Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 21 (15.5.1848)
- Date
- 1848-05-15
- Page
- Seite 303 (sequence 7)
- Language
- German
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308 sich herumtummelnden Aufwieglern leicht möglich ist, so würde die gesammte Nationalgarde und Bürgermiliz für Recht und Gesetz einstehen. Wien, 28. April. Aus Anlaß der vandalischen Verfolgungsszenen, welche gegen die jüdische Bevölkerung in Preßburg vorgefallen sind, ist von den in Wien lebenden Ungarn aller Glaubensbekenntnisse folgende Eingabe an den ungarischen Justizminister Franz v. Deäk gerichtet worden: „Herr Minister! Von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde laufen Berichte aus Ungarn ein über vandalische, dem grauen Mittelalter angehörige Exzesse gegen die wehrlosen von jeher geknechteten Juden. Im Namen des dreieinigen Gottes, der Nächstenliebe bis zum Tode lehrt, im Namen aller unserer christlichen Patrioten Ungarns, — die jeden Makel in den Blättern der Geschichte unseres Vaterlandes tief und brennend empfinden, die sich mit Abscheu von solchen Schandthaten wegkehren und jede Theilnahme an denselben von sich weisen- — im Namen Ihrer aller Orts bekannten ^erechtigkeitsliebe und Humanität fordern wir Sie auf, Herr Minister, zur Ehrenrettung aller gutgesinnten Bürger Ungarns, zum abschreckenden Beispiele für die Folge, eine strenge Untersuchung eknzuleiten, damit nicht durch Schandthaten Einzelner die Ehre ganzer Städte und Ortschaften, ja des ganzen Landes darunter leide. ' Wir zweifeln nicht, daß diese unsere Ansicht bereits zur ihrigen geworden. Im Namen vieler Ungarn." Der Augsb. Allg. Ztg. wird geschrieben: Wien, 26. April. Die Stadt Preßburg war dieser Tage ein Schauplatz von Gräuelfzenen und Barbareien gegen die Juden, welche, wie wir hoffen, in ganz Ungarn einen Schrei der Entrüstung wecken und die dieses Namens unwürdigen ungarischen Bürger welche jene Verfolgungen hervorriefen, und die Behörden die in feiger und fcevelhalfter Vernachlässigung ihrer Pflicht sie nicht verhinderten, mit ewiger Schande und allgemeiner Verachtung brandmarken werden. Die preßburger Spießbürger konnten es nicht verschmerzen daß einige dortige Juden in Folge der Begünstigungen des Gesetzes vom Jahr 1840 sich außerhalb des schrecklichen Kerkers ihres Ghetto's anst'edelten, und dabei das Majestätsverbrechen begingen etwas Modewaaren und brünner Tücher zu billigeren Preisen als ihre christlichen Brüder zu verkaufen. Nachdem sie vergeblich bei der k. Statthalterei um Schutzgegen diesen unerhörten Mißbrauch und fchaüderhaften Druck von Sekte der Juden gebeten, hetzten sie endlich den Pöbel gegen ihre jüdischen Unterdrücker auf, und überfielen am Ostermontage alle Wohnungen und Kaufladen, welche nicht mit einem Kreuze (schändliche Gotteslästerung!) bezeichnet warenraubten, plünderten und zerstörten, mißhandelten wehrlose Frauen, Greise und Kinder, rissen (km Spitale) Kranke aus ihren Betten heraus, wühlten selbst die Gräber der Juden auf, kurz sie begingen Gräuelthaten, die aufzuzählen ebenso beschämend für das Chrkstenthum als für die Zivilisation des Jahrhunderts wäre. Und während dies Alles vorging, verhielten sich die Stadtbehörde, die Bürgergarde, das vom Erzherzog-Palatin mit Aufrechthaltung der Ruhe betraute Sicherheitskomite unthätig, ja der Magistrat war feige und schamlos genug die Juden wider Gesetz und Menschlichkeit binnen 24 Stunden aus der Stadt fort zu sch affen. Es ist zu hoffen und zu erwarten daß das Ministerium unverweilt eine strenge Untersuchung anordnen und die Schuldigen zur Strafe ziehen wird, damit nicht, wie es schon hier bei dem allgemeinen Abscheu, welchen jene Vorfälle in allen hiesigen Kreisen erregten, geschehen ist, durch die pöbelhaften Gesinnungen einiger preßburger Bürger der ungarische Name im Auslande verunglimpft werde*). P e st h. Die Pesther Ztg. schreibt vom 25. April. Eine Sitzung des Wohlfahrtsausschusses fand am Samstage statt. In dem Augenblicke jedoch wo die Verhandlung beginnen sollte, wurde eine Deputation der ofen-pesther Bürger gemeldet. Sie erschien vor den Schranken und ihr Sprecher übergab und bevorwortete eine mit mehren taufend Unterschriften versehene Petition, aus folgenden drei Punkten bestehend: a) die der Nationalgarde eingereihten Juden sollen entwaffnet, b) die seit dem Jahre 1838 oft gesetzwidrig mit dem Jnkolate berechtigten, in neuester Zeit aber sich ohne alle Erlaubniß Haufenweise hierher drängenden Juden aus der Stadt verwiesen. *) Wir müssen doch bemerken daß solche Gräuel nicht blos der deutschen Bevölkerung von Preßburg aufgeladen werden dürfen, sondern daß sie seit Wochen leider in ganz Ungarn an der Tagesordnung scheinen. Wenigstens schrieb .uns schon vor 14 Tagen ein pesther Korrespondent: „Die Zeit der „„Freiheit"" ist für die Juden bei uns und überall in Ungarn eine Zeit der Verfolgung, des Jammers und der Verzweiflung!"