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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-29 · Heft 23 (29.5.1848) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 23 (29.5.1848)
Date
1848-05-29
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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830 des Friedens geschildert und daher Jedermann aufgefordert, das Auge von der in materieller Hinsicht besonders für Kaufleute trüben Gegenwart auf die heitere Zukunft zu richten. Ein Gebet für die Mitglieder des deutschen Parlaments, das Gedeihen des deutschen Vaterlandes und den König, der am 18. Maiseinen 51. Geburtstag gefeiert, beschloßt die Festpredigt, wodurch auch die Synagoge ihre Lheilnahme an den vaterländischen Angelegenheiten an den Tag legte. (D. A. Z.) Leipzig, 20. Mai. Die Verordnung vom 27. April, die Einkommensteuer betreffend, enthält in §. 6 die Bestimmung: „daß nur die der bürgerlichen Ehrenrechte Theilhastigen" zu Schatzungskommiffaren ernannt werden können. Das Gesetz von 1838 schließt jedoch die Juden von den bürgerlichen Ehrenrechten aus, weshalb der Advokat Kaim in einer Eingabe das Gesammtministerium aufmerksam machte, wie dieses Gesetz mit dem Geiste der Jetztzeit im Widerspruch stehe, und worin er ferner foderte, daß das Ministerium dem Geiste der neuen Verwaltung gemäß handeln und eine Ausschließung von gewissen Rechten, des Glaubens halber nicht mehr anerkennen möge. Das Finanzministerium erwiderte hierauf, daß in erwähntem Paragraphen keineswegs Juden von dem Amte der Schatzungskommiffare ausgeschlossen seien, sondern alle diejenigen, welche als unbescholten dastehen, ohne Unterschied des Glaubens zu diesem Amte erwählt werden können, in welchem Sinne auch bereits Zuschriften an den dresdner und leipziger Stadtrath abgeftrtigt seien. Durch dieses rasche Handeln zeigt das Ministerium, wie sehr es vom Geiste der Zeit durchdrungen, und bethätigt durch den ersten Schritt, Juden zu Staatsämtern zuzulassen, das Prinzip des allgemein gleichen Menschenrechts. Advokat Kaim, welcher den Männern unsers Vertrauens die Gelegenheit bot, ihre gute Gesinnung an den Tag zu legen, hat in seiner Schrift: „Die Beschränkung auswärtiger Juden im Königreich Sachsen auf Messen und Märkten," gezeigt, wie mannigfach noch die Beschränkungen sind, welche den auswärtigen Juden in Sachsen noch entgegenstehen, und er berief im Laufe der Messe eine Versammlung der jüdischen Großhändler, um sowol die Mißstimmung, welche sich gegen Leipzig erhoben hatte, im Interesse der Stadt zu beschwichtigen, als auch zu einem an den hiesigen Stadtrath gerichteten Gesuch aufzufordern, die dem jüdischen Kleinhändler gegenüber dem christlichen nachtheiligen Beschränkungen schleunigst aufzuheben. Das Unternehmen des Herrn Kaim wird gewiß von Erfolg gekrönt sein, um so mehr, da es doch endlich einmal an der Zeit ist, die letzten Trümmer des finstern Mittelalters der Vergessenheit zu übergeben. ' (D. A.Z.) Galizien. Krakau, im Mai. Aufruf der krakauer Israeliten an ihre Glaubensgenossen im Großherzogthum Posen. * Brüder in Israel! Das Wort Gottes, welches das All aus Nichts hervorrief, welches, im ewigen Prozesse begriffen, immerfort das Universum regiert und leitet; das Wort Gottes, welches unsere Vorfahren erlöst hat aus der materiellen Sklaverei der Egypter und am Berge Sinai aus der geistigen des Aberglaubens, des Götzendienstes und der Gesetzlosigkeit: dieses allerhöchste Wort hat in der allerneuesten Zeit den größten Theil der europäischen Menschheit erlöst und befreit von der Gewalt tyrannischer Machthaber und Rathgeber, und Viele unserer Glaubensgenossen beglückt mit den Menschenrechten, nach welchen sie so lange vergebens geseufzt haben. In einer solchen Zeit der allgemeinen Freude und allgemeinen Manifestation der göttlichen Gnade ist es wol die Pflicht eines jeden Israeliten, eines jeden edeln Menschen, an diejenigen zu denken, denjenigen hilfreich die Hand zu bieten, die der allgemeinen Freude, der allgemeinen Freiheit wol würdig und fähig, noch aber nicht theilhaftig sind. Die edle polnische Nation, welcher das zivilisirte Europa Vieles, zwei Millionen unserer Glaubensgenossen aber Alles zu verdanken haben; die edle polnische Nation, welche unseren Vorfahren zu einer Zeit ihre Thore gastfreundlich öffnete, als noch die Söhne Galliens und Germaniens sie unbarmherzig verstoßen und in's Elend und Exil getrieben haben; diese Nation, welche seit achtzig Jahren ihrer Selbstständigkeit durch Gewalt beraubt worden, die seitdem mit einer unvergleichlichen, ihr besonders eignen Beharrlichkeit und Aufopferung um die Wiedererlangung derselben ringet und kämpfet, sieht sich endlich durch gedachte Ereignisse nahe dem Ziele ihrer Bestrebungen, Wünsche und Hoffnungen. Schon schlägt für sie ein jedes bessere Herz in Europa, und in Frankreich, England

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