Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 21 (15.5.1848)
- Date
- 1848-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XU. Jahrgang. AllgSMt 'lVU No. SL.; . Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur .. Verlag von »r. Ludwig Philippfon, Baumgartners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. ZU Leipzig. Leipzig, den 15. Mai 1848. Diese Zeitung erscheint.wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registersu. s.w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 224. Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden'. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. :':v; i ,-iIn ha l 1. Leitender Artikel: Die Ereignisse in Preßburg, Pesth und 'Mag., : Zeitungsnachrichten rDeutschland: Braunschweig, Klei- Witz, Darmstadt, Kassel, Prag, Bützow. Galizien: Lemberg. Ungarn: Pesth. Groffbritanien: London. Italien: Mailand. ' ... Leitender Artikel. Die Ereignisse in Preßburg, Pesth und Prag. Die Geschichte der Juden hat viele Blätter, auf denen Haß .und Verfolgung mit blutigen Zügen eingetragen, sind,, auf denen Zertrümmerung und Beraubung des Eigenthums, Mißhandlung der Personen, Versagung den Inhalt herzzerreißender Schilderung ausmachen. Wer hätte geahnt, daß die Zahl dieser Blätter noch nicht zu Ende ist? Wer hätte geahnt, daß das Jahr der Freiheit 1848 diesen ein neues, großes, blutgetränktes hinzufügen werde? Wer hätte geahnt, daß eine thierische Verfolgungssucht noch in den Herzen der jetzigen Menschheit lebt? Wer hätte geahnt, daß sich die großen Hauptstädte zweier, nach Freiheit strebender Länder dermaßen beflecken werden, daß sie auf lange Zeit gebrandmarkt dastehen? In der Zeit, wo die Gleichheit Aller vor dem Gesetze, wo die persönliche Freiheit als, Prinzipien der Gesellschaft anerkannt und vernürklicht werden sotten, in dieser Zeit fällt ein raubgieriger Pöbel über Wehrlose l her und mißhandelt sie, und bethätt'gt die außerordentlichste Verachtung. alles Rechts der Person und des Eigenthums, die außerordentlichste Verachtung aller Gerechtigkeit und Menschenliebe, und zeigt, daß er noch immer der blutdürstige Tieger des Mittelalters ist — fürwahr, nicht der Jude, jeder fühlende Mensch trauert und sieht sich in seinem Glauben ün die MenfcWeitrwankend gemacht! , - n- : Doch kommen wir zuvor zu den Thatsachen. So gern wir es möchten, wir können diese Ereignisse nicht umgehen, wir müssen sie der Gegenwart und Nachwelt zeichnen in ihrem ganzen Umfang — auf daß sie die Wirklichkeit der Zustände.erkenne!; Preßburg. Gehen wir zuerst , nach, jener Hauptstadt Ungarns, in welcher der ungarische Reichstag seinen Sitz hat, nach Preßburg. Wir geben hier authentische Berichte der dortigen Zeitungen. Die Pesth er Zeitung berichtete: Preßburg, 23. April. Schon Sonntag vor 8 Tagen hatten stch die Handwerkslehclinge in der Au versammelt und eine Petition verabredet, worin sie Abstellung verschiedener Mißbräuche verlangen: man möchte ihnen das Herumtragen von Kindern und andere häusliche Verrichtungen ferner nicht mehr zumuthen rc. Am Ostermontage sollte die Petition der Behörde überreicht werden. Aber schon heute hielten sie wieder eine Zusammenkunft in der Au, wo es Einem von ihnen einsiel,