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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-29 · Heft 23 (29.5.1848) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 23 (29.5.1848)
Date
1848-05-29
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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328 speziell dar und bat um Revision der betreffenden Akten und' um die Erlaubniß, daß der Findling Moses im Judenthume verbleiben dürfe. Es wurde nun von dem königl. Land- und Stadtgericht zu I. ein Bericht gefordert und bald darauf erhielt das Letztere von dem Oberlandsgericht zu Marienwerder nachstehend uns abschriftlich zugegangene Verfügung: „Dem rc. wird auf den in der Vormundschaftssache über den Findling Moses auf die Beschwerde des Lehrers Wedelt unterm 29. v. Mts. erstatteten Bericht eröffnet, daß das Oberlandsgericht das beobachtete Verfahren nicht billigen kann. Schon die Namen des Findlings und der Mutter desselben lassen darauf schließen, daß der Kurande jüdischer Herkunft ist. Diese Vermuthung wird dadurch erhöhet, daß nach der Angabe des Knaben derselbe mit seiner Mutter am Sonnabend die Synagoge besucht und ein hebräisches Gebet erlernt habe. Ein jeder Zweifel aber muß schwinden, wenn sich die Behauptung des Beschwerdeführers, daß der Kuranda beschnitten sei, als richtig ausweisen sollte. Das rc. hat diesen Umstand untersuchen zu lassen und wenn jene Behauptung als richtig befunden werden sollte, dafür Sorge zu tragen, daß der Kurande in der jüdischen Religion - erzogen wird. An das königl. Land- und Stadtgericht zu Jastrow. Abschrift vorstehender Verfügung erhalten Sie zur Nachricht. Marienwerder, 10. Februar 1848. Königl. Oberlandsgericht, gez. Fülleborn." An den Lehrer Herrn W. zu Jastrow. Auf Grund dieser ebenso günstigen als gerechten Verfügung ward der Knabe nochmals von einem Arzte untersucht und als sich die oben erwähnte Behauptung als richtig erwies, ward ihm in der Person eines achtbaren und für das allgemeine Wohl beseelten Israeliten, des Herrn I. A. Borchardt zu Jastrow, ein Vormund gewählt, welcher den Findling, wie uns brieflich mitgetheilt wurde, einstweilen in sein Haus genommen, um ihn späterhin in Gemeinschaft mit einigen anderen sich dafür interessirenden Familienvätern ein Handwerk erlernen zu lassen und so für sein weiteres Fortkommen Sorge zu tragen. Möge der Findling Moses, der nun auch einen Familiennamen und das Staatsbürgerrecht erhalten wird, ein guter Mensch und ein frommer Israelit werden, und möge der Herr, der die gute Khat so reichlich vergilt, es den Männern in Jastrow lohnen, was sie an den Knaben gethan und noch thun werden; uns Alle aber möge der Vater droben recht bald einer Zeit zuführen, wo der Jude nicht mehr mit Schranken umgeben sein, wo unsere Religion, deren Geburt wir nun bald wieder feiern, nicht mehr von der Wucht veralteter Ausnahmsgesetze niedergedrückt werden, sondern jener alte mosaische Grundsatz: „Ein Gesetz und Ein Recht für Alle" endlich zur Geltung kommen und so das rosenfarbene Band der Liebe und Eintracht alle Menschen, weß Glaubens und Standes sie auch seien, umschlingen wird! — Den versprochenen Bericht über das Gemeinde- und Schulwesen des marienwerderschen Regierungsbezirks, so wie, wenn es Ihnen, bester Herr Redakteur, genehm ist, einen ähnlichen über Pommern, das nächste Mal. W—ll. Anklaw, 18. Mai. (Privatmitth.) Wenn auch in unserm lieben Pommern der ehrwürdige alte deutsche Zopf noch immer nicht gänzlich geschwunden ist und es der Herren noch Viele giebt, die dermaßen von ihm belastet sind, daß sie sehr gut einen Leibfriseur gebrauchen könnten; — wenn auch hier zu Lande, namentlich in Neu-Vorpommern der „christliche Staat", durch dessen Vertheidigen sich Herr Minister Eichhorn — gerade vor einem Jahre um diese Zeit*) — unsterblich gemacht, noch hierund da umherspukt und man noch hie und da durch „modern - pietistisch - philosophische Doktrinen den Wahn zur Wahrheit und den Schein zum Recht zu erheben sucht", so ist es anderseits doch erfreulich und erhebend, wenn man sieht, wie das Licht der Humanität und Aufklärung immer mehr Raum gewinnt und die düstere Intoleranz, die wie ein Gespenst zwischen Mensch und Mensch sich lagert und das Band des Friedens und Annäherung zerreißt, immer mehr verscheucht und verbannt, und daß die Reihen der Dunkelmänner immer mehr gelichtet werden und dagegen die der W a hrheits- und Freiheitskämpfer auffallend zunehmen. Als Beleg hierzu erlauben wir uns hier einige Zeilen folgen zu lassen, die wir einem Aufsatze „der Märzkampf" *) Die bekannte Rede zurVertheidigung des christlichen Staates hielt Herr Minister Eichhorn am 19. Mai 1847!

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