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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-15 · Heft 21 (15.5.1848) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 21 (15.5.1848)
Date
1848-05-15
Page
Seite 299 (sequence 3)
Language
German
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299 Gegenstände unentgeltlich an ihre Eigenthümer herausgegeben. Ein anderes Schreiben giebt die Anzahl der Todtgebliebenen theils unter dem Zivil, theils unter dem Militär auflO dis 15 an. Aus den Christenwohnungen wurden Kruzifixe und Marienbilder ausgehängt, oder die Thüren mit einem Kreuz bezeichnet. Die ganze Stadt war sogleich erleuchtet. In dem Pälffy'schen Wirlhshause ließ man 400 Eimer Branntwein auslaufenz. viele hundert Fässer Wein wurden theils angebohrt, theils zerschlagen., > Als die Tumultuanten besoffen herum lagen, kehrte erst die Ruhe einigermaßen zurück. Der angerichtetete Schaden ist unbeschreiblich. Preßburg, 25. April. In Verfolg,meines Gestrigen habe'ich zu melden daß der Pöbel sogar den Friedhof der Juden durchwühlt, die Denksteine umgeworfen und manch andern Skandal getrieben. Zur Verhinderung /weiterer Exzesse sind 320 Mann Kürassire aus den nahen Gegenden ekngecuckt, alle Zugänge zum Schloßberg/selbst in anderen Hauptstraßen durch Bürger und Nationalgarden abgeschloffen, die keinen Unbefugten durchlassen. Im Pälffygarten, gleich bei dem Thoce war ein bedeutendes Branntweinlager; der Pöbel erstürmte dieses, ließ den Branntwein der nicht ausgetrunken wurde, auslaufen und zündete mehre Fässer Spiritus an. Indessen wurde sogleich Feuerlärm geschlagen, die Kellerzugänge und Oeffnungen wurden vermauert, Spritzen aufgeführt, um die anstoßenden Hauser zu schützen und Alles angewendet um weiteres Unglück zu verhüten. Auch erstickte man das Feuer binnen , 2 Stunden gänzlich. Die Nacht verging ruhig. Heute wurde abermals die ganze Nationalgarde'sowie das Militär aufgeböten. Viele Vagabunden sind eingefangen. Der Magistrat hat bekannt gemacht daß Jeder, der bei der Rebellion aus den Gewölbern hinausgeworfene Gegenstände sich aneignete und nicht auf der Stelle dem Stadthauptmannamte zurückbrkngt, kriminalksch behandelt werden soll. Eine strenge Hausuntersuchung wird durch mehre Piquette veranstaltet, und wirklich sind bereits eine Menge solcher Maaren, die jedoch gcoßentheils zerrissen und unbrauchbar gemacht wurden, abgeliesert worden, theils, freiwillig theils in Folge der Hausuntersuchung. Das Meiste fand sich in deiw entlegensten Theil der Stadt in der Gegend der Eisenbahn und der Mühlau. Strenge und ununterbrochen wird diese Untersuchung fortgesetzt, auch deßfalls in die umliegenden Dörfer Ratzkeve, Oberufer, Weiner, Blumenau rc. Kommissionen gesendet, um auch dort Alles zu durchstöbern. Allein meiner Meinung nach werden sie. ,bei aller Mühe nicht den vierten. Theil des Geraubten vorsinden: Das hayakische Landvolk das in den Feiertagen. hereinkamdann die vielen fremden Elsenbahnarbeiter, meist Italiener haben auch einen guten Theil an der geschehenen Plünderung. Soeben höre ich, daß man in den bei Preßburg gelegenen Ziegelöfen, die von jeher ein Diebs¬ und Raubnest waren, eine Menge früher geraubtes Geld und Effekten, sowie auch Manches von der jetzigen Plünderung gesunden, und das Gesindel, so weit man es erreichen konnte, eingefangen habe.— Eben kömmt die Nachricht, daß auch in Wkeselburg und Ungar.-Altenbucg Judenkcawalle ausgebrochen seien und daß. der dortige Vizegespan den kommandirenden Grafen Lamberg um militärische Hilfe gebeten habe. , Die Allg. Oefterr. Zeitung. giebt einen mit Warme geschriebenen Artikel, aus dem wir Folgendes entnehmen: Die erste Veranlassung zu Demonstrationen geghn die israelitischen Bewohner Pceßburgs fand man schon zur Zeit des Landtags darin, daß sich dieselben mit den anderen, Bürgern in den Reihen der Nationatgarde befanden, und man sich nicht schämte, ihnen dieses - Recht ihr Haus und Hof beschützen zu dürfen, streitig zu machen., Schon damals wurden Stimmen laut, welche mit Plünderung und Fortjagen der jüdischen Mitbürger drohten, wenn nur erst die Landtagsjugend, die großherzig und vorurtheilsfrei genug war,• sich solchem Ansinnen kräftig zu widersetzen, in Folge des aufgelösten Landtags Preßburg verlassen haben würde. Nachdem dies geschehen war, entblödeten sich dieselben Bürger Pceßburgs nicht, eine Adresse auf der Schießstatte zu entwerfen, laut welcher die Juden Preßburg augenblicklich verlassen sollten; ungeachtet dessen, daß ihnen seit dem Jahre 1840 gesetzlich das Recht , zustehl, sich einen Platz zur Niederlassung .nach Belieben zu erwählen. Abgesehen von dieser vollkommen illegalen Handlung, nach welcher es schon Pflicht gewesen wäre, .von Seite der Behörde energisch gegen die, den unglücklichen Verfolgten so gefährliche Partei einzuschceiten, geschah nicht nur Nichts, sondern als de faclo gedroht wurde, bis 20. April werde man im Judenquartiere sengen und brennen, wenn selbes, nicht geräumt wäre, wurden von der Behörde unverzeihlicher Weise gar keine Vorsichtsmaßregeln getroffen,-und als, wie der Verlauf, der , Erzählung zeigen wird, das Gräßlichste bereits begonnen war, durchaus nicht jene eiserne Strenge gehandhabt, welche nothwmdig gewesen wäre, das, elende Mordbrennervolk

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