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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-29 · Heft 23 (29.5.1848) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 23 (29.5.1848)
Date
1848-05-29
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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333 Juden in Ungarn beurtheilen zu können, Lheilen wir hier einige Korrespondenzen der Pesther Zeitung mit. Bitsch, 7. Mai. Der am 1. und 2. Mai in Neustädte! an der Waag ä Ja Preßburg und Szered 'nachgeahmte Krawall, wo vorzüglich die RaubsuchL gegen jüdisches Eigenthum mit grenzenloser Barbarei wüthete, würde unsere Hoffnungen und Aussichten auf baldige bessere und ruhigere Zeiten uns beinahe ganz geraubt haben, wenn wir nicht die schöne herzerhebende Erfahrung gemacht hatten, daß unsere christlichen Brüder im trentschiner Kömitat nicht nur mit Abscheu und Ekel auf solche unchristliche Handlungen Hinblicken, sondern auch mit wahrer christlicher Liebe in jedem bedrängten Menschen den Bruder ehren und achten, und ihm zu Hilfe eilen, ohne erst zu fragen, welcher Konfession er zugethan, und unter welchem Namen er seinen Gott anbetet. Kaum hat die Künde von der unglückseligen Gedrängtheit der neustädler Juden in Trentschin um 10 Uhr Nachts sich verbreitet, so haben gleich noch zur selben nächtlichen Stunde nachstehende hochherzige Herren, Einige sogar zu Fuße, mit dem Vorsatze sich auf den Weg nach Neustadt! gemacht, entweder die neustadtler Juden von den versammelten Räuberhorden zu befreien, oder aber ihr Leben so theuer als möglich an das Raubgesindel einzusetzen. Die Herren waren namentlich: Graf Möriz Csaky, Marsovßky Justin, Marsovßky Moriz, Pangratz Guido, Krässay Anton, Latkoczy Franz, Ordody Moriz, Keller Lad., Pongratz Ludwig, Jfju Szadeczky, Krassay Johann, Bobok Gustav, Keblusek Mich., Vituläy Joseph, Chudovßky Joseph, Batlay, Sestsik Johann, Fliege! N., Rußnjak Alois. Und wirklich haben diese 19 heldenmüthigen Kämpfer durch ihren wahren Heroismus mit Löwenwuth Hunderte von entmenschten rohen und besoffenen Barbaren in die Flucht gejagt, viel Raub ihnen entrissen, und mit Hilfe des schon bei Lage von Trentschin gekommenen Sukkurses den Platz von dem Raubgesindel gesäubert, viele davon verhaftet, und der flauen, unthätigen Ortsobrigkeit in Gewahrsam gegeben. Der gefeierte Volksredner Eugen Gerometa, der Tags zuvor bei der abgehaltenen großen Kongregation zu Trentschin beinahe den ganzen Tag durch seine zu Herz und Gemüth dringende Rede, die Ordnung und Ruhe aufrecht zu erhalten bemüht gewesen, eilte nun auch nach Neustädte! und war auch da bemüht, durch sein kräftiges Wort die rohen Gemüther zu zügeln, welches ihm auch zum Theil gelang. Was Reform betrifft, so hat Referent selbst in mehren Gemeinden des trentschiner Komitats öffentliche Reden in den Synagogen geführt, die vielen Anklang gefunden; hier handelt es sich aber nicht von Reformen, die ausschließlich die Synagoge betreffen (die wir erst neulich in der Pesther Zeitung in einem Aufruf zur Reform an die Studirenden mosaischer Jugend, unterzeichnet von „Alte Reformfreunde" gelesen) , die Synggoge.zu reformiren scheint uns das Letzte zu sein, was 'den Israeliten "jetzt Noth thut. Wir wollen^Reformen in'sLeben rufen, die das häusliche und gesellschaftliche Leben des Israeliten heben und verbessern, den Separatismus Niederhalten, das Amalgamiren mit dem christlichen Volke befördern sollen, Aufhebung kleinlicher, mittelalterlicher, engherziger Gesetze von Speisen und Getränken, Reduzirung der vielen Feiertage auf eine kleine Anzahl, und die Anerkennung des talmudifchen Grundsatzes: „daß der Sabbat da ist unserer wegen, nicht aber wir da sind des Sabbats wegen", d. h. die unendlichen Sabbatsfeierverordnungen, die uns zuletzt so weit geführt, daß wir bei windigem Wetter nicht ausspucken dürfen, weil der Wind den Speichel wegträgt und wir uns dann leicht erlauben könnten in die Scheune zu windschaufeln rc. Diese und ähnliche Gesetze müssen selbst bei starkem Winde gewindschaufelt werden, damit jede unnütze Spreu hoch in die Luft wegfliege. Es versteht sich aber von selbst, daß Alles auf .gesetzlichem Wege geschehen müssender einzige Weg hierzu wäre: eine Rabbiner- und gelehrte Laienversammlung, die in jedem Kornitate als vorläufige Filialsynode stattsinden könnte rc. Uebrigens sind hier alle Gemüther reif, und selbst unter den orthodoxen Rabbinern weht ein Geist — aus der Verwandtschaft des Zeitgeistes. Moritz Hübsch, Obernotär sämmtlicher israel. Gemeinden des löbl. trentschiner Komitats. Temesvar, 20. April. Die vier Bürger von Temesvar, die als Deputation eines gleichgesinnten Theils der Einwohnerschaft in der Judenangelegenheit in Pesth waren, sind wohlbehalten wieder angelangt. Indem wir die Ehre haben Ihnen dies zu melden, können wir nicht umhin unsre Freude darüber auszudrücken, denn wir freuen uns immer wenn Leute, 23*

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