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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-19 · Heft 26 (19.6.1848) · p. Seite 372

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 26 (19.6.1848)
Date
1848-06-19
Page
Seite 372 (sequence 4)
Language
German
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872 von unserm kleinen Standpunkte aus, wo die ganze Menschheit in den Schmerzen der Geburtsstunde liegt. Auf diese Weise leitet Gott die Erziehung des Menschengeschlechtes, langsam und sehr allmälig, ein Weg vieler Jahrtausende, in großem Wechsel der Zeiten, aber darum von Stufe zu Stufe in sicherer Entfaltung, es auf die Höhen des Menschenwesens zu bringen. HI. Ich komme, andächtige Zuhörer, am Schluffe zum Anfang meiner Worte zurück. Dies ist die Aufgabe der Religion, darin bewährt sie sich, darin besteht ihre Hoheit und ihre Kraft, daß sie den Menschen über sich selbst erhebe- und gottvertrauend in die Zukunft blicken läßt. Ja, wir leben in einer schweren Zeit. Es ist gekommen eine Zeit, wo die Menschheit hinüberschreitet von einem Alten zu einem Neuen, aus gewesenen Zuständen in werdende, zukünftige; eine Zeit ist, wo oft das Jnnre auch des Stärksten zittert, und die Lippe auch des Zuversichtlichsten bebet; eine Zeit, wo viele Feigenbäume verdorren, an vielen Reben keine Frucht ist, die Speise mangelt auf dem Tische des Familienvaters, und der Erwerb schwindet selbst aus der Hand des Fleißigen. Und dennoch wollen wir dem Propheten folgen, dennoch der Stimme der Religion Gehör leihen, die uns aufrufen, des Ewigen zu frohlocken, Gottes zu jubeln, der der Retter ist, der die Kraft verleiht. Nach dem Sturme kommet der Sonnenschein, wollen wir uns zuerst sagen, eine bessere Zeit bricht an, wenn die schlimme des UeHergangs vorübergezogen, dann blühet der Feigenbaum mit neuer Kraft, die Rebe bringt die Frucht in neuer, nie geahnter Fülle. Wer das Dunkel überstanden, der jubelt doppelt des heraufströmenden Lichtes. Und Gott ist es, der es also geordnet, wollen wir uns zuzweit sagen, und was Er thut, ist gut. Und er hat es geordnet zum Heile des Ganzen, der gesammten Menschheit, daß Freiheit und Recht in ihr kommen zu neuer Geltung; für die Zukunft, für unsere Kinder und Kindeskinder, daß Brüderlichkeit und Erkenntniß wachsen, und Haß und Vorurtheil immer mehr entschwinden. Wenn wir kämpfen, wir kämpfen für sie, wenn wtt leiden, wir leiden für diese, sie werden die Früchte ernten aus unsrer Saat, und wer will sich dem entziehen? Und auch uns selbsten gedeiht es, wollen wir uns endlich sagen. Wer hat uns Glück verbürgt, ungestörtes Wohlsein versprochen? Hatten wir nicht immer Mühsale? wann waren wir nicht bedrängt? Das ist der Beruf des Menschen, auf daß er reife einem höhern Dasein, auf daß er entsagen lerne dem Irdischen, auf daß er ein Größeres erfassen lerne, als was ihm die Erde bietet, auf daß seine Seele sich bezwingen, sein Geist sich Gott ergeben lerne. Lasset uns nimmer kleinmüthig werden, nimmer verzagen, lasset uns Gottes, des Retters jubeln, frohlocken deß, der uns Füße schaffet gleich Hindinnen, und uns die Höhen beschreiten läßt — Amen. Magdeburg, 14. Juni. Ueber die Stellung der jüdischen Lehrer. Es ist uns folgendes Schreiben zugekommen: Anklam, Ende Mai. (Aufruf an die jüdischen Lehrer Preußens.) Die Zeit drängt, daher erlaube ich mir mit wenigen Worten auf einen Gegenstand aufmerksam zu machen, der für die jüdischen Lehrer und somit für die Schulen von größter Wichtigkeit ist — ich meine einePetition sämmtlicher jüdischer Lehrer Preußens an das hohe Kultusministerium um Verbesserung ihrer Stellung und um Reorganisation des ganzen jüdischen Schulwesens. Daß die Stellung der meisten jüdischen Lehrer eine sehr prekäre und von den Launen und von der Willkür Einzelner abhangende ist, wißt Ihr, geehrte Amtsbcüder, nur zu gut; daß dies auf die Bildung und Erziehung des Heranwachsenden Geschlechts den nachtheiligsten Einfluß hat, hat die Erfahrung genugsam dargethan! Es wäre meines Erachtens also hohe Zeit, daß wir dem Beispiele unserer Kollegen in der Rheinprovinz folgend (s. No. 22 d. Bl., die Privatmitth. aus Krefeld) diese Angelegenheit sobald wie möglich höchsten Orts zur Sprache bringen. Was in dieser Beziehung sowol in unserm eigenen, als im Interesse der Gemeinden wünsch en sw erth sei, und — soll der Lehrerstand eine ihm gebührende Stellung einnehmen — auch realisier werden muß, ist in der No. 22. d. Bl. abgedruckten Petition der krefelder Lehrerversammlung in gedrängter Kürze aufgestellt, und frage es sich nur, wie wir auf die schnellste Weise zum Ziele gelangen. Nach meiner Ansicht wäre es am Besten und Zweckmäßigsten, wenn Sie bester Herr Doktor, der Sie schon so oft als Mandatar Ihrer noch hier und da beschränkten Glaubensgenossen aufge-

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