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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-12 · Heft 25 (12.6.1848) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 25 (12.6.1848)
Date
1848-06-12
Page
Seite 365 (sequence 13)
Language
German
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365 Schultern legte. Wie konnte er die Zucht mit Liebe und Freudigkeit handhaben? Wie konnte es seine Sorge sein, mit väterlicher Güte seines Berufes zu warten, mit der liebevollen Sorgfalt eines Gärtners die zarten Pflänzlinge zu pflegen? Uebernahm ec ja nur sein Amt, um zu leben, und zuweilen zu hungern, behielt es doch nur, da er sich auf andere Weise keinen bessern Erwerb verschaffen konnte und hungern doch besser als verhungern ist. Bei solchen Ansichten vom Amte, bei solcher Gedrücktheit des Gemüths und Rohheit der Sitten mußten die armen Kinder am Meisten leiden. Sie waren seine beständigen Quäl- und Plaggeister, denen er seinen Hartsinn und seine üble Laune so schrecklich fühlen ließ. Die finstere Miene und der rauhe Ton verleideten den Kindern den Aufenthalt in der Schule, die Kleinen getrauten sich kaum den unholden Mann anzublicken, besonders wenn er zum Schlägeaustheilen sehr geneigt, mitunter wie ein grausamer Barbar sich gebärdete, an der Züchtigung Gefallen fand. Mürrisch, finster, mißgelaunt empfing er die Schüler, pöbehaft lieblos, barbarisch behandelte er sie, unfreundlich, abgewandt, grollend entließ er sie. Ihre Nähe war ihm am Unleidlichsten, ihr Herz verstand er nicht, Iugendfehler, Jugendschwäche wurden von ihm schonungslos bestraft, erlittene Unbilden, unangenehme häusliche Vorfälle hatten die unschuldigen bedauernswerthen Kleinen zu büßen. Leidenschaften und Launen diktirten die Strafen. Es wurde kein Unterschied gemacht zwischen den Fehlern des Verstandes und denen des Herzens. Unvermögen, Schwachheit, Leichtsinn und Uebereilung wurden in demselben Maße bestraft, wie die der Widerspenstigkeit und Bosheit. Dem gemeinen Miethlinge war nichts lästiger als seine Werkstätte und die Stunden des Schulschlusses seine Erlösungsstunden, auf die er sich schon sehnte, bevor die Schule noch kaum ihren Anfang genommen. Der Stock führte das Schulcegiment, der war der Generalstab zur Leitung des Schulheeres, das Universalkraut zur Heilung aller geistigen Krankheiten, der Weisheitstrichter, kurz, das Faktotum. Schmähungen, Flüche, Schimpfnamen, Verhöhnung waren süße Zugaben. Das Kind wurde von seinem Fehler nicht überzeugt, sondern der Prozeß wurde mit der Exekution begonnen. Falsches Lesen wurde mir Haarrupfen, Falschgelerntes mit Maulschellen, das Lachen mit Ohrfeigen, das Weinen mit Kneipen, die Unaufmerksamkeit mit Prügel, die Dummheit mit Anlegung von Schandzeichen, die Bosheit mit Arrest rc. bestraft. Man frage nicht, wie es möglich war, daß der Lehrer bei seiner prekären Stellung sich solcher grausamen Zuchtmittel bedienen durfte; denn es war den Kindern bei harter Strafe untersagt, aus dem zu reden, und so erfuhren die Eltern selten Grund und Weise der Bestrafung. Strafen, aber in unschädlicher Portion, hielten auch die Eltern für unerläßlich. Eine solche Behandlung mußte natürlich dem Kinde, starke Furcht einflößen und es war keine bloße Drohung, wenn die Eltern dem kleinsten Kinde vor dem *nn als einer irdischen Hölle drohte. Der Furcht vor der Strafe konnte der Schüler auch bei der angestrengtesten Aufmerksamkeit nicht immer entgehen; denn da nicht immer das Verdienst das Richtmaß für die Bestrafung abgab, sondern bald der Mangel an Geschenken, bald der Zwist mit den Eltern, bald persönliche Abneigung die Gunst oder Ungunst zur Folge hatte, so mußte solchen — besonders den armen Kindern, die Schule eine wahre Marter sein, so daß die Erinnerung an die hier verlebten Tage die trübsten Bilder, die unangenehmsten Empfindungen auch noch im spätesten Alter hervorriefen.*) Nicht nur in, fondern auch außerhalb der Schule war des Rabbi Erscheinen ein Donnerschlag. Sein Anblick verscheuchte auf einmal alle Freuden der muntern Jugend. „Der Rabbi kommt" war ein Schceckensruf, der die Kinder nach allen vier Weltenden springen machte. Und sie wußten warum. Sie ahnten, was sie erwartete, wenn sie von ihrem Lehrer bei den harmlosen Spielen betreten wurden. Ein strenges Gericht war immer die Folge derartiger Rendezvous und der bekannte Generalstab hatte gewöhnlich seinen Marsch nach dem Orte hin kommandirt, den man vor honetten Leuten nicht gern nennt. Manches Kind kam nach solchen Begegnissen schluchzenden Herzens in die Lehrstube, manches kluge Kind kam dann mit angezogenen doppelten Hosen oder untergelegtem Sack und manches noch klügere wußte mit „dem Erblindungsmittel des Weisen und dem Beuge- *) Die strenge Zucht war damals überhaupt an der Tagesordnung. Wir finden davon nicht nur in mehreren Lebensbeschreibungen berühmter Männer (z. B. in der Seume's) zahlreiche Beispiele, sondern auch in jüdischen Schriften. Ich führe hier nur eine Stelle aus dem Buche *1017211 nan» an. Sie lauter wörtlich: „"ttn N*nno ir'b ■’Dö miö, das meint, wie man schlagt den Ochsen, asu sott man nie nit lass'n feiern ein Kind von 6 Jahr'n, stets lieg' ihm in Haar'n, daß es lernt und frumm sei, wu nicht, schlag' drauf frei; Hab' kein Sorg' ein etlicher Streich wohl steht un is der nur verlor'n der neben geht."

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