalb der christlichen Gemeinde, noch bedarf es eines engen, festen Aneinander- Haltens, um unsre Erlösung vom Drucke zu beschleunigen. Drum Muth Ihr Edlen! Gott und alle Edelgesinnten werden Euch dafür segnen. ...b... , . Pesth, im Juni. Die hier erscheinende „Volkstribune" fährt fort, Danksagungen von Jsraelitengememden für geleistete Hilfe zu bringen (z. B. von Esacza). Es . sind dies freilich zu gleicher Zeit Beweise, wie groß die Noth noch ist. Korrespondenz. Die Geschichte des jüdischen Schulwesens. Von Emanuel Hecht. (Fortsetzung.) Die Entlassung aus der Schule geschah gewöhnlich mit der vollendeten Zeit des i-nSia ‘"ü, das ist mit dem 13ten Jahre. Der Knabe lernte da seine Sidra oder Pacscha, um sie öffentlich in der Synagoge vorzutragen. Fast ein Vierteljahr wurde auf die Erlernung derselben verwendet und nicht wenig Torturen wurden bei den Exerzitien verwendet. Mancher talentvolle Jüngling lernte noch eine t-sttJTj (zum nicht geringen Kitzel der hochbeglückten Eltern), deren Wirkung auf den Knaben sich höchstens nur auf das Zurückbleiben eines Theits Eigenliebe reduzirt, da ihm der Inhalt derselben gewöhnlich ganz fremd bleiben mußte. Es ist dieser Gebrauch noch in einem großen Theile heutiger Gemeinden gang und gäbe und darum eine ausführliche Beschreibung überflüssig. Daß das ins» “li durch eine geeignete, nicht auf theatralischem Gepränge beruhende Konfirmation, der ein fruchtbringender Religionsunterricht vorausgeht, ersetzt werden kann, darüber herrscht gegenwärtig nur eine Stimme. Es fehlte nicht an einzelnen Männern, die, wie schon bemerkt, gegen die Gebrechen des Unterrichtswesens ihre Stimme erhoben und für eine bessere Bildung sich ereiferten. So lesen wir in Melo Chofnaim von Joseph Salomon del Medicos (17. Jahrhundert) was zwar nur auf höhere Studien Rücksicht nimmt, aber leicht auch zu Urtheilen über niedere Schule berechtigt. „Die Masse der Rabbinen versteht in unseren Tagen von den Himmelskörpern gerade so viel, wie Ochs und Esel, und damit übertreten sie das alte Gesetz und widersprechen dem Worte des Propheten, der ihnen zuruft (Jes. 5, 11. 12.): „Weh denen, die des Morgens sich fördernd, berauschenden Getränken nachjagen u." Wie Viele bringen ihr ganzes Leben mit fleißigem Lesen zu, und sind doch aller Kenntniß leer, weil sie mit verschiedenartigen Schriften und Meinungen ihre Zeit vergeuden, und sehen sie nach einem Jahre ein früher gesehenes Buch wieder, erinnern sie sich dessen, als hätten sie es iin Traume gesehen; sie sind dem Esel gleich, der die Mühle dreht, der sich immer im Kreise bewegt, abermicht von der Stelle kömmt. Will Jemand, daß irgend eine Kunst sein eigen werde, so muß Kritik ihm zur Seite flehen."

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