Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 24 (5.6.1848)
- Date
- 1848-06-05
- Page
- Seite 346 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225576--09436-3237695- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
346 Nation, unter der sie wohnen, und zieht den Beweis daraus, daß die russischen Juden auf Seilen Napoleons gestanden. (!) Die Juden wären nach England gekommen ohne Anspruch auf das Recht, im Parlamente zu sitzen. Er wird vom Earl vott St. Germans widerlegt. Der Earl von Ellesmore-sagt, daß alle künstlichen Argumente gegen die Bill vor dem guten Betragen der Juden in England in Nichts zerfallen, das ihnen die Zuneigung des Volkes erworben. Lord Stanley hielt den Juden eine lange Lobrede, hielt aber dennoch die gewöhnlichen Argumente gegen die Bill mit Ungestüm aufrecht, und meint, der Sitz im Parlament sei keininhärentes Recht, da Unmündige und Weiber auch nicht wählbar seien. (!) Lord Brougham spricht für die Bill, und erinnert Lord Ellenborough an seine Freundschaft für die indischen Götzendiener, als er noch indischer Generalgouverneur war. Das Resultat der Abstimmung haben wir oben mitgetheilt. Korrespondenzen. Krefeld, im Mai. Vierte Konferenz der jüdischen Lehrer zu Krefeld. Dieselbe fand am 3. und 4. Mai im hiesigen Elementarschullokale statt, die von nachstehend verzeichneten Lehrern besucht war: H. I. Schütz aus Kleve, B. Wolfsdorfer aus Xanten, B. Cahn aus Neuß, S. Lebach aus Uedem, M. H. Cohn aus Uedem, A. de Groote aus Frechen, I. Liffgens aus Viersen, I. B. Cramer aus Viersen, A. Hirschhorn aus Schiefbahn, Frank aus Düsseldorf, I. Goldstein aus Korschenbroich, H. L. Hirschhorn aus Uerdingen, Fischbein aus Ruhrort, Herrmanns aus Rees, N. Romberg von hier, N. Anspacher von hier. Die erste Sitzung begann am 3. des Morgens. Der Oberrabbiner, Herr Bodenheimer, eröffnete sie mit einer schönen und gehaltvollen Rede, die zum Grundtrxte die Schriftstelle hatte: 'ft Siiö» üTft ht .12 rtttniöm Dieser mit Begeisterung gesprochene Vortrag wirkte begeisternd auf die Zuhörer zurück. Nachdem der Redner auf den urplötzlichen Umschwung der politischen und sozialen Verhältnisse der Gegenwart hkngewiesen hatte, bemerkte er, wie in Folge desselben höchst wahrscheinlich auch die jüdischen Schulen in ein neues Stadium der Entwickelung treten würden. Die denkwürdigen Ereignisse der jüngsten Zeit, die jedem Unterthan politische und religiöse Freiheit gebracht hatten, forderten den jüdischen Lehrer aber auch mehr als je auf, seine Schüler durch Unterricht und Erziehung, soviel es im Wirkungskreise der Volksschule liege, zur wahren Schätzung und richtigen Benutzung ihrer künftigen Staatsbürgerrechte vorzubereiten und zu befähigen. Jetzt folgte ein spezielleres Eingehen auf die Lehrmethode, wobei der pestalozzische Grundsatz geltend gemacht wurde: „Der Lehrer hat die Natur durch die Kunst zu unterstützen und sie in das rechte Geleise zurückzuführen, wenn sie daraus gewichen ist." Dieser Grundsatz wurde weitläufig entwickelt und durch treffende Beispiele heiter gemacht. Um den angeführten Grundsatz dieses unsterblichen Pädagogen aber nach allen Richtungen hin verfolgen und durchführen zu können, müsse der Lehrer von Tag zu Tage größere Vollkommenheit in den zu seinem Berufe durchaus und unbedingt nothwendigen Kenntnissen und Wissenschaften zu erlangen und gewiß nicht minder größere Einsicht und hellere Blicke in die Gesetze zu gewinnen streben, nach welchen die menschliche Natur sich entfaltet, um von ihnen diejenigen Mittel abzuleiten, durch die sie aus ihrem stillen und lautlosen Gange richtig und rascher gefördert werde. Wir mußten uns darauf beschränken, diese Anrede blos nach ihren Hauptmomenten anzudeuten, da wir uns nicht im Stande sahen, sie in ihrer vollen Schönheit und schönen Fülle wortgetreu wiedeczugeben. — Nach Beendigung dieses Vortrages wurde zur Wahl eines Präsidenten geschritten, die abermals auf den Herrn Oberrabbiner siel. Zu Sekretären wurden die Lehrer in loco ernannt. Der Konferenzleiter las und legte jetzt zwei von Frank und Cohn verfaßte Schulordnungen vor. Alle Anwesenden erklärten diese für fleißig und wohldurchdacht ausgearbeitet. Diese Schriftstücke waren aber nach Aussage ihrer Verfasser zu einer Zeit angefertkgt worden,, als noch keine Ahnung davon vorhanden war, daß das regims sneiev, nach welchem die staatlichen Verhältnisse geleitet wurden, so unerwartet schnell vernichtet werden sollte. Man fand daher in diesen Schulordnungen Manches, das für unsere Schulen in Zukunft nicht mehr anwendbar sein dürfte, weshalb sie also nicht ganz geprüft und diskutkrt zu werden brauchten, sondern nur