Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-15 · Heft 21 (15.5.1848) · p. Seite 309

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 21 (15.5.1848)
Date
1848-05-15
Page
Seite 309 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225551-3225573--09396-3237652
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ist, erziehen lassen werde. — Deshalb möchte ein solches Interimistikum als zulässig erscheinen. v. Campe: Stimmt dem Vorschläge bei. Präsident: Der Zusatz würde also so lauten: „sind beide Eltern verstorben, so sollen die Kinder nach' dem Glaubensbekenntnisse des Vaters erzogen werden." (Der Zusatz zum §. 5 wird angenommen.) §. 6. Die Behörde des Wohnsitzes des Mannes wird Register über solche Ehen, die aus denselben entstehenden Kinder und die Todesfälle in diesen Familien führen, und die Extrakte aus diesem Register haben vollen öffentlichen Glauben. (Wird angenommen.) Gleiwitz, 2. Mai. Das Gespenst der Judenverfolgung, das jetzt wieder durch ganz Europa geht, und von jenseits des Rheins bis an die türkische Grenze gedrungen ist, hat auch den schlesischen Boden betreten. Ein jüdischer Buchdrucker, Pleßner, hier, hat ein Blatt: herausgegeben, in welchem die Bürger sich beleidigt glaubten. Die Juden mußten es entgelten, und in den meisten Hausern, in denen Juden wohnen, wurden Fenster und Möbeln zertrümmert. Darmstadt, 4. Mai. Daß es auch hier mit der Gleichstellung der Juden noch nicht so rasch vorwärts geht, wie es Anfangs schien, ersieht man aus folgender Korrespondenz des Fr. I.: „MitBetrübniß mußten wir unlängst in unsrer Ständeversammlung hören, wie selbst Einige der liberalsten Herren Volksvertreter Schwierigkeiten machten, als es darauf ankam, das mit Freude begrüßte Wort unsers geliebten Erbgroßherzogs von der Freiheit aller religiösen Kulten auch für die Juden zur Wahrheit zu machen. Ein Fürstenwort soll man nicht drehen und deuteln. Durch jenes Wort haben die Juden den vollen Besitz gleicher Bürger- und Menschenrechte mit den Christen erlangt; verdächtig wird uns ein politischer Liberalismus, der nicht auch ein religiöser ist. —. In Frankfurt, dem Sitze des deutschen Parlaments selbst, ist jede Aussicht vorerst verschwunden. Kassel, 2. Mai. Die-Exzesse gegen Personen und Eigenthuin in den Landständen und Dörfern, namentlich gegen Beamte und -Juden, nehmen auf eine bedauerliche -Weise überhand; von Hofgeismar, Melsungen, Rothenburg und Breidenbach sindJudenfamilien mit ihren geretteten Habseligkeiten hier eingetroffen; zugleich ist aber heute eine Anzahl der Exzedenten gefesselt eingebracht ^worden. Es ist endlich einmal Zeit, gegen diese Uebelthäter, deren Absicht lediglich auf Plünderung und Raub gerichtet ist, energisch einzuschreiten und die Gesetze wieder zu Ansehen zu bringen. Vor allen Dingen sind die Aufwiegler und Verführer in Haft zu nehmen und den Gerichten zu überweisen; die öffentliche Stimme hat deren schon Mehre bezeichnet. So sollen namentlich in Rothenberg ein Advokat und ein Kaufmann, der sich in seinem Gewerbsbetriebe durch die Juden beengt fühlt, die dortigen Szenen veranlaßt haben. Milde und Nachsicht wäre hier ein Verbrechen gegen das Land. - (O.P.A.Z.) Prag, 3. Mai. Die hiesigen Juden befinden sich in einer höchst gefahrvollen Lage, und es drohen die traurigen Szenen des Mittelalters wiederzukehren. Der Friede, der seit dem Sturze des alten Systems anscheinend fester als je zwischen der hiesigen christlichen und jüdischen Bevölkerung herrschte, sodaß die Juden mit Freuden in die Nationalgarde ausgenommen wurden und jede Spur von Haß verschwunden schien, wurde durch die Aufwiegelungen einiger Kaufleute, die das Motiv „Gewerbneid" schon lange zu den ärgsten Judenfeinden gemacht hatte, verscheucht. Es gelang ihnen vollkommen, durch einige Geldaustheilungen und andere Aufreizungen den Pöbel zu fanatisiren. Die Insulten gegen die Juden sind seit einigen Wochen an der Tagesordnung, die Aufläufe gegen den sogenannten Tandelmarkte, dem Platze, wo die Juden Waaren feil haben, wiederholten sich mit jedem Tag, und kein Jude darf sich außerhalb der Judengasse, eines der fürchterlichsten Ghettos, blicken lassen. Das wackere Studentenkorps und die hiesige Nationalgarde suchen nach Kräften die Juden zu schützen; auch wurde der von mancher Seite auftauchende Gedanke, daß die Juden aus der Nationalgarde ausscheiden sollten, durch die Erklärung des Obersten der Nationalgarde, daß er unter solchem Bewandnisse seine Stelle niederlegen werde, bald unterdrückt. Verblieb es bis jetzt bei den Insulten, so schien nun eine traurige Katastrophe eintreten zu sollen. Frauen und Kinder liefen gestern jammernd über die Straße,- wiesen auf ihre schwarzgebrannten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.