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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-19 · Heft 26 (19.6.1848) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 26 (19.6.1848)
Date
1848-06-19
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
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378 schleudert worden, ein Handschuh, der dem englischen Volke selbst vom Oberhause zugeworfen worden. Andrerseits ist sie ein Ereigniß, das Unzähligen auf dem Festlande willkommen ist. Wir müssen daher im Interesse dieser Angelegenheit die Sache soviel wie möglich aufzuklaren suchen, und sammeln daher nachträglich noch einige Data. Die Allg. Augsb. Zeit, berichtet vom 26. Mai: Das Schicksal der Judenbill hing größtencheils am Herzog v. Wellington. Er schwieg, und die Bill ist gefallen *). Die Opposition führte auf christlichem Grunde Graf v. Ellenboroug, derselbe gottesfürchtige Mann der als Generalgouverneur von Indien den berühmten Lempelthüren so große Ehrfurcht bezeugte. Ohne Zweifel haben die edlen Herren alle aus Gewissensgründen gestimmt; ob aber diese mit wahrer Staatsweisheit in Einklang gestanden, muß die Zeit lehren. Es ist schon übel daß man erklärt, aber doch zu erklären scheint, nicht Vernunft, nicht Billigkeit soll unsere Stimmen leiten, sondern Gewalt. Den Dissenters, den Katholiken mußten wir weichen, denn ihrer waren viele; die Reformbill, die Abschaffung des Korngesetzes haben wir bewilligt, denn die Nation verlangte Beides mit Donnerstimme. Aber die Juden sind geringer an Zahl, die Nation macht keinen besondern Lärm wegen ihrer Emanzipation, also wollen wir sie nicht emanzipiren. Wie aber, wenn London Hrn. Rothschild zum zweitenmale wählte; oder wenn bei der nächsten allgemeinen Wahl por depit ein halb Dutzend jüdischer Vertreter gewählt werden sollte — würde man nicht alsdann den fraglichen Eid ändern müssen? Vom 29. Mai. Der Herzog von Wellington hat, wie wir nun aus der Times ersehen, wirklich gegen die Judenbill gestimmt. Der alte Herr, der in jüngeren Jahren von der Theologie keinen sonderlichen Gebrauch machte, hat jetzt — er ist am 1. Mai 79 Jahr alt geworden — manchmal Anwand¬ *) Wir finden in den vor uns liegenden londoner Blättern bloß die Namen der Peers aufgeführt welche für die Bill gestimmt haben; Wellington ist nicht darunter, scheint sich also dießmal von der Ansicht seines politischen Genossen Sir R. Peel getrennt zu haben. Von der Bischofsbank stimmten für die Emanzipation: der Erzbischof von Bork, die Bischöfe von St. David's, Worcester, Manchester und Hereford (vr. Hampden). lungen von Frömmigkeit. Außer ihm stimmten die Herzoge v. Cambridge, Athol, Beaufort, Buckingham, Buccleuch, Montrose, Manchester, Newcastle, Northumberland, Richmond und Rutland gegen die Bill; für sie die Herzoge v. Norfolk, St. Alban's, Leeds, Cleveland, Argyll, Roxburgh, Leinster, Somerset, Brandon, Devonshire, Sutherland und Grafton, so daß diese höchste Klaffe des Adels ziemlich gleich gelheilt war; denn drei von den 27 Herzogen der jetzigen Pairie, darunter der v. Bedford, Lord I. Ruffels älterer Bruder, stimmten weder persönlich noch durch Übertragung. Gegen die 5 Prälaten welche Ja stimmten, standen 2 Erzbischöfe (der von Canterbury und der von Armagh) und 16 Bischöfe mit Nein. Die Barone Lionel und Anselm v. Rothschild waren während der ganzen Verhandlung anwesend; sie standen oben im Saal neben dem Thron." —. Also der alte Wellington war es, durch den die Juden die Schlacht verloren. Um dies zu verstehen, erinnern wir an den neulichst von den öffentlichen Blättern erwähnten Umstand, daß Wellington stets „50 Peers in der Lasche habe," d. h. die unbedingt wie der alterschwache Held stimmen. Da ist denn also die 35-Majorität aus Wellingtons Patrontasche herausgekommen. Unter den Reden zeichnete sich die des tiefgelehrten und geistreichen Brougham aus. Wir entnehmen derselben einige Stellen. „Es giebt, sagt B., „kein Gesetzdas den Juden vom Parlamente ausschließt, nicht einmal die Erklärung, daß er Christ sei, ist erforderlich. Ehe er seinen Sitz einnimmt, muß er die Rechte des Prätendenten abschwören, erklären, daß die Erben der Kurfürstin Sophia Anspruch auf den Thron hätten, der Königin Treue schwören und dann hinzufügen: „er schwöre bei dem wahren Glauben eines Christen". Damit erklärt er aber nicht, daß er ein Christ sei; man fordert nicht, daß er die Wahrheit gewiffer Worte und Lehren beschwören, sondern nur, daß er die bezeichnete Erklärung in einer gewissen Wortformel mache. Was die Entchristlichung des Parlaments betrifft, so ist das Unterhaus bereits entchristlicht, und wir haben eine halb ungläubige, halb christliche Gesetzgebung. Das Ministerium ist ohne Zweifel ebenso unchristlich, als die Gemeinen; nur das Haus der Lords ist vollkommen christlich (Gelächter). Selbst nach dem bestehenden Gesetze kann ein Jude Lordkanzler werden.- Nach den Prinzipien

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