Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 23 (29.5.1848)
- Date
- 1848-05-29
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
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331 und Deutschland fand sie Sympathien wie fast keine andere Nation. Wir Israeliten sind mit ihnen einem Erdstrich entsprossen, wir sind Eingeborene Allpolens und haben ein gemeinschaftliches Vaterland. Und welche andere zarte Bande knüpfen uns nicht, liebe Brüder, an diese Nation! Wir sind Leidensbrüder der Polen, und gleich ihnen haben wir gefühlt und geduldet Exil, Schmach und Druck. Wir müssen aber unserer nordischen Glaubensbrüder besonders eingedenk sein, welche unter dem unerhörten Drucke schmachten, deren Kinder man im zartesten Alter gewaltsam wegreißt, um sie (weit ärger als in den Zeiten der Barbarei) zu einem marter¬ und qualvollen Leben zu erziehen, und denen nur durch die Regeneration Polens Hilfe werden kann. Brüder! Sollen wir nach alledem noch einen Augenblick anstehen, diese heilige Sache, diese edle Nation'mit Gut und Blut zu unterstützen? Sollen wir noch einen Augenblick ob der Wahl zweifelhaft fein, ob wir uns den Deutschen oder den Polen anschließen? Alle Ehre der deutschen Nation, diesem großen Volke der Intelligenz und Biederkeit! Aber in ihren Augen selbst müßten wir Israeliten uns erniedrigen, wenn wir alles Gefühl für's Vaterland, alle Dankbarkeit, alles Mitleiden mit unseren so unglücklichen nordischen Brüdern außer Acht lassen möchten, und nur momentanen Interessen huldigten. Die edle polnische Nation, welche so großmüthig um unsre völlige politische Gleichstellung bei Sr. k. k. Majestät petitionirte, verdient wol manches Opfer, verdient wol, daß man ihretwegen leiden möge die Geburtswehen einer herannahenden glücklichen Zukunft. Darum auf, Brüder! Scheuen wir keine Anstrengung, kein Opfer um diese heilige Sache, und zeigen wir der Welt, daß noch in unseren Adern rollt das Blut der Makkabäer, und daß auch unser Herz wie das unserer Vorfahren warm schlagt für alles Gerechte, Edle und Erhabene. O! komme über uns die Huld Gottes und unsere Thaten gelingen durch ihn. Amen. *) Die Redaktionen aller deutschen Zeitungen werden hierdurch ergebenst ersucht, diesen Aufruf aufzunehmen. Ungarn und die Nebenländer. Warasdin (Kroatien), 10. Mai. .(Privatmitth.) Die hiesige judenfeindliche Stimmung ist leider noch immer rege, und halt vorzüglich die armen Handwerker zur Zielscheibe ihrer böswilligen Verfolgungen. Die zu unseren Gunsten herabgelangten Reskripte des hier verhaßten Ministeriums wurden verworfen, und mehrten nur noch die Erbitterung unserer Feinde, welche wer weiß in wie weit sich gesteigert-hätte, wenn der jüngst von Sr. Majestät mit unumschränkter Vollmacht über alle Zivil- und Militärmacht ernannte Ban von Kroatien, Baron Josef v. Jelaciö, nicht durch Erlaß strenger Befehle und Verkündigung des Standrechts, weitere Demonstrationen verhütet hätte. Ist nun hiedurch die Ruhe insoweit hergestellt, Person und Vermögen gesichert, so scheint der Strom der Feindlichkeit, wenn auch glatt auf seiner Oberfläche, noch manches grollende Element in seiner Tiefe zu bergen, wir daher unsere Besorgnisse noch immer nicht aufgeben können. — Tief und schmerzlich nagt die Verachtung, mit der man uns überall begegnet, in unserm Innern; und nur die Hoffnung, durch den im Juni abzuhaltenden kroatischen Landtag eine günstigere, freiere Stellung zu erreichen, wie auch die Brüderlichkeit, mit der man unsere Glaubensgenossen in der Hauptstadt und den Provinzen begegnet, erhält uns aufrecht und gießt Linderung in unsre verwundete Seele. In der That ist bei der beabsichten Lossagung Kroariens von Ungarn, und bei der Selbstständigkeit, die die Regierung Ersterm einräumt, unsre Zukunft, unser Schicksal nicht mehr von Letzterm abhängig.— Ist uns hiedurch auch kein wesentlicher Vortheil geworden, so haben wir jedoch so viel gewonnen, daß hier die Masse unserer Gegner geringer, die Intelligenz der kroatischen Juden aber stärker als die der ungarischen ist. Hauptsächlich aber ist es der hochherzige Geist, der den Machthaber, den leuchtenden Stern des Landes, unfern verehrten Ban beseelt, der uns Muth giebt, und süße Träume einer heitern Zukunft schafft. Denn so sagt Se. Exzellenz in seiner Proklamation an die kroatische Nation: „Eintracht „und Brüderlichkeit möge uns daher von nun an Alle, „ohne Unterschied des Glaubens umfassen; es ent- „fremde sich nicht mehr ein Bruder dem andern; es „hat dann aufgehört jeder Grund der bisherigen Ge- „hässigkeit und Zwietracht zwischen den Brüdern eines „Stammes, eines Blutes. Der Unterschied des Glau- „bens bildet zwischen den Brüdern, zwischen den Glie- „dem einer Nation keine Scheidewand mehr, weder