Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 24 (5.6.1848)
- Date
- 1848-06-05
- Page
- Seite 348 (sequence 12)
- Language
- German
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348 ihrem heiligen und hochwichtigen Berufe leben können, wie ihre christlichen Kollegen. Ihre ganze Wirksamkeit, soll sie wahrhaft Ersprießliches und Gedeihliches zu Tage fördern, wäre durch eine Stellung bedingt, die dem Lehrer einen heitern und sorgenfreien Blick in die Zukunft eröffne. Die Versammlung, von dieser Rede gewaltig ergriffen, stimmte freudig dem Vorschläge des Präsidenten bei, eine Petition an das Ministerium der geistlichen Angelegenheiten zur Verbesserung der Stellung der jüdischen Lehrer zu entwerfen und ersuchte ihn, die Abfassung derselben zu übernehmen. Diese Petition wurde nach ihrer sofortigen Anfertigung sogleich abgeschickt. Eine Abschrift davon wurde zur Veröffentlichung dem Redakteur der A. Ztg. d. Judthms. zugesandt. *) Hierauf bemerkt der Herr Obercabbiner, daß er von vielen Lehrern aufgefordert worden sei, eine Synagogenordnung zu geben. Er habe schon langst die Absicht gehabt, eine Solche für den ganzen Sprengel in's Leben zu rufen und ersuche nun die Lehrer, da sie hierbei besonders betheiligt waren, ihm innerhalb 4 Wochen ihre etwaigen Anträge hierüber schriftlich einzusenden, die alsdann nach Möglichkeit Berücksichtigung finden würden. Angenehm würde es ihm jedoch sein, wenn sie schon jetzt ihre Ansichten darüber zu erkennen gäben. Im Allgemeinen sprach man sich für durchgreifende Verbesserungen aus und überließ das Weitere dem weisen Ermessen des geistlichen Oberhauptes. Der Präsident erklärte sodann die Konferenz für geschlossen, worauf demselben von einem Mitglieds im Namen seiner Kollegen ihr tiefgefühlter Dank für die rege Theilnahme und ganze Hingebung für die Sache der Schule und der Lehrer ausgesprochen wurde. Wir können das Referat nicht schließen, ohne zu erwähnen, daß mehrere achtbare Familien der hiesigen israelitischen Gemeinde an die Lehrer freundliche Einladungen zum Mittag- und Abendtisch ergehen ließen, die sie auch gern angenommen haben. Es ist eine freudige Erscheinung der Zeit, daß unsere Glaubensbrüder und Glaubensschwestern anfangen einzusehen, daß die jüdischen Lehreckonferenzen im wohlverstandenen Interesse ihrer eigenen Kinder . statthaben. Auch brachten die Lehrer einen sehr genußreichen Abend im hiesigen konstitutionellen Klub zu, wo sie den gefeierten und vielgerühmten Deputirten, Herrn von Beckerath, über verschiedene politische Themata reden hörten. R...g. A...r. *) S. No. 22. Red. Die Geschichte des jüdischen Schulwesens. Von Emanuel Hecht. Vorbemerkung der Redaktion. Aus vielfach an uns gelangten Schreiben ersehen wir, daß es Wunsch ist, aus dieser Abhandlung noch mehre Theile mitgetheilt zu sehen. Wir geben daher: die vierte Periode , von der Zeit des 15ten Jahrhunderts bis zu Mendelssohn. Der Zustand des jüdischen Jugendunterrichts und seiner Leiter in der soeben verlassenen Periode war so ziemlich befriedigend; in der nun begonnenen ist dies weniger. Das Schulwesen verfiel immer mehr und mehr, und wir müssen uns, wenn wir seine Beschaffenheit, seine Einrichtung, seine Handhabung unserm Urtheile vorführen, wundern, daß die allerdings wahrzunehmenden schlimmen Folgen nicht noch schlimmer geworden. Die Ursachen mochten verschieden sein, die den Unterricht so sehr degradirten. Vor Allem waren es die entsetzlichsten Verfolgungen, die Israel auf seiner endlosen Irrfahrt überall gefunden, die dornenbesäete Wanderschaft, die es verhinderte, den Unterricht ununterbrochen fortzusetzen, die heißgierige Beraubung, von fanatischem Wahnwitz und frevelnder Habsucht bewirkt, die es außer Stand setzte, die Mittel für gehörige Versorgung der Lehrer und Fundirung der Schule aufzubringen. Allgemeine Dürftigkeit und Armuth drückte die Gesammtheit der Juden —- nur Einzelne besaßen größeres Vermögen, — ja sie hatten größtentheils noch Schulden und schwere Abgaben, alle Kultbedürfnisse lagen ohnehin auf den Schultern der Gedrückten und dann fehlten einträgliche Erwerbszwekge. Und dennoch läßt sich nicht sagen, daß die Sache der Schule ganz und gar vernachlässigt wurde. Wir finden fortwährend den Kindesuntecricht als höchst wichtig beachtet, man brachte ihm auch mögliche Opfer, mehre in Achtung stehende Rabbiner suchten an die Aussprüche der älteren Gesetzeslehrec in diesem Betreffe zu erinnern, aber im innern Leben der Juden waren für einen bildenden Unterricht schädliche Momente vorhanden, die wir bald kennen werden, und den gräßlichen Verfall aller Bildung und alles Schulunterrichts herbeiführten. Die Vernachlässigung der äußern Kultur der Juden war die erste Folge der Ausschließung derselben von Wohnung, Umgang, Volksvergnügen und öffentlichen Schulanstalten; diese Vernachlässigung zeigte sich in Sprache, Akzentuation, Wortstellung, Mienen und Geberden, Haus-