Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 23 (29.5.1848)
- Date
- 1848-05-29
- Page
- Seite 332 (sequence 8)
- Language
- German
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332 >,im geselligen noch im staatlichen Leben — denn die „„Gleichheit"" ist verkündet. Schutz und gleicher Anteil sei daher verliehen jedem rechtschaffenen Bewoh- „ner unsers dreieinigen Vaterlandes, im bürgerlichen „wie im Staatsleben, ohne Unterschied des Glaubens, „ohne Unterschied des Standes!" — Solche freisinnige Worte von einem Manne gesprochen, dessen Liberalismus und Edelsinn den Geringsten im Volke zu höherer Begeisterung stimmt, können unmöglich leere Phrasen sein. Können wir daher mit einiger Zuversicht uns freudigen Erwartungen hingeben, so dürfen wir aber auch nicht länger die Hände theilnahmlos in den Schooß halten. Rasch und kräftig muß gearbeitet werden unsre nationale Stellung zu heben, Schul- und Gemeindewesen muß verbessert/ jedes soziale und rituelle Hemmniß weggeschafft und jede exzeptionelle Richtung, jeder Separatismus aufgegeben werden. — Wie sehr davon eine Realisation unserer Wünsche bedingt, ja einzig und allein nur dadurch herbeigeführt werden kann, fühlt die hiesige Jugend am Meisten. Ausgeschlossen aber von jeder Betheiligung an den Interessen der Gemeinde, sieht dieselbe, tiefgekränkt ihre hoffnungsreiche Zukunft, ihre zu erringende Freiheit an dem Starrsinn und der Hartnäckigkeit der Alten scheitern. Während all die großen gewichtigen Errungenschaften der Neuzeit meist durch die feurige freiheitsglühende Jugend herbeigeführt, erkämpft und erobert wurden, will man hier noch länger, selbst dem befähigsten, begabtesten jungen Manne insolange er sich nicht beweibt. Stimm- und Berathungsfähigkeit versagen, und von jeder Mitwirkung beim Gemeindewesen ausschließen. Ist solch ein Verfahren, solch eine Zurücksetzung nicht ebenso empörend als lächerlich?? Werden die Folgen nicht die nachtheiligsten sein?? Muß nicht so Jndifferentismus und Irreligiosität sich der Jugend bemächtigen, Raum und Würzel fassen in ihren Gemüthern? Dann, dann dürfte es aber auch zu spät sein den erstickten Eifer anzufachen; der erloschene Enthusiasmus wird nicht wieder zur Flamme werden! Aus den übrigen Theilen des Landes hören wir Gott sei Dank, nur Erfreuliches. Ueberall sind die Juden in die Nalionalgarde ausgenommen, in Karlstadt sogar einer — Herr Ignaz Weiß — zum Gardelieutenant ernannt worden. Bei der Sr. Exz. dem Ban vom Bauernstände großartig und glänzend dargebrachten Huldigung sah man einen Juden — Herrn Guthard — als Adjutant der rüstigen Schaar an der Spitze. Die schöne Gestalt zu Pferde und die ritterliche Haltung derselben erregten lauten Beifall und allgemeine Bewunderung. — So herrscht allenthalben das freundschaftlichste Verhältniß, möge auch uns bald eine heitere Zukunft leuchten. L. M—r. (Wird fortgesetzt.) Preßbuvg, 10. Mai. Der k. Untersuchungskommissär Larnöczy entwickelt eine große Thätigkeit. Die 3—400 bei dem Judenkrawall Verhafteten werden scharf verhört, Mehre, die unschuldig befunden wurden, sind jedoch bereits entlassen. Gestern wurde durch Plakate publizirt, daß dem Gesetze von 1840 gemäß die Juden in allen k. Freistädten zr; wohnen, berechtigt sind und ihren Handel, selbst das Hausiren, frei und ungehindert treiben dürfen. Was jedoch die Eröffnung von Verkaufsgewölben oder Kaufmannsladen anlangt, so sind, da immer auch bei Christen die Erlaubniß hiezu an gewisse Bedingungen geknüpft ist, nur denjenigen Kaufläden im Stadtgebiete zu eröffnen gestattet, die noch vor dem Jahre 1840 die Bewilligung erhielten. Hierüber ist nun ein großer Theil der hiesigen Einwohner (freilich mit Unrecht, denn wie können sie sich wider das Gesetz stemmen) erbittert, Viele geben sich Hand und Wort keinem Juden Quartier zu vermiethen, Andere hingegen baten sogar, ehe noch die Verordnung veröffentlicht war, sie ja wieder hineinnehmen zu dürfen. Jedenfalls herrscht noch immer eine große Aufregung unter den Bürgern und anderen Einwohnern, besonders den Schiffleuten und Arbeitern, so daß Bürger- und Nationalgarde stets konsignirt ist, um auf den ersten Aufruf bei der Hand zu sein; so zwar daß, wenn größere Haufen Menschen in der Nacht angetroffen werden, der Auftrag ertheilt ist, sie nach vorausgegangener dreimaliger Aufforderung auseinander zu gehen, nöthigenfalls auch mit den Waffen auseinander zu treiben. Es sollen nämlich Drohbriefe gefunden worden sein, laut denen man beabsichtigt, alle Juden, die wieder in die Stadt ziehen, zu erschlagen und die Häuser, in denen sie wohnen, zu demoliren. Auch höre ich, daß in dieser Angelegenheit eine Deputation an^Se. k. Hoheit den Palatin abgegangen. G. B. L. (Pesther Ztg.) Pesth, 14. Mai. Um die wirren, zum Theil sehr traurigen, zum Lheil günstigeren Zustände der