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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-22 · Heft 22 (22.5.1848) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 22 (22.5.1848)
Date
1848-05-22
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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meinde vorgeschlagenen zeitgemäßen Verbesserungen des israelitischen Kultus kamen aber nicht einmal, zur Erörterung in der Versammlung, da die Altgläubigen sich allen und jeden Neuerungen beharrlich widersetzten und gleich von vorneherein eine Verwirrung herbeiführten, die bald in Tätlichkeiten überging. Der Rabbiner der Gemeinde war zugegen, soll aber nicht, wie versichert wird, mit dem Vorsitze beauftragt gewesen sein. Ein Mitglied der Gemeinde wollk'e die Eingangs erwähnten Desiderien vorlesen, mußte aber alsbald davon abstehen, da gleich Tumult dagegen erhoben wurde. Die schon lange-.bestehende faktische Trennung in der hiesigen israelitischen Gemeinde dürfte nun bald auch in eine äußere übergehen,.da,: wie wir hören, die gebildetere Klasse die Einrichtung eines ihrem Bedürfniß entsprechenden besondern Gottesdienstes beabsichtigen soll. (Fr. I.) Kassels 2. Mai. Die Exzesse gegen Personen und Eigenthum in den Landstädten und Dörfern, namentlich gegen Beamten und Juden nehmen auf eine bedauerliche Weise überhand; von Hofgeismar, Melsungen, Rothenburg und Breidenbach sind Judensamilien mit ihren geretteten Habseligkeiten hier eingetroffen; zugleich ist aber heute eine Anzahl der Exzedenten gefesselt eingebracht worden. Es ist endlich einmal Zeit, gegen diese Uebelthater, deren Absicht lediglich auf Plünderung und Raub gerichtet ist, energisch einzuschreiten, und die Gesetze wieder zu Ansehen zu bringen. Vor allen Dingen sind die Aufwiegler und Verführer in Haft zu nehmen und den Gerichten zu überweisen; die öffentliche Stimme hat deren schon Mehrere bezeichnet. So sollen namentlich in Rothenburg ein Advokat und ein Kaufmann, der sich in seinem Gewerbsbetrieb durch die Juden beengt fühlt, die dortigen Szenen veranlaßt haben. Milde und Nachsicht waren hier ein Verbrechen gegen das Lantu Kassel, 9. Mai. Die Nachrichten vom Lande lauten beruhigender; es stellt sich heraus, daß die Exzesse gegen Personen und Eigenthum nur dasWerk weniger Uebelgesinnten sind; ob, wie versichert wird, die Aufreizung dazu von Männern der Reaktion ausgegangen ist, wollen wir dahingestellt sein lassen, da es unsere Sache nicht ist, Anklagen zu erheben, von deren Grund wir nicht vollkommen überzeugt sind. Nur so viel ist gewiß, daß Einer der Hauptaufwiegler, der in dem Kreise Witzenhausen und in Kassel, wiewol erfolglos, zu Exzessen gegen Juden aufzureizen suchte, in Hofgeismar verhaftet worden ist. (F. I.) - Prag, 7. Mai. Seit dem 2. Mai, wo mehrere Angriffe auf:Bäckerläden stattfanden, ist die äußere Ruhe hergestellt, doch ziehen fortwährend starke Patrouillen mit Kavallerie durch die Stadt. Für morgen befürchtet man wieder Unruhen, da die Juden auf Anordnung des Bürgermeisters ihre Maaren im Tandelmarkt auslegen werden. Viele reiche Juden wollen nach Wien übersiedeln, andere nach Nordamerika. (Auch die Juden in Ungarn richten ihre Blicke nach der amerikanischen Welt.) Unsere Proletarier finden es sehr kurios, daß man sie nicht die Judenstadt-plündern ließ! Der Fabrikant E. Leirenberger in- Reichstädt sagt mit Recht in der heutigen Prager Zeitung: „Man fange nicht auf unchristliche, inkonstitutionelle und zweckwidrige Weise mit Jsraelitenverfolgung an, um die Nebel zu beseitigen; jene sind unsere bedeutendsten Abnehmer von Waaren; ruinirt ihr sie, so ruinirt ihr unsere Kapitale, die wir bei ihnen zu fordern haben; ihre Wechsel werden nicht genommen, wir bekommen kein Geld, und da ein großer Theil des Handels in ihrer Hand liegt, so wird er gestört, und die Rückwirkung ist die unglücklichste, ein sicheres Förderungsmittel des Proletariats." (A. A. Z.) Posen, 19. Mai. Die Leipziger Zeitung enthält folgenden „Nothruf aus Posen": Das entsetzliche Schicksal unsrer Nachbarstadt Buk ist durch Zeitungsberichte hinlänglich bekannt geworden. Zahlreiche deutsche Familien,. christliche und. jüdische, die Alles, Alles verloren und buchstäblich nur das nackte Leben gerettet haben, befinden sich als Flüchtlinge hier — in einem Lokale allein deren über sechzig — und werden von den hiesigen Deutschen unterhalten; aber die hiesigen Deutschen, inmitteu-des verderblichsten aller Kriege, des Bürgerkrieges, lebend, und seit sieben Wochen fast jedes Erwerbes beraubt, sind kaum mehr im Stande zu helfen. Darum ergeht an die edelen deutschen Bewohner Leipzigs die dringende Bitte um ein Scherflein für die deutschen Flüchtlinge, — aber schnell, schnell! denn die Noch ist groß.. Posen, dem 19. Mai 1848. Red. d. Posener Zeitung.

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