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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-19 · Heft 26 (19.6.1848) · p. Seite 374

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 26 (19.6.1848)
Date
1848-06-19
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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874 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Annab erg (Sachsen), 5. Juni. Sieh mal einer an — selbst in Sachsen fängt man an, für die Juden zu petitioniren! Der hiesige „Vaterlandsverein" hat eine Denkschrift. an das Ministerium und die Ständeversammlung gerichtet, worin' er der Juden zu gedenken geruht. Doch halt, nicht zu viel auf einmal. Der annaberger „Vaterlandsverein" ist klug und weise, er unterscheidet zwischen politischen und gemeinbürgerlichen Rechten. Die Ersteren will er ihnen gönnen, die Letzteren versagen. Man soll, nach dem alten Spruche, die Juden ehren, aber nicht ernähren. Anklam, 5. Juni. (Privatmitth.) Wenn die jetzigen Zeitereignisse auch wichtig genug sind, Alles in den Hintergrund zu drängen, und man von weiter Nichts spricht und liest, als von den politischen Wirren der Gegenwart, die wie jede Übergangsperiode ihre i-knb hat; wenn man einerseits zurückschaudert vor den Gräuelthaten, die jene Höllengeister: Fanatismus, Vorurtheil und kalte Mordlust im Po.senscheu, so wie namentlich in Ungarn und B öh men zu Tage gefördert und man sich darob entsetzt und Einem das Blut in den Adern stockt, daß Menschen sich so weit vergessen können zu morden wie Thiere und gewissermaßen noch grausamer als Thiere; — wenn man anderseits den Triumph der neuerstandenen Zeit mitfeiert und mit hoher Begeisterung in die Siegestöne und Jubellieder der Wahrheit und Gerechtigkeit einstimmt, die sich endlich Bahn gebrochen und den verjährten Haß, das mittelalterliche Vorurtheil und die Intoleranz' mit ihrem teuflischen Gefolge mit riesiger Kraft in den Abgrund der Hölle geschleudert; — und wenn man so mitfühlt und mitempfindet Alles, was unsere Brüder und Schwestern, weß Glaubens und Standes sie auch seien, was unser Vaterland in seinen einzelnen Kheilen und im Ganzen und Großen betrifft und sich so dem Allgemeinen anschließt und im Allgemeinen aufgeht: so dürfen dabei doch gewisse Separatinteressen nicht außer Acht gelassen werden, die, wenn sie unter den Interessen der Jetztzeit auch nur eine untergeordnete Stellung einzunehmen scheinen, für die Betheiligten dennoch von größter Wichtigkeit sind. Wir meinen die künftige Gestaltung unserer Gemeinden,- die wol wichtig und bedeutsam genug ist, daß sie in den betreffenden Organen besprochen werde. Denn wer sieht es nicht ein, daß eine Reorganisation unserer Gemeindeverhältnisse sehr nothwendig sei? — Wer weiß es nicht, wie nachtheilig der alte Schlendrian, dem viele, vielleicht die meisten Gemeinden huldigen, auf Gegenwart und Zukunft wirkt? Wer weiß es nicht, daß der Verfall der Gotteshäuser und des Gottesdienstes, der Verfall der Schulen oder vielmehr deren Nichtvorhandensein, die leidigen Prozesse, das immerwährende Gezänke mit den Kultusbeamten u. s. w. u. s. w. nur eine Folge der zeither bestehenden Anarchie und maßlosen Willkür ist? Die Gemeinden als Solche müssen eine Verfassung haben und wäre es unsrer unmaßgeblichen Meinung nach höchst nothwendig, daß jetzt hierfür Etwas geschehe. Der geehrte Herr Redakteur dieser Zeitung hat hierüber allerdings schon eine Eingabe an das Kultusministerium eingereicht (s. No. 18 d. Bl. den leitenden Artikel); aber es müßte dies von möglichst vielen Seiten geschehen, damit es zum vollkommensten Bewußtsein komme, daß eine Regulirung der jüdischen Gemeindeverhaltniffe höchst nothwendig sei. Freilich gehen wir Juden im Volke auf; freilich haben wir in bürgerlicher Hinsicht keine Sonderinteressen und danken wir Gott und der Aufklärung der Zeit, daß von einem eigentlichen Judengesetze im Sinne desjenigen, womit wir 1847 beglückt wurden, nicht mehr die Rede sein kann. Anders ist's jedoch in religiöser Beziehung und insofern wir Religionsgemeinden bilden; da thut es allerdings Noth, daß eine alle Verhältnisse der Gemeinde ordnende statutengemäße Verfassung eingeführt werde; da thut es allerdings Noth, daß endlich einmal jene großen Drachen, Arroganz und maßlose Willkür, die noch in vielen Gemeinden das Szepter führen, gänzlich vernichtet werden und jener beseligende Himmelsbote, der Friede, allüberall seinen Wohnsitz aufschlage. Allerdings soll der Staat von der Kirche und somit auch von der Synagoge geirennt sein; allerdings ist der Staat ebenso wenig christlich, wie er jüdisch oder rnohamedanisch ist; aber insofern der Staat sich um die Kirche kümmert, und sie und ihre Interessen wahrt und schützt; insofern wäre es auch wünschenwerth, daß er auch die Interessen, der jüdischen Religionsgemeinden in seinen Schutz nehme

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