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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-12 · Heft 25 (12.6.1848) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 25 (12.6.1848)
Date
1848-06-12
Page
Seite 364 (sequence 12)
Language
German
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864 Willen und Wissen nicht so wählerisch sein, sondern mußten sich mit dem begnügen, was sie erhalten konnten. Warf die Stelle indessen ein gutes Einkommen ab, da kamen Sabbat um Sabbat wandernde stellenlose Subjekte, ihre Dienste devotest anbietend. Sie glichen den bis in's 16teJahrhundert vorkommenden bekannten fahrenden Schülern, Bachanten und Schützen. 6) Besoldung. Ich glaube kaum, daß man die Frage aufwerfen wird: Warum widmeten sich nur sonst unbrauchbare Menschen der Jugenderziehung? wenn man über Größe und Weise der Besoldung unterrichtet sein wird. Wol gab es auch damals einzelne Stellen, die ihren Mann bei Genügsamkeit und Sparsamkeit, selbst mit Familie ernährten, aber ihrer Seltenheit wegen können sie weniger Berücksichtigung finden, sie sind büä. Es wurde dem Lehrer in der Reget nur eine Hungerbesoldung gegeben und ihm bei der Aufnahme der Kampf mit Armuth und Noch gleichsam zur Bedingung gemacht. Lehrer und Bettler war Eins. Einige Gulden Geld und freie Station machten die Besoldung aus. Er mußte jedoch — wahrscheinlich aus allzugroßer Beachtung seiner Gesundheit — die Bewegung nicht scheuen und mit der Kost bei den verschiedenen Vätern wechseln. Jedoch konnte der Bachur, besonders wenn er den Frauen gefiel, wegen der Speisen wol wenig Klagen führen, denn man wetteiferte, um vor Anderen nicht zurückzustehen, in der Darreichung des Besten. War er verheirathet — wo er keine fliegende Kost erhielt — bekam er doch von jedem Gebäcke ein gewichtiges Laib Brod und bei einer Abschlachtung eine gute Dosis Fleisch. Wohnung erhielt ec in dem Hause, in welchem die Schule bei ihrer endlosen Wanderschaft rastete. Außerdem flössen ihm bei Verlobungen, Hochzeiten, Beschneidungen, Bar Mizwa's, durch's Schiurlernen und vorzüglich durch Fertigung von einem halben Dutzend Mischeberach's per Mann schöne Emolumente zu. Um jedoch seine Besoldungsstücke zu empfangen, mußte er selbst bettelnd in den Häusern erscheinen, und daß er statt des Geldesklanges'oft rohe Worte jeglicher Art hören, Erniedrigungen und Beschimpfungen erleiden mußte, ist um so weniger auffallend, als er sich in Charakter und Sitte, in Wissen und Mollen wenig von der großen Menge unterschied und sohin gar nicht respektirt wurde. Besaß er eine Familie, so bot diese nur den Anblick einer verschämten Bettlerfamilie dar. Kleidung und Lebensweise entsprachen seinem Einkommen. Man konnte ihn nur mit Mühe in der Reihe anderer Gemeindeglieder oder der der Armen unterscheiden. Unter Chasanfrau dachte man sich nur das Bild einer schmutzigen und häßlichen Figur. So kam es nun, daß er neben seinem Berufe allerlei Nebengewerbe trieb. Keine Arbeit, die Etwas eintrug, scheute ec oder seine Familie. Zu einem beständigen Geschäfte gehörte aber das Barbieren*), Schächten und Vorsingen. Bei solchem Gehalte, solch unschicklicher Empfangs- und Einsammlungsart der Besoldungstheile, wie konnte man glauben, daß sich ein Mann, der sich nur einigermaßen geschickt fühlte, in anderen Fächern ein weit anständigeres Auskommen zu finden, mit Vorliebe einen Stand ergreifen werde, worin er sich fortwährend in die Klasse der ü*>Wnü73 zurückgesetzt sehen und Meister in der Wirthschaftskunst sein mußte, um sich durchhelsen zu können? Wie konnte man glauben, daß er in der stets frohen Kinderschaac die am Reinsten stimmenden Saiten seines Herzens ohne Mißtöne erhalten konnte? e) Zucht. Wir haben im Vorigen gesehen, daß der Lehrer gewöhnlich ein sehr übel gewählter Mann von unfreundlichem Aussehen, plumpen Sitten und beschränkter Einsicht war. Jede bessere Ansicht vom Berufe mußte durch die Mißachtung, die er erfuhr, durch die schlechte Würdigung seiner Mühen und seiner Aufgabe schnell untergraben werden. Darum beachtete ec nun auch sein Amt als ein saueres Gewerbe und sich selbst als Miethling um des schwer erwerblichen Brodes willen. Er bekam nur Eselsfutter, also betrachtete er seine Arbeit auch nur als Eselsarbeit. Er ging gewöhnlich an sein mühseliges, freudenleeres Tagewerk mit derselben Geistesdumpfheit und Gleichgiltigkeit, mit demselben Unmulhe und Ueberdrusse, wie der Tag für Tag hart arbeitende Taglöhner, wie zu einer schweren, endlosen Sklaverei, die ihm jeden Morgen dieselbe harte Bürde auf die müden, verdrossenen *) Daß die schlechte Besoldung nicht nur von den jederzeit bedrängten Juden gäng und gäbe war, zeigt die Geschichte der Stadt Amberg (Baiern) vom Freiherrn v. Löwenthal, wo S. 343 vom Pfarrer Siegenhof (im 17. Jahrhundert) erzählt wird, daß er aus Noch als Hochzeitlader mit den Brautleuten in seiner Pfarrei herumging, darauf die Hochzeitschuhe machte, das Paar in der Kirche einsegnete und als Musikant die Hochzeitstänze aufspielte. Nebenbei war er auch Bartscherer im Orte. Zschokke, Geschichte von Baiern.

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