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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-15 · Heft 21 (15.5.1848) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 21 (15.5.1848)
Date
1848-05-15
Page
Seite 304 (sequence 8)
Language
German
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304 endlich c) der Redakteur des „Ungar" Herman Klein solle ob seiner häufigen Beleidigungen und Invektionen gegen das Bürgerthum zur gesetzlichen Strafe gezogen werden. Die Deputation bat im Namen ihrer Kommittenten der Wohlfahrtsausschuß möge ihr aus seiner Mitte einige Individuen beigesellen, um sodann vereint die Petition dem Ministerium, an welches sie gerichtet ist, zu überreichen. Die Minister nahmen die Deputation freundlich aufuyd dekretirtem demgemäß. Die Israeliten haben sich in Berücksichtigung der gegen sie herrschenden gereizten Stimmung freiwillig vom Nationalgardendienste zurückgezogen. In Bezug auf die das Inkolatsrecht nicht besitzenden Israeliten ist folgende Verordnung von Seiten des Sicherheitsausschusses veröffentlicht worden: Sämmtlichen hiesigen Hauseigenthümecn und Wohnungsinhabern wird hiemit zur Pflicht gemacht daß sie in ihren Häusern, bezüglich Wohnungen, denen mit Jnkolats-Befugniß nicht versehenen Israeliten um so weniger Unterhalt geben sollen; da sie widrigenfalls nicht nur. den aus deren Entfernung entspringenden Schaden zu tragen, sondern außerdem noch polizeiliche Strafe zu gewärtigen haben. Pesth, 24. April 1848. Das Komitö zur Aufcechthaltung der Ruhe und Ordnung. Leopold Rottenbiller, m. p., Präses. Ludwig Tötössy, m. p., s. Notär. Später fanden wiederholte Versuche statt, die Juden thätlich zu mißhandeln. Pr a g. Das Sonst. Bl. aus Böhmen berichtet: Prag, 29. April. Die Prager Luft ist entschieden krawallig. Man munkelt von neuen Demonstrationen gegen die Juden, gegen die gestern eingelangten frankfurter Abgeordneten und den Konstitutionellen Verein, gegen den Chef der Nationalgarde und wer weiß wen noch, die alle heut oder morgen zur Ausführung kommen sollen. Wo das Alles hinauslaufen soll, weiß ich nicht. Ich kann es mir nicht verhehlen, ich wittre Unrath. Daß Aufwiegler hier im Spiele, daß in den Wahnsinn Methode und System gekommen ist, scheint bereits außer Zweifel. Der Auflauf von gestern Abend lief im Ganzen noch ruhig ab. Daß es geschah, verdanken wir nur der entschiedenen Haltung unserer Nationalgarde. Doch auch diese scheint theils durch die tägliche Anstrengung und gegenüber den Anschuldigungen der mindern Klasse allmälkg fatiguirt. Man nimmt es sogar der Nationalgarde, solbst von Seiten, wo man so etwas nicht vermuthen sollte, übel,, daß sie sich der Vertheidigung der Juden-so sehr annimmt, und fordert, daß sich die Israeliten durch ein aus ihrer Mitte errichtetes Korps selbst schützen sollen. Die Verweisung derselben aus der übrigen Stadt in ihr Ghetto ist ein allgemein ausgesprochener Wunsch, der in der heutigen Nummer der konst. Prager Zeitung bereits ein Organ gefunden hat. Die Menschenhaufen mehrten sich gestern auf dem Platze vor dem Rathhaus von Stunde zu Stunde; zur Dämmerungszeit konnten an 2000 auf den Platze versammelt sein. Mehrmale mußten die Massen mit gefälltem Bajonnet zertheilt werden. Bei der Martersäule, in der Mitte des Ringes hatte sich ein Knäuel Menschen gebildet, , dem ein Mann aus dem Volke aufreizende Reden hielt, während dicht daneben als an einem gewöhnlichen Andachtsorte, heilige Lieder gesungen wurden. Einige der ärgsten Schreier wurden in Haft gesetzt. Aehnliche Zusammenrottungen sollen in der Iudenstadt stattgefunden haben. Erst nach 10 konnte man die Sicherheitswache ohne Gefahr für die Ruhe vermindern. Prag, 1. Mai. Der erste. Tag des Lenzmonds, wo sonst friedliche Bürger schaarenweise vor die Thore hinaus in die neuerwachte Natur eilten, hat traurig begonnen. Blut ist geflossen, Christenblut und Iudenblut. Dank Gott! ich habe zwar nicht so Fürchterliches zu berichten, wie ihr Korrespondent aus Preßburg vor wenigen Tagen, aber das Geschehene ist fürchterlich genug. Noch fehlt es mir an der Uebersicht über die Ereignisse von heut, ich kann Ihnen nur geringe Einzelheiten berichten. Wie ich höre ist blos. ein Mensch, wenn es wahr ist ein Familienvater, bei einem Anlauf, der Nationalgarde gegen die Steine werfenden Massen auf dem Leonardiplatze durch einen Bayonnettstich getödtet worden. Mehre, mitunter sehr schwere Verwundungen haben an Juden und Christen, Gardisten und Studenten stattgefunden. Zahlreiche Verhaftungen nicht blos Gesindels, sondern dern auch gut gekleideter Personen wurden vorgenommen. Seit halb zehn Uhr früh, wo sich der Krawall in der Schwefelgasse und am Tandelmarkte entspann, wo man alles, was in die Hände siel, demolirte, Mißhandlungen aller Art verübte, haben die Unordnungen fortgedauert bis jetzt, wo die Nacht einbricht. Die ganze Judenstadt, die Lange-, Karpfen -, Plattner-, Iesuitengaffe mit den daranstoßenden Gaffen und Gäßchen, der Kohl- und Grünmarkt, der altstädter Ring, der Leonardk-, Marien-

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