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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-29 · Heft 23 (29.5.1848) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 23 (29.5.1848)
Date
1848-05-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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xn. Jahrgang. Allgemeine No. SS. Zeitung -es Zudenthums. Ein ««parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. ZU Leipzig. Leipzig, den 29. Mai 1848. . Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 98 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registersu. s.w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 224 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspcdition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel r Die Reformfrage in diesen Tagen. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Magdeburg, Breslau, Köln, Auklam, Anklam, Prag, Berlin, Breslau, Leipzig, Leipzig. Galizien: Krakau. Ungarn und die Nebenländer: WaraSdin, Preßburg, Pesth. Korrespondenz r Die Geschickte des jüdischen Schulwesens. Von Emannel Hecht. (Schluß.) Leitender Artikel« Magdeburg, 21. Mai. Die Reformfrage in diesen Tagen. Daß vor dem Ungeheuern Andrang der politischen und sozialen Fragen die kirchlichen Angelegenheiten m den Hintergrund getreten sind, und sie, die so lange Zeit die Köpfe beschäftigten, jetzt mit Schweigen bedeckt ruhen, ist sehr erklärlich. Unter dev Kämpfen der erhitzten Parteien, unter den furchtbaren Sorgen des Tages gedeiht kaum die Religiosität und flüchtet sich vielmehr in die stille Herzenskammer fester, gläubiger Gemüther, um wie viel weniger der öffentliche Kultus! Und dann — „Alles hat seine Zeit"; die Gegenwart hat es mit der höchsten Frage zu thun, sie ist nahe daran, die allgemeine Frage der Glaubens- und Gewissensfreiheit zu lösen; was 33 Friedensjahre in Deutschland und so vielen anderen Ländern vergebens ventilirten, das ist jetzt bereit durch die letzten zwei Monate und die nächsten entschieden zu werden. Die Gegenwart hat hiermit fürwahr! genug zu thun, würde hiermit genug gethan haben, um sich den Dank der Zukunft zu erwerben. Es ist also nicht zu verlangen, daß sie in ihren Grenzen noch ein Mehres thue. Ferner. Wir waren immer dagegen, die bürgerliche Gleichstellung von der Reform, von irgend einer religiösen Gestaltung abhängig zu machen. Sobald irgend einer Religionspartei eine Bedingung für ihre bürgerliche Befreiung gestellt wird, eine Bedingung, welche ihr Religionswesen betrifft, so ist dem Prinzip der Glaubens¬ und Gewissensfreiheit damit schnurstracks entgegengehandelt, und dieses Prinzip von Neuem gemißhandelt, verletzt, verleugnet. Wir, die eigentlichen Träger und Verfechter dieses Prinzips, wir Israeliten, dürfen dies um so weniger zugeben, oder durch eine That einräumen. Mit dem ersten Schritte hierin hätten wir unsre ganze Vergangenheit preisgegeben, hatten unsere Beschränker gerechtfertigt. Wir können es daher von diesem allgemeinen Standpunkte aus nicht billigen, wenn in Ungarn von einigen Israeliten selbst die Reform unsers Kultus als eine Bedingung, als eine Rubrik des Fckedenstraktates hingestellt wird. Ob man mit der ganzen Religion oder einem Theile derselben, sei es auch der verlebteste, einen politischen Vortheit erkaufen wolle, bleibt sich gleich. Es darf hierin kein Kauf stattsinden. Es würde dies zuletzt auch immer wieder auf Gewissenszwang hinauslaufen; man zwingt die Orthodoxen durch die Tagesumstande in Reformen einzuwilligen, und solcher Erwerb kann nie-

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