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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-12 · Heft 25 (12.6.1848) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 25 (12.6.1848)
Date
1848-06-12
Page
Seite 361 (sequence 9)
Language
German
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361 gestellt werden wird, denn die Verweigerung des kirchlichen Budgets ist gleichbedeutend mit der Aufhebung des Konkordats, der organischen Artikel und aller konstitutiven Dekrete des protestantischen und israelitischen Kultus. Nichts natürlicher daher als die heftige Polemik in der religiösen Tagespresse über diesen Gegenstand. Eine protestantische Sekte, die Methodisten, an ihrer Spitze der Semeur, haben den Kampf begonnen, indem sie im Namen der geistlichen Unabhängigkeit die Lösung aller Bande .beantragen, welche die Geistlichen an den Staat knüpfen. Dagegen ist der offizielle protestantische Klerus für die Beibehaltung der gegenwärtigen Ordnung der Dinge, weil, wie er mit seltener Offenherzigkeit gesteht, es gefährlich sei die Existenz der Geistlichen von der Indifferenz der Gemeinden abhängig zu machen. Auch unter den katholischen Geistlichen stehen sichzwei Parteien gegenüber. Die eine, aus dem jüngern Klerus bestehend, wünscht daß die Kirche vermittelst der Verzichtleistung auf die Besoldung durch den Staat eine vollständige Unabhängigkeit erlange, während die andere, vom Episkopat und selbst vom heiligen Stuhle unterstützt, der Meinung ist diese Unabhängigkeit werde durch die Bezahlung der Geistlichen durchaus nicht gefährdet, und es wäre im Interesse der Kirche und des Staates daß das Budget des Kultus nicht unterdrückt werde. Die Mehrzahl der Geistlichen beruft sich dabei auf das veraltete Argument, daß das Budget des katholischen Kultus nur eine Entschädigung sei für die Güter welche die Kirche in der ersten Revolution verloren habe. Die religiös-sozialistische Schule des Hrn.Buchez, Präsidenten der Nationalversammlung, verwirft dieses Argument als nicht stichhaltig und faßt die Sache so auf, daß es für die Regierung gefährlich sei, einer Körperschaft von 60,000 Mitgliedern mit 40,000 Nednerstühlen (den Kanzeln) gegenüberzustehen, ohne den geringsten Einfluß darauf zu haben. (Also die Republik will durch das Gehalt Einfluß auf die Kanzeln haben?) Entgegengesetzter Meinung ist Hr. Lamennäis der in seinem Peuple constituant für die Unterdrückung des Budgets des Kultus ficht, weil die geistliche Unabhängigkeit der Kirche mit vom Staate besoldeten Geistlichen eine Unmöglichkeit sei. Da Lamennais in den Ausschuß zur Vorbereitung des Verfassungsentwurfs gewählt ist, so ist seine Meinung von Gewicht, und um so mehr als sie von den HH. Tocqueville, Odilon-Barrot und Considerant, ebenfalls Ausschußmitgliedern, getheilt wird. Was Hrn. v. Lamartine betrifft, so war er noch ganz vor kurzer Zeit für die Unterdrückung des kirchlichen Budgets, was allerdings nicht verhindert, daß er heute vielleicht gegen diese Maßregel ist. So weit die A. A. Z. Wir sehen also, daß die katholische Geistlichkeit über diese Frage gespalten ist, hingegen die protestantische, der sich auch sicherlich die israelitische Geistlichkeit anschließt, für die Zahlung aus der Staatskasse ist. Warum? Weil es der Majorität von 27 Millionen Katholiken immer noch leicht sein wird, ihre Geistlichen zu erhalten, hingegen der Minorität sehr schwer. Denn, es ist nicht zu übersehen, daß der Minorität ihr Kultus bei, weitem schwerer zu erhalten wird, da eine geringzählige Gemeinde auch ihren Kultus haben muß, und dieser geringzähligen Gemeinden mehre sind, als der zahlreichen, großen. Darum ist auch der israelitische Kultus bei dieser Frage eigentlich am Meisten interessirt, weil derselbe mit geringer Ausnahme nur sehr kleine Gemeinden hat. Großbritanien. London, 27. Mai. Mit Ausnahme der Post und des Standards sprechen sich die englischen Blätter mehr oder weniger scharf gegen den Beschluß des Oberhauses in der Judenemanzipationsbill aus. Die Lords — sagt die Times — haben die Judenemanzipationsbill verworfen. Sie werden also die Christlichkeit der Legislatur, die Ihnen so sehr am Herzen liegt, ohne Zweifel immer mehr zu entwickeln und uns zu zeigen suchen, was eigentlich eine christliche Legislatur ist. Ihr heiliger Eifer läßt es uns nur bedauern, daß sie sich genöthigt gesehen haben, hin und wieder „mit den Samaritern zu verkehren." Der Staat hat vor Kurzem 4 Millionen von einem Juden geborgt, um dem Schwester-Eiland Beistand leisten zu können. Ganz gewiß werden die Lords eine so „unchristliche" Verbindlichkeitslast nicht tragen wollen; sie müssen etwas thun, um einen solchen Flecken abzuwaschen. Das Chronicle bedauert es, daß sich das Oberhaus durch seine Abstimmung mit der öffentlichen Meinung des Landes in einen so schneidenden Widerspruch gesetzt habe. Wir wissen nicht, fährt es fort, 25*

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