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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-22 · Heft 22 (22.5.1848) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 22 (22.5.1848)
Date
1848-05-22
Page
Seite 321 (sequence 9)
Language
German
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321 . Szeniez, 28. April. Auch hier wurden, wie fast überall, die Israeliten durch die schreckenerregendsten Demonstrationen gegen Gut und Blut von der Hefe des Volkes, die zwar, nur in geringer Zahl existirt, hart bedroht. Die Fenster mehrer jüdischen Wohnungen wurden eingeworfen, manche-jüdische Wirthshäuser,;um Getränke zu erpressen, erbrochen und ein panischer Schrecken, als werde auch hier die Zügellosigkeit, die heutenn der Tagesordnung zu sein scheint, um sich.greifen/- bemächtigte sich der Gemüther aller hier wohnenden Israeliten auf eine unbeschreibliche Weise. Dankbar müssen wir es aber anerkennen, daß die hiesige löbl..Bürgerschaft uns schützend und schirmend zur/Seite gestanden und jedes in unserm trüben Horizonte über, uns hereinbrechende Ungemach abwehrten,, zu welcher menschenfreundlichen Handlung die hochlöbl. Grundherrschaft und der hier wohnhafte Oberstuhlrichter , Herr Anton v. Vagyon, den kräftigsten Impuls gegeben. (Aehnliche Berichte sind leider! auch noch aus anderen Theilend.es Landes eingelaufen.) Schweden und Norwegen. Stockholm, 4. Mai. Die königl. Proposition über die neue Reichstagsordnung (eigentlich der Entwurf eines neuen Reprasentativsystems)ist nunmehr erschienen und von einem königl. Schreiben begleitet, unter dem 1. Mai den Reichsstanden übergeben worden. Es sollen zwei Kammern, eine von 120, die andere von 150 Mitgliedern bestehen. Die Ersteren werden auf neun Jahre' erwählt; alle drei Jahre tritt ein Drittheil aus; die Letzteren bleiben für die Dauer des Reichstags. Das Wahlrecht ist an das christliche Glaubensbekenntniß und an einen gewissen Zensus geknüpft.' Die Wahl zur I. Kammer geschieht direkt, die zur 11.^ durch Wahlmänner. Die Wählbarkeit ist in der I. Kammer an das 35., in der II. an das 25. Lebensjahr und an das lutherische oder reformirte Glaubensbekenntniß geknüpft. Somit ist die bürgerliche Gleichstellung der Juden in Schweden abermals abgewiesen. Ebenso sind aber auch die Katholiken ausgeschlossen. Italien. Nom, 30. Äpril. Vorgestern Abend waren wieder Unruhen am Ghetto, Man will nicht/leiden, daß sich die Israeliten nach Ave Maria auf den Straßen sehen lassen, was ihnen doch jetzt erlaubt ist. Ein armer Teufel von Israelit wurde daher gestern Abend überfallen und gemißhandelt, und als er sich zur Wehre setzte, gar ermordet. Die Behörde forscht den Thätern mit Ernst nach und will mit aller ihrer Macht die neuen Rechte der Juden aufrecht erhalten. Wenn sie es nur nicht selbst verderben! Heute spie ein Jude auf der Straße einem Priester in's Gesicht. Das Volk fiel sogleich über ihn her, und kaum rettete man ihn vor der Wuth der Menge, indem man ihn in's Gefängniß schleppte. (Wer weiß, unter welchen Nebenumständen das geschehen ist! Red. d. A. Zeit, des Jud.) Nom, 30. April. An den drei letzten Abenden erneuerten sich mehr oderminderernstlich die Unordnungen im Ghetto. Das Volk Hatte bereits angefangen, Häuser zu demoliren, als die Civica einschritt. In Folge davon waren alle Posten der Letzter» gestern und vorgestern verstärkt. Die gemeinen Leute wollen den Juden ihre neuen Rechte nicht gönnen. Hier und da will man mit den Juden auch alle Nichtkatholiken vertrieben wissen. Zugleich ist unter der Civica selbst Streit über Zulassung der Juden in ihre Reihen; ein großer Th eil weigert sich deren. Korrespondenz. Die Geschichte des jüdischen Schulwesens. Von Emanuel Hecht. (Fortsetzung) Indessen sollte er jederzeit seinen Schülern gegenüber ein würdiges ernstes Benehmen zeigen und dadurch dem Ausbruche des kindlichen Muthwillens Dämme ssetzen. „Nie benehme sich der Kinderlehrer-leichtsinnig in Gegenwart der Kinder, Scherz und Lachen hatte er vor-ihnen fern, er esse und trinke nicht mit ihnen, damit sie in den gehörigen Schranken der Furcht vor ihm stehen und seinen Unterricht besser annehmen."*) Ein innerer religiöser Geist belebte und heiligte sohin das Schulleben und das gegenseitige Verhältniß des Leh- *) Jore Dea 246, 11. 22*

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