Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 26 (19.6.1848)
- Date
- 1848-06-19
- Page
- Seite 381 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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381 dem ein IudenanrL zu errichten und alle Juden, die nicht mit Jnkolat versehen sind, auszuweisen, und dies geschah, nachdem in Wien das Judenamt untergegangen und in Rom die Thore des Ghetto niedergerissen wurden; dies geschah in einem Lande, das liberte,~egalite et fraternite zur Devise hat; und dieses Verfahren wird beobachtet zu einer Zeit, wo der Staat jeden Arm und jede Gabe dringend braucht. Die Zahl der auf diese Weise polizeilich Ausgeschafften ist circa 120 Individuen. Wenn zur Zeit der Noth so gehässig gegen die Juden vorgeschritten wird, was haben wir von der Zeit des Friedens zu erwarten, wenn keine Rücksicht zur Schonung obwalten wird? Und dennoch erkaltet der Patriotismus der ungarischen Juden nicht, sie werden durch ihren wahrhaften edeln Charakter ihre Feinde besiegen, und sie zur Anerkennung ihrer Verdienste und angeborenen Menschenrechte moralisch zwingen.- Wahrlich der größte Triumph, der noch je errungen. Auf unfern jüngsten Artikel über den hiesigen jüdischen Resormverein erwarteten wir eine Entgegnung, und waren' sogar auf eine polemische Antwort gefaßt, wir hätten auch gerne insolange es ein Prinzipienstreit gewesen wäre, uns in Federkampf eingelassen, und nicht ,den geringsten Anstand genommen, wenn wir eines Andern überführt worden wären, es geradezu einzugestehen. Anstatt jedoch mit vernünftigen Gründen unsre Ansicht zu widerlegen, schlug der Redakteur des hier seit Kurzem aufgetauchten „Ungarischen Israeliten", Herr I. Einhorn, einen andern Weg ein, nämich unseren gewiß anständigen Rügen, Impertinenzen und persönliche Ausfälle entgegen zu halten. Hierauf haben wir Nichts zu erwidern, denn unser Grundsatz ist: Gemeines still verachten. Nur in einem Punkte müssen wir dem Herrn Einhorn Recht widerfahren lassen, daß wir ihn und seinen Charakter überschätzt haben. *) Wir würden auch über das eben erwähnte Blatt das bisherige Schweigen ferner beobachtet haben, indem allem Anscheine nach das Blatt ohnehin bald zu verwelken scheint, wenn nicht in den letzten Nummern *) So höchst unangenehm uns dergleichen polemische Aeußerungen sind, konnten wir doch dieselben unserm Herrn Korresp. nicht versagen, und übernimmt derselbe die Verantwortlichkeit dafür. - Redakt. Pamphlete gegen die hiesige jüdische Schule und deren Kommission ausgenommen worden wären, welche zu Ehren der beiden so heftig und grob Angefallenen, in wahres Licht oder vielmehr in ihre wahre Finsterniß gesetzt werden müssen. Die Vorwürfe, die der Schulkommission gemacht werden, beschränken sich darauf, daß es ehrliche Leute sind, folglich keine Sympathie mit dem Referenten, der sich Ahasver nennt, haben. Der Schule jedoch kann er nicht anders zu Leibe, als mit dem Gebrechen, daß das Schulpersonal größtentheils Böhmen oder Mähren zum Vaterlande hat. Kann man thörichter und boshafter die Feder führen? Weder die Schullehrer noch die Schulkommission haben sich selbst gewählt, oder sich aufgedrungen, sondern Erstere wurden, in Ermangelung heimischer Talente aus den Nachbarstaaten beschrieben, und Letztere als die Kenntnißreichsten hier erwählt. *) Die hiesige jüdische Schule wirkt segenreich seit 15—20 Jahren, und so manche Zierde des Judenthums ist aus ihr hervorgegangen, so daß es jetzt auch schon geborene Ungarn geben möge, die als Schulmänner tüchtig sind. Bessere aber, oder Geschicktere, ja wir gehen noch weiter, ebenso gründlich Studirte und ihrem Fache Gewachsene würde man noch heute in Ungarns Gauen vergeblich suchen. Freilich käme es manchem heimischen, stellenlosen Seminaristen vielleicht gerade gelegen, wenn man anstatt verdiente Männer Solche lieber anstellte, die weiter kein Verdienst haben, als das sie in Ungarn geboren sind. Um nun die wahre innere Intention zu verbergen, plänkeln sie mit Magyarismus, „wir brauchen keine deutsche sondern eine ungarische Schule", sagen sie, und mit dieser Heuchelei verstricken sie manchen Redlichgesinnten. Der Grund dieser Behauptung jedoch ist total falsch, denn Pesth ist ebenso wie Prag und Lemberg eine deutsche Gemeinde, mögen sich auch einige Ultramagyaren noch so heftig dagegen geberden. Wol ist es Pflicht, die Sprache des Vaterlandes eifrig zu betreiben und dieses geschieht hierauch, die Wissenschaften insgesammt jedoch müssen, insolange die Schuljugend die deutsche Sprache als Muttersprache spricht, *) Darunter ist auch der sehr ehrenwerthe hiesige Aberrabbiner H. Schwab. Korresp.