Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 26 (19.6.1848)
- Date
- 1848-06-19
- Page
- Seite 380 (sequence 12)
- Language
- German
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380 Mit dem Augenblick, wo der Glaubenszwang gefallen, mußte auch die Glaubenssteuer fallen. Was den Staatsschatz betrifft, so wird der wol die Judensteuer immer brauchen, und aus diesem Grunde müßte sie in Ewigkeit bleiben. Nehmet denen, die zuviel aus dem Staatsschätze ziehen, ihre großen Gehaller und Pensionen- und ihr könnet denen, die zuviel in den Staatsschatz zahlen, ihre großen und ungerechten Steuern nehmen! Ungarn. Pesth, 1. Juni. (Privatmitth.) Das ist der Fluch der bösen Lhat, daß Böses immer Böses zeugt, 'ttTS* rvrhia irr»ä». Das erste in Preßburg schmachvoll verhängte Gesetz, daß man uns das bereits zugestandene aktive und passive Wahlrecht wieder nehmen solle, war das Signal zu allen folgenden Gräueltaten. Der rohe Haufe glaubte die Ueberzeugung erlangt "zu haben, daß der Jude noch nicht des vollen Menschenrechtes werth sein müsse, und so fand er sich zu Raub und Plünderung angestachelt. Die Logik dieser Raubhorde war nicht falsch. Wenn die Gesetzgeber das von Gott verliehene Menschenrecht den Juden nehmen können, warum sollten sie das, nicht von Gott gegebene, sondern von Menschen erworbene Eigenthum heiliger halten? Zuerst schlug die Flamme in Pesth, der kultivieren (!) Hauptstadt des Landes am 19. April empor, wo sie jedoch durch militärische Hilfe erdrückt wurde. Dann folgten Preßburg, Neustadt!, Szered u. A. m. Ueberall war die Gesinnung der Bevölkerung gleich schlecht, und nur in Verhältniß des anwesenden oder herbeieilenden Militärs wurde die Plünderung stärker oder minder ausgeführt. Einen traurigen Beleg für die Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts, und um so seltsamer, daß überall nur von eingewanderten Deutschen die Aufhetzung .ausgegangen ist, wozu dann freilich der Plebs aller Zungen sich anschloß. In rein ungarischen Ortschaften kennt man das Wort Judenhaß nicht. Die von Seiten der Behörden und der neuen Regierung laue Behandlung und Ahndung der Judenverfolgungen bahnten die Anarchie an, und die rächende Nemesis erhob'Kroation, um die Folgen zu zeigen, die unbestrafte Zügellosigkeiten nach sich ziehen. Wenn die Zeiten des Faustrechtes wieder da sind, und der Schwächere jede Unbill vom Stärkern ertragen muß, dachten die Kroaten, so wollen wir in unsrer Heimath, wo wir die Stärkeren sind/ Herr sein, und unser nachbarliches Slavonien, ebenfalls Antimagyaren, an uns sich anzuschließen bewegen, wie nicht minder noch einige Komitate illirischer Zunge. Der junge selbstständige ungarische Staat, noch ohne Mannschaft und Geldmittel, sieht sich schon vom Bürgerkrieg bedrängt, muß daher kaum organisirt, freiwillige Schaaren sowol, wie freiwillige Beiträge von der Vaterlandsliebe seiner Bevölkerung zu gewinnen trachten. . Jetzt war der Wendepunkt, an welchem die Juden aus ihrer untergeordneten Stellung hervortraten, sie reihten sich muthig den Vaterlandsvertheidigern an, und blieben in freiwilligen Geldbeiträgen ebenso wenig hinter ihren christlichen Brüdern zurück. Man pflegt uns den Vorwurf zu machen, daß wir Alles nur mit Berechnung, nur aus Interesse leisten. Wo war die Berechnung der jüdischen Freischärler, die wol wissen, wenn ihre Mission beendet ist, werden sie wie verrostetes unbrauchbares Eisen bei Seite gelegt? sie haben keinen bürgerlichen Lohn für den Einsatz ihres Lebens zu erhoffen, und dennoch stehen sie ein. Ein Beweis, daß sie mehr Ungarn als Juden sind, erst an's Vaterlands dann erst an sich denken. Merkt euch das, ihr verstockten Judenfeinde. Das Haupt der kroatischen Partei, der Banus Jellacic stellte in seinem ersten Manifeste die vollkommene bürgerliche Gleichstellung aller Konfessionen als obersten politischen Grundsatz auf. Die jüdische Bevölkerung Kroatiens ist emanzipirt, und wir ungarischen Juden verspritzen unser Blut, um unsere Glaubensbrüder in Kroatien ihrer Menschenrechte zu berauben. Welch schmerzliches Gefühl muß der jüdische ungarische Soldat in seiner Brust Niederkämpfen, und dennoch heißt es, von 1100 Mann Freischaaren, die sich hier seit 14 Lagen anwerben ließen, wäre der dritte Lheil mosaischen Bekenntnisses. Wie bekannt war hier am 19. April Raub und Mord den Juden zugedacht, welche durch Gewalt der Waffen unterdrückt wurden. Welchen weisen Beschluß faßte darauf die hiesige Behörde? Etwa die Rädelsführer zu ermitteln und zu bestrafen? O nein, son-