Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 25 (12.6.1848)
- Date
- 1848-06-12
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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360 liten beauftragten Deputation giebt der „ks8ti üwlsp" folgendes Resumö. Die Deputation hat fünf Klassen aufgestellt, denen gemäß 1) alle jene unverheirateten Israeliten, die kein. Jnkolatsrecht besitzen, und keinen Erwerbszweig haben, sofort ausgewiesen werden; 2) diejenigen, welche, wenn sie auch verheirathet sind, über ihre Jnkolatsrechte und gute Konduite .sich.-nicht auszuweisen im Stande sind, sollen binnen 4 Wochen Pesth verlassen; 3) Ausländer oder PaßLose!(6S3V9r§öL, eigentlich Landstreicher?), wenn sie auch schon längere Zeit hier wohnen, aber kein Jnkolatsrecht besitzen und auch nach dem Gesetzartikel 29 : 1848 nicht aufzünehmen sind, sollen gehalten sein, binnen 3 Monaten sich von hier in ihre Heimath zu begeben, binnen welcher Zeit ihnen jedoch belassen bleibt, sich um das. Jnkolat zu bewerben; 4) jene Individuen, welche vor dem Jahre 1840 hier wohnten und ordentlich Steuer zahlten, aber kein Jnkolat besitzen, werden zur Ertheilung desselben dem Zentralausschusse empfohlen werden; 5) .Solchen, die bei einem hiesigen Einwohner in wirklichen Diensten stehen, wird das Recht, sich hier aufhalten zu dürfen, zuerkannt. Unter diesen 5 Kategorien sind bis jetzt in die erste 15 , in die zweite 41, in die dritte 64, in die.vierte 42 und in die fünfte 62 Individuen gefallene . Pesth, 28. Mai. (Konst. Bl. f. B.) Ich habe Ihnen unrichtig gemeldet, daß unser. Ministerpräsident Graf Bätthyöny dem Schatz eine Million, ohne Zinsen geborgt. Das soll der Fürst Brttthyäny, ein Verwandter des Ministers, gewesen sein, und auch das ist nur on M. — Dagegen war ich Zeuge, wie sich vorgestern auf dem Stadthaus ein junger. Israelit Namens Utasi in die mobile Nationalgarde aufnehmen ließ, dann seine Brieftasche öffnete und mit den Worten : „das ist mein ganzes Vermögen" 10,000 fl. K. M. als zinsloses Darlehn auf den Lisch legte. Nach der dreijährigen Dienstzeit sollte ihm die Summe wiedererstattet werden. Im Falle er jedoch bis dahin nicht mehr unter den Lebenden wäre, sollte das Geld dem Schatze verbleiben. Um den Geist der hiesigen „Pesther Zeitung", unsers Spießbürgerblattes, zu charakterisiren, muß ich bemerken, daß diese den, erwähnten patriotischen Akt erzählt, ohne die Konfession des Patrioten anzugeben, was sie nie unterlassen würde, wenn irgend ein Jude ein Taschentuch gezogen hätte. Leider macht unser Ministerium, um nur die Hauptstadt auf seiner Seite zu haben, dieser Philisterei der Altbürger zu viel Konzessionen. Außerdem daß es, ganz gegen das. Landtagsgesetz, den Spießbürgern zu Liebe die in die Nationalgarde aufgenommenen Juden wieder entwaffnete. und keine Juden ohne Jnkolatsrecht hier duldet, hat es noch dieser Tage ein abscheuliches Zeichen nicht von Intoleranz — diesen Vorwurf kann man unseren Ministern nicht machen — sondern von Furcht, der Bürgerschaft zu mißfallen, gegeben. Der Unterrichtsminister Eötvös hatte nämlich vor einigen Tagen angekünd.igt, er werde 12 absolvirte Studenten in's Ausland schicken, um verschiedene Institute zu studiren. Ausdrücklich hieß es in der Kundmachung, daß die Religion der sich hierzu Meldenden nicht berücksichtigt werde. Nun meldete sich ein mit allen erforderlichen Zeugnissen versehener israelitischer Jüngling beim Minister, erhielt aber die Antwort, der Minister werde den Fall erst dem Gesammtministerium vorlegen. Ich berichte das nicht als Pendant zu der bis zum Ueberdruß abgehandelten Judenfrage, sondern als ein Zeichen der Schwäche und Unselbstständigkeit der Personen, welche in diesen stürmischen Zeiten das Steuerruder des ungarischen Staatsschiffes führen. Pesth, 30. Mai. Gestern Abend fand das. feierliche L.e i ch e n b eg ä ng n i ß eines jüdischen Studirenden statt, welcher, an den bei dem Militärexzeß vom 10. Mai erhaltenen Wunden verschied. Unter den gewaltigsten Eindrücken der jetzt sich überstürzenden Ereignisse hat der Leichenzug die besorgte größere Aufregung nicht verursacht. Frankreich. Peters, 26. Mai. Die Augsb. A. Z. enthält einen Artikel, aus dem wir Mehreres entnehmen. In unserer religiösen Presse ist in diesem Augenblick die Frage an der Tagesordnung, ob der Staat fortfahren solle den Klerus zu besolden, oder ob es vorzuziehen daß der Unterhalt der Geistlichen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen überlassen werden. Der Gegenstand ist nicht bloß um seiner selbst willen von hoher Wichtigkeit, sondern vorzüglich deshalb «weil unter jener rein finanziellen Form binnen Kurzem das große Pröblem von den Verhältnissen der religiösen Gesellschaften zur politischen der Nationalversammlung