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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-15 · Heft 21 (15.5.1848) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 21 (15.5.1848)
Date
1848-05-15
Page
Seite 298 (sequence 2)
Language
German
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298 eine Aufforderung zu einer Demonstration gegen die Judm zg . exlassen. Sogleich , ward ayfgebrochen und unftr^Gingen Knd Pfeifen bewegte^sich der Zug über die 'Wödn'tz' gegen den Schloßberg und die Juden, welche das Gitter schlossen und sich zusammenrotteten, wol auch Steine, wie erzählt wird, gegen die Anrückenden warfen, so daß die Bürger sich nicht hkneinwagten, um die Lehrjugend auseinander zu treiben. Mittlerweile kam eine Patrouille vom Regiment Alexander und wurde zum Gitterthore. .hereingelassen.' Nun war der Weg offen; die Juden aber in ihrer Todesangst entrissen der Patrouille die Waffen, um sich selbst in Vertheidigungsstand zu setzen. Nun machten die Lehrlinge sich Luft und alsbald ging, da viel Pöbel sich hinzugesellte, die Rauferei los, und zwar blutig genug. Die herbeigeeilte Kavallerie ward voreilig zum Einhauen kommandirt, wobei viele Unschuldige verunglückten. Die Nationalgarde und eine größere Anzahl Linieninfanterie kam etwas spat. In allere Häusern, wo man Juden wußte, wurden die Fenster ^eingeschlagen.^ Um Mitternacht-fing der Tumult an sich zu. legem. . Den 24., 11 Uhr Vormittags. Das Schießen dauerte bis gegen 3 Uhr früh. Das Militär lagerte in der Michälergasse, Sattlergasse und der Umgegend. Heute Morgens hauste der Pöbel schrecklich; demolirte das frühere Apponyi'sche Bibliotheksgebäude, wo jetzt die israelitische. Notmalfchule. Aus Bösing wurde Kavallerie hereingebracht. Die. Bürger- und Nationalgarde ist in ihrer Thatigkeit durch Parteiungen gelähmt. Das Landvolk erlaubt sich ungescheut Diebereien. Soeben wurden an allen Straßenecken gedruckte Plakate angeschlagen, die Ausweisung der in der Stadt wohnenden Juden betreffend. Ob es helfen wird? Man murmelt von einem Bäcker- und Metzgersturm. Schöne Aussichten das! Preßbürg, 24. April. 11 Uhr Vorm. Ich beeile mich, Ihnen Nachricht zu geben von den Ereignissen unserer Ostertage, deren Kunde meinem Berichte durch Dampfbootreisende wol schon vorausgeeilt sein wird. Gestern Nachmittags am Ostersonntage versammelten sich an 200 Lehrlinge unserer Professionisten drüben in der Air,'zogen dann über die Brücke und sollen da einige ihnen begegnende Israeliten infultict haben, die ihrerseits zwei derselben packten und in's Rakhhaus einsperren ließen. (So erzählt man, so unwahrscheinlich die Sache auch, klingt, da die Uebrigen.sich gewiß dies nicht hätten gefallen lassen.) Der andere Haufe zog weiterdurch mehre Straßen mit einer schnell improvisieren Fahne und nahm dann seinen Weg auf den Schloßberg unter „Hepp, Hepp"-Geschrei" und Drohungen gegen die Judenworauf diese aus einigen Fenstern angeblich Steine herabschleuderten. Nun begann der Krawall, die Fenster würden eingeworfen, die Gewölber nächst dem Gasthof zur Sonne erbrochen, die Maaren auf die Straße geworfen und preisgegeben. - Dies Alles war das Werk einer halben Stunde. Endlich wurde Allarm geschlagen, die Sturmglocke geläutet, Bürgergarde und Militär rückten aus um Ordnung zu machen. Alle Komitatsbeamten, Vkzegespan Jankovics an der Spitze, die Generalität, Bürger und Nationalgarden bemühten sich, das Volk friedlich auseinander gehen zu machen, jedoch vergeblich. Da erging Befehl an die Dragoner einzuhauen, und an die Infanterie blind zu feuern. Dies machte die Sache nur ärger, denn es wurden Viele verwundet, darunter auch blos neugierige Zuschauer, die sich ganz passiv verhalten hatten. Auch einige Tobte soll es gegeben haben. Gewiß ist, daß Mehre überritten und überfahren wurden. So stand die Sache bis 9 Uhr, wo ich selbst Augenzeuge war. Die ganze Nacht zogen tobende Haufen umher, die Fenster in allen Judenwöhnungen zertrümmernd und andern Unfug treibend. Die National- und Bürgergarden sandten zahlreiche Patrouillen aus, die mehre Verhaftungen Vornahmen. Mit anbrechendem Morgen ging jedoch der Tumult mit neuer Wuth los. Das israelitische Schulgebäude in der'Gaißgasse wurde erstürmt; Alles, was an Gerathschaften sich., im Innern befand, zertrümmert öder zu den Fenstern hinausgeworfen, die Dielen sogar wurden aufgerissen und die Dachziegel abgeveckt. Dann ging es über einige Gewölber, wo man die Maaren auf die Straße streute. Erst um 10 Uhr rückte das Militär aus, die ganze Natkonalgatde würde aufgeboten, gleichzeitig wurde ausgetrommelt, daß alle nicht auf dem Schloßberg und Zückermantel befindlichen Juden die Stadt zu verlassen haben. Das durfte nun beschwichtigen; und wir hoffen, daß es NUN gelingen wird, diesen Greuelszenen ein Ende zu machen, in welchen das Eigenthum von vielen Menschen vernichtet und viele Familien zu Bettlern wurden. Nachmittags 4 Uhr. Die Aufregung ist wol noch groß, doch finden keine Zerstörungen mehr statt. Soeben rücken Kürassiere aus Bösing ein. Preßb-urg. Ein Privatschreiben, das uns mitgetheilt wurde, spricht von 8 bis 10 Tobten, die auf dem Schloßbergebeim Einschreiten des Militärs geblieben. Auf dem Zückermantel haben viele Juden die'versetzten

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