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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-29 · Heft 23 (29.5.1848) · p. Seite 326

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 23 (29.5.1848)
Date
1848-05-29
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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326 mals btt rechte und heilbringende sein. Mit dieser abgenöthigten Reform dann den Gegnern entgegentreten und sie als Argument gebrauchen, wäre noch weniger Würdig. Ein Anderes ist es aber, wenn wir uns nach innen, in unsere eigenen Kreise hineinwenden; wenn wir da, ungezwungen von außen, auftreten und sagen: der Geist, ' der jetzt durch die europäische Welt geht, und alle Klassen der Gesellschaft durchdringt, ist nicht vereinbar mit der mittelalterlichen Gestalt unsers Kultus; mehr als je tritt der Widerspruch zwischen dieser und dem Geist, der uns Alle in Besitz genommen, hervor; wollet Ihr noch zögern, diesem Geiste den Eingang in das ummauerte Gebau zu verweigern? Sehet, so ist der Einsturz gar nicht zu vermeiden! Es ist nicht mehr möglich, wenn die Gestalt unsers Religionswesens dieselbe bleibt, wie in den verflossenen Jahrhunderten, sie aufrecht zu erhalten, und die vom Geiste der Zeit durchwehte Jugend wird ihr gänzlich abfallen. Noch duldet diese dieselbe; bald wird sie ihr feindlich entgegentceten, und dieser Konflikt kann nur zu einer allgemeinen Niederlage führen. Die Klange aus den vergessenen Jahrhunderten finden kein Echo, keinen Wiederhall mehr in den von dieser Zeit getragenen Gemüthern; ihre ganze Anschauung widerspricht der Gedanken- und Gefühlswelt der Gegenwart — wie sollen jene sich halten können? Die Reformfrage ist daher nicht aus äußeren Motiven, sie ist drängend, sie ist sehr drängend, sie ist unabweisbar, sie ist die höchste Nothwendigkeit von innen heraus. Der ganze Bestand unsrer Religion ist dabei interessirt, und wir erblicken keine Zukunft für dieselbe, Falls sie sich nicht aufrichtig und ganz der Reform in die Arme wirft. Und gerade darum ist es nothwendig, daß die Reformfrage angeregt werde in diesen Lagen, ohne eine ruhigere, kühlere Zeit wieder abzuwarten. Auch da könnte das „Zuspat!" was alle, weit zurückgebliebenen Regionen durchzuckt, seine Anwendung finden. Wir wissen, daß diese Reformfrage in diesen Tagen nicht viele willige Ohren und bereite Hände finden werde, daß die Richtung der Geister wo anders hin geht — das aber kann den kleinern Kreis der Eifrigen, der an unsrer Religion unausgesetzt Theilnehmenden nicht veranlassen, die Hände in den Schooß zu legen. Arbeiten wir, das Resultat wird dann um so günstiger sein. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Magdeburg, 22. Mai. Wir glauben dem an uns, im folgenden Schreiben ausgesprochenen Wunsche am Nachdrücklichsten zu entsprechen, wenn wir es selbst mittheilen. Die Sympathieen so vieler Glaubensgenossen sind nach jener unglücklichen Gegend gerichtet, daß sie nicht erst durch Worte noch angeregt zu werden brauchen. Wir sind zur Empfangnahme von Gaben bereit. Die Redaktion. Buck bei Posen, 18. Mai 1848. Ew. Hochehrwürden haben durch Ihr allgemein verbreitetes und geschätztes Blatt schon seit einer Reihe von Jahren Vieles für das Judenthum im Allgemeinen gewirkt und zur Linderung der Noth mancher einzelnen Gemeinden beigetragen. Dieses ermuthigt auch uns, die Vorsteher einer schwer heimgesuchten Gemeinde, folgende Bitte an Sie zu richten und sind wir von Ihrer Güte die Gewährung derselben im Voraus überzeugt. Wie aus den Zeitungen allgemein bekannt ist, wurden fast sämmtliche hiesige jüdische Einwohner bei dem am 4. d. Mts. stattgefundenen Ueberfall eines Jnsurgentenhaufens völlig ausgeplündert. Bei diesem Tumulte wurde auch unsere am 3. Dezember v. I. erst eingeweihte Synagoge, die wir nur mit der größten Anstrengung zu bauen vermochten, und auf die wir noch, beiläufig gesagt, 800 Thlr. an Baugelder schulden, ganz im Innern zerstört, sämmtliche Thüren und Schlösser zerbrochen, die Fenster zerschlagen, alle Leuchter vernichtet, die Kanzel, zertrümmert, die heiligen Gesetzrollen theilweise zerschnitten, theilweise zerrissen in's Wasser geworfen, kurz die sonst so freundliche Synagoge bietet jetzt einen grauenerregenden Anblick dar, der jedes menschlich fühlende Herz nur mit Wehmuth erfüllen kann. Bei hem Unglück, welches uns Alle hier betroffen, sind wir außer Stande aus eigenen Mitteln die Synagoge in den Zustand zu bringen, um daselbst den Gottesdienst wieder verrichten zu können (die Wiederherstellung würde mehr als 500 Thlr. kosten) und so ist uns Unglücklichen auch der Trost, den man sonst auf heiliger Stätte findet, versagt. Wir richten daher vertrauungsvoll die Bitte an Ew. Hochwürden, gefälligst in Ihrem geschätzten Blatte einen Aufruf zum

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