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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-22 · Heft 22 (22.5.1848) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 22 (22.5.1848)
Date
1848-05-22
Page
Seite 322 (sequence 10)
Language
German
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322 rers und Schülers. ' Beide thaten, was sie thaten, Blieb auch Jünglingen Md Mädchen der damaligen Zeit, wie wir bald sehen werden. Manches dunkel und unverständlich und geschahfür; die externen Gegenstände des Wissens blutwenig, oder gar Nichts, was nach den damaligen Zeitvechältnissen^: nicht anders. möglich war, so bewir-kte doch die innigste Harmonie,- die zwischen Schule und Haus, Lehre und Leben stattgehabthohe Religiosität. Das Feuer der Gottesfurcht muß damalshell in den Gemüthern von Jung und Alt gelodert haben; sonst wären die Juden in den sie bald getroffenen Verfolgungen nicht fähig gewesey, ihr angestammtes Erbe gegen tausend und abermals tausend Schwierigkeiten zu erhalten. Und wollte man diesen Umstand auch nicht gelten lassen, so muß schon die Art und Weise, mit welcher man den Bildnern der Jugend, wie den Trägern der jüdischen Wissenschaft überhaupt, begegnete, den vollgiltigsten Beweis hiefür liefern, denn es giebt keinen sicherem Barometer zur Erkennung des religiösen und gebildeten Sinnes eines Volkes, als die Weise des Benehmens desselben gegen Männer von Religiosität und Gelehrsamkeit. , e) Unterricht. MaN; glaube indessen ja nicht, daß der Lehrkreis und die Lehrweise der damaligen Schule extensiv oder intensiv etwas Außerordentliches darbot. Der Bildungsgrad der damaligen Zeit im Allgemeinen und der der Juden insbesondere, die Anschauungsweise der Letzteren von Bestimmung, Gott und Welt ließ ihnen einen ausgedehnten Wissenskreis gern vermissen. Die Lehrobjekte waren: Das hebräische Lesen, Bibel- und Gebetsübersetzung, das Memoriren der üblichen Benediktionen, das Erlernen des sogenannten Trops; für reifere Schüler Einübung leichter Kommentarien, etwas Mischna und wenn es sehr hoch kam. Einzelnes aus der Gemara *). So vorbereitet bezogen -dann die fähigen Köpfe höhere Lehranstalten. „Sollte der Knabe zu lernen.anfangen, wurde ec gewaschen und reinlich gekleidet von einem-Lehrer, der ihn unter den Mantel nahm, nach der Schule begleitete-und zu dem Schüler: hinführte. .Hier bekam er mit Honig und Milch ungerührte Kuchen, Obst und andere Leckerbissenz sodann wurde ihm auf einer Tafel von Pergament oder Holz das hebräische Alphabet, vorwärts und *) Wo und wie die Israeliten das vorzüglich ihnen unentbehrliche Rechnen erlernten, war zu erforschen mir bis jetzt unmöglich. rückwärts, vorgezeigt und vorgesagt, und die mit, Honig bestrichenen Buchstaben von dem Knaben abgeleckt, worauf er wieder zu seiner Mutter zurückgebracht wurde. Der Tag, an.welchem er in der Schrift zu lernen anhob, wurde als ein Festtag, mit einem Gastmahl gefeiert. Man begann mit dem Levitikus, demselben Buche, das dem Knaben, als er den bürgerlichen Namen erhalten, in der Wiege unter den Kopf gelegt worden war. An einigen Orten igeschah die erste Uebung in der Tora am. Wochenfeste mit Tagesanbruch; man deckte die Kinder sorgfältig zu, um sie auf dem Wege nach der. Schule vor dem Anblick unreiner : und störender Dinge zu bewahren.^ Nachdem der Knabe dem Lehrer auf den Schooß gesetzt worden, ließ man: ihn die Worte nachspcechen: „Das Gesetz hat Uns. geboten Moses, das Gesetz, sei mein Geschäft." „Er (Gott) rief Moses." Auf dem Honigkuchen — dergleichen an diesem Feste auch Erwachsene aßen — den Einige nur von den Händen einer Jungfrau bereiten ließen, standen die Verse Jesaia 50, V. 4 und 5:. „Gott der Herr hat mir eine Zunge für Lehrlinge gegeben, daß ich den Müden zu stärken wisse, mit dem Wort: er erweckt je am Morgen, er weckt mir das Ohr, wie Lehrlinge zu horchen; Gott der Herr/hat mir das Ohr geöffnet, und ich sträube mich nicht, weiche nicht." Auf der Schale eines gekochten Eies standen die Worte aus Hezechiel 3, V. 3: „Er sprach zu mir: Menschensohn, nähre deinen Bauch und deinen Leib fülle mit der Rolle, die ich dir gebe. Ich aß, und sie war in meinem Munde, wie Honig so süß." Beide Bibelstellen mußte der Knabe dem Lehrer Wort für Wort uachsprechen, worauf ec Kuchen und Ei zu essen bekam;^) man versprach sich von dieser Speise, daß sie dem Kinde Fassungskraft verleihe. In älterer Zeit hat man Engelnamen und Amulette, auf diesen Kuchen angebracht, oft wurden 3 Eier, 3 Kuchen und Aepfel bereit gehalten, und sogar Erwachsene pflegten, um ihren Sinn für die Lehre zu wecken, den Tag vor dem Sivan- Neumonde zu fasten und solchen Kuchen nebst Ei zu Ende des Fastens zuerst zu genießen. Jndeß hatten schon im zwölften Jahrhundert manche Gesetzlehrer ein Beden-, ken gefunden, schien auch das Auslöschen geschriebener Buchstaben an einem Festtage nicht sehr erheblich, um *) Der berühmte. Herr vr: Zu n z hätte hier aufmerksam machen können, daß im 16. Jahrhundert die Schullehrer Zuckerkuchen in Form der Buchstaben backen und von den ABC-Schülecn verspeisen ließen. ' J'

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