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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-15 · Heft 21 (15.5.1848) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 21 (15.5.1848)
Date
1848-05-15
Page
Seite 305 (sequence 9)
Language
German
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305 und Niklasplatz waren die ausgedehnten Schaubühnen einer wüthenden Bewegung, wie wir seit den Drucker- Unruhen im Ia^re, 184.5 keine erlebt. An vielen Orten mußte die Nationalgarde: von den blanken Waffen und dem. Bayonnet Gebrauch machen,: vielleicht hatte man sogar gefeuert,. doch es fehlte überall an Pulver. Zahlreicher Ste.inregen fiel an mehren Stellen auf die anrückende bewaffnete Bürgerschaft, die von dem Pöbel mit allen erdenklichen Schimpfnamen belegt wurde; denn in seinen Augen ist der Schutz der Juden ein Verbrechen. Auch diese waren bereits auf einen Angriff gerüstet. Bei dem Beginne, des Krawalls am Tandelmarkt soll von den Juden mit Steinen, Ziegeln, Holzstücken auf die Christen, geworfen worden sein, in Folge dessen mehre Personen, unter Anderen eine schwangere Frau, schwer verletzt wurden; auf den Böden hatte man Steinhaufen gelagert, die als Vertheidigungswaffe dienen sollten. Sie können sich die Wuth unserer Bevölkerung denken! „Chriftenblut mußte zuerst fließen," hieß es überall, wo ich hinhorchte, „aber es soll den v—n Juden theuer zu stehen kommen." Endlich giebt uns über den Zustand Prags eine Privatmittheilung Aufschluß..; Prag, 4. Mai. Ich kann Ihnen nichts Bezeichnenderes über die jüdischen Zustände Prags und des ganzen Böhmerlandes mittheilen, als indem ich Ihnen anbei ein Plakat mittheile, das an die gesummten Bürger und Bürgerausschüsse gerichtet ist. Das Unglück ist sehr, sehr groß. Kein Jude, sei er Fabrikant oder Trödler, Gelehrter oder Händler, darf sich in . der Christenstadt sehen lassen,, ohne gräßlicher Mißhandlung ausgesetzt zu sein. Was daraus folgt? Zunächst die größte Armuth. Und dies, nachdem vor 14 Tagen die Deputation der Böhmen vom Kaiser die Gleichstellung aller Konfessionen verlangte. Das Plakat lautet: „Für Christen und Juden." „Auch ich bin kein Freund der Juden, weil ich seit Jahren sah, was uns Christen die Juden im Handel und Wandel für Schaden und Unheil brachten. — Allein was ist nun zu thun? — Wir können doch unmöglich die Juden gewaltsam umbringen, und auch nicht aus dem Lande jagen. Es ist . wahr, der Jude ist ein höchst aufgeblasener und arroganter Mensch. — Sein wir aber menschlich; denn auch der Jude ist ja ein Geschöpf Gottes, und auch unter den Inden giebt es, wie überall, Ausnahmen. — Geben wir also den Judenhaß auf, er taugt ja ohnehin Nichts, und würde nur, wenn er noch länger fortdauecn würde, zu unnützen Blutvergießungen — wie es leider in der jüngsten Zeit in Preßburg der Fall war — führen. — —• — Um aber die drückenden Verhältnisse zwischen dem Juden und Christen ein wenig friedfertiger zu gestalten, so wäre mein Vorschlag: Erstens. Ein jeder Christ, der bisher in der Judenstadt wohnte, soll vom künftigem Jakobi 1848 — wenn es nicht schon früher geschehen könnte, — in die Christenstadt, und ein jeder Jude — ohne Ausnahme — in die Judenstadt mit Wohnung und Gewölbe ziehen. Ich glaube diese Uehersiedelungen^ waren ja schon früher im Anträge gewesen, nur sind sie bis jetzt noch nicht ausgeführt worden. Zweitens. Da der bisher groß und alt gewordene Handelsjude Nichts weiter gelernt, haben mag als schachern und handeln, so soll ec denn bis zu seinem Lebensende diesen Ernahrungszweig fortsetzen, er soll aber ja immer bedachtsam sein, mit seinem Handeln den Christen nicht zu betrügen, denn Drittens.. Wenn der Christ es beweisen kann, daß ec von einem Juden betrogen worden ist; so soll der Jude das erste Mal mit einer bedeutenden Geldstrafe von dem christlichen Gerichte bestraft werden;' kommt aber der Betrug des Juden zum zweiten Male vor Gericht, so sollte dem Juden aller Handel auf immer untersagt, und er selbst aus der Stadt und aus dem Lande gewiesen werden. Viertens., Alle männliche Nachkommenschaft der Juden soll von jetzt an strenge zur Erlernung der christlichen Gewerbe, als: Schneider, Schuster, Tischler u. a. m. gehalten werden. Fünftens. Fremden Juden sollte auf keinen Fall der Aufenthalt in hiesiger Stadt langer als 24 Stunden gewährt werden. Sechstens. Soll der bisherige Judentandelmarkt bei St. Gallus aufgehoben, und in die eigentliche Judenstadt übertragen werden. Siebentens. Sollte nur dem erstgeborenen männlichen Sprößlinge in einer jüdischen Familie erlaubt werden zu heicathen. — Dieses Gesetz war schon in früheren Zeiten stabil. Dadurch würde allmälich der jetzt so stark zunehmende Judenzuwachs bedeutend vermindert werden, der Judenhandel aufhören, und der christliche Handel würde ohne Zweifel gewinnen, und wieder aufblühen. — Auch mit 21*

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