Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 26 (19.6.1848)
- Date
- 1848-06-19
- Page
- Seite 377 (sequence 9)
- Language
- German
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377 jüdisches- Handlungshaus, welches nachweislich für Tyrol den größten Vortheil schuf. ,Aus einem längern Vertheidigungsartikel heben wir folgende, Stelle Heraus, welche den Zustand in Tyrol zeichnet, und also von allgemeinerm Interesse ist. - „Die Landesstelle Tyrols hatte es sich, wie jedermann weiß, zur Aufgabe gemacht das Land von Ungläubigen zu reinigen,, und mit welchem Eifer sie hierin dem Beispiele Spaniens und seiner Großinquisitoren folgte, bewies das Verfahren gegen die protestantischen Glaubensgenossen, die fern von ihren heimischen Bergen eine gastliche Stätte suchen mußten. Doch nicht hievon wollten wir sprechen; kommen wir zu unserm Gegenstände. - Schon seit Jahren wurde den Juden von Amtswegen der Ankauf von Häusern in Brixen förmlich untersagt. Das Laubstummen-Institut. veräußerte dort seine ältere Anstalt. Schon lange zuvor waren wir von der Stadt.wie vom Kreisamte angegangen worden den brixener Armen Arbeit zu verschaffen. Jene Liegenschaft eignete sich besonders zu einer Wollenspinnerei, und wurde zu diesem Zwecke, in zwei öffentlichen Versteigerungen für uns angekauft. Durch das Kreisamt wurde die. Landesstelle in Kenntniß gesetzt „daß man dieses Haus erst dann antrete, wenn die im Gesetze erlaubten Privilegien allerhöchsten Orts eingeholt und überhaupt genehmigt feien// Inzwischen vertrat ein christlicher Käufer, den Eigenthümer. Was that nun die hohe Landesstelle? Als Stellvertreter dieser Laydesanstalt gab. man. sich in Innsbruck alle Mühe dieses Haus unterderhand an einen andern. Besitzer zu bringen: wirklich fand man einen Wohlthäter der einige Gulden mehr gab als die öffentliche Versteigerung nachwies, ungeachtet wir kein Geheimniß daraus gemacht daß wir selbst den zweifachen Kaufschilling zu diesem - Zwecke zu bezahlen bereit seien; auch war die vollste Hoffnung da, daß , Sr. Majestät diesen Kauf zu besagter Fabrik genehmigen werde, um so mehr.als selbst die Gesetze die .Anlegung derartiger Unternehmungen ermunterten. Was aber geschah! Wir erhielten den amtlichen Bescheid „es sei der h. Landesstelle gelungen zum Wöhle der genannten Anstalt das sogenannte^ Dellariahaus besser zu verwerthen." Nach wenigen Wochen ind.eß hatten wir Gelegenheit bei einem verheerenden Brande, in Brixen uns bemeMch zu machen, und eine Stadtdeputation beantragte nun-dieseysMsauf oder einen andern bei Sr., Majestät bittend zur Anerkennung zu bringen; allein wir glaubten dem einmal für gut befundenen Ausspruch der Landesstelle nicht entgegentreten zu sollen und wollten ü.berdieß fürmnsere Pflichterfüllung keine besondere Anerkennung in Anspruch nehmen. ä; : Hören wir folgende Aufforderung der Landesstelle im Amtsblätter „Laut Dekret vom Jahre 1827, erneuert im Jahre 1841/42, dürfen Juden in Tyrol in der Regel keine Realitäten besitzen,, daher ein wachsames Auge gehalten werden solle,, daß keine.Einschleichungen vorfallen." Der Erlaß an die Landgerichte, daß man keinem Juden Aufenthalt gewähren solle, kam etwas später ans Tageslicht, aber nie gab es in Tyrol einen Fall daß sich jüdische Glaubensgenossen durch den Ankauf von Realitäten einzuschleichen gesucht, nie gab es in Tyrol, außer dem Landesübel vom Jahre 1600, ein Gesetz, welches den Aufenthalt von Israeliten verbot; selbst jene spanische. Nachahmung ordnete, nur das . Tragen von gelben Flecken als Auszeichnung an; aber es gab wol baierische und französische Gesetze, sowie eine Regierung die alle Bestimmungen des westptzälischen Friedensschlussesalle Toleranz- Edikte des Kaisers Joseph, alle Verheißungen und Verpflichtungen der deutschen Bundesakte allen Unterthanen im Bunde die neu erlangten Rechte feierlich verbürgte. Man tastete die seit undenklichen Zeiten in Botzen bestehende Synagoge an; man verlangte von. den marxischen Kindern den Nachweis wie siein den Besitz des ihnen vom Vater als Erbtheil zugefallenen Hauses gekommen; man ordnete den Verkauf.desselben. ^an, wofern nicht eine besondere Konzession vom allerhöchsten Orte vorliege. Man verwies einem solchen Verfahren der Landesstelle gegenüber auf den Rechtsweg und rief die Bundesakte und die von Südtyrol unter. Italien erlangten. Rechte an. Umsonst, es erfolgte keine. Entscheidung, und doch' hatte die Sache seit drei Jahren — so lange fehlen alle weiteren Entscheidungen — wol in Erledigung gebracht werden können." Großbritauieu. London, im Jul. Die Verwerfung der /Judenbill durch das Oberhaus ist ein Handschuh,, der dem ganzen gegenwärtigen Europa in's Angesicht ge- 26*