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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-08 · Heft 20 (8.5.1848) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 20 (8.5.1848)
Date
1848-05-08
Page
Seite 291 (sequence 11)
Language
German
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291 zu Heuer bezahlt, wenn wir sie durch jene erkaufen und eine so gefährliche Natter lebenslang in unserm Schooße wärmen müssen? Zwar steht es^. uns frei, diese. Maske nach vollendeter Ausbildung uttfers Geistes von uns zu werfen; ist es aber einem Jeden zu thun gestattet? Leben wir Alle unter .gleichen Umständen? ' . Können wir zwar nicht leugnen, daß wir bei all den Hindernissen doch mancher Bildung Heilhaft geworden, so müssen wir auch gestehen, daß wir es. einzig und allein der Fürsorge der Regierung zu verdanken haben. So haben wir schon in manchem Orte öffentliche Lehranstalten für unsere Jugend, von denen wir bereits schon gar manche Freude ernten; die Regierung hat sie errichtet, die stets ihren guten Eifer dem blinden Eifer unserer Väter entgegenstellt, und somit immer wider den Willen der Nation handelt, um sie der bürgerlichen Glückseligkeit entgegenzuführen. Ist dem aber so, so müssen wir über die Errichtung einer Mädchenschule zu Cherson um so mehr erstaunen, da hier der Wunsch der Gemeinde dem der Regierung zuvorgekommen, und die Anstalt ihr rasches Entstehen nur dem einstimmigen Willen der Väter zu verdanken hat.. So waren wir heute Zuschauer einer Feierlichkeit, die dem Gönner der Aufklärung so viel Vergnügen, dem Beförderer derselben so viele Hoffnung für die Zukunft gewährt, und jedem zuschauenden Auge so viele Freudenthränen entlockt hat. Schon im August des vergangenen Jahres besprachen sich die hiesigen Bürger eine Pension für ihre Töchter zu eröffnen, und war es ihnen zu schwer, die vielen Hindernisse zu bekämpfen, die gewöhnlich jedem Unternehmen im Wege liegen, so übertrugen sie die Ausführung dieses löblichen Vorhabens dem Herrn Adolph Dubenski, der dieselbe zu beseitigen sich anheischig machte. — Der Ausgang der Sache rechtfertigte ihre Wahl; Herr Dubenski, ein junger, energievoller Mann brachte es wirklich zu Stande und binnen vierzehn Tagen war die Anstalt in ihrer völligsten Ordnung hergestellt. Besondere Hilfe leisteten ihm dabei die Herren H. Ausländer, H. Gittes, I. und B. Feiniung, S. Rosenthal, B. und M. Weinstein, die Alle angesehene Leute sind, und deren Worte bei der Gemeinde viel vermögen. Herr Dubenski sammt seiner Gemahlin Mad, Marie Dubenski haben die Leitung der Anstalt übernommen, und bald darauf erfolgte auf seine Bitte die Bestätigung derselben von der Regierung. Damit aber die Eröffnung derselben in ihrer ganzen Feierlichkeit vollzogen und alle dazu nöthigen Anstalten getroffen werden könnten, mußte sie Herr Dub. bis auf den heutigen Lag verschieben. Heute am 21. März war die Eröffnung vollzogen. Erfreulich war der Anblick der zärtlichen Väter, die versammelt da standen und der Feierlichkeit mit stillschweigendem Behagen beiwohnten. Der Gouverneur sammt der ganzen Behörde der Stadt waren eingeladen, die Mädchen sind paarweise aus einem Seitenzimmer erschienen und bildeten eine Halbrunde an der Seite der hohen Versammlung. -Das Kapitel, 'n und darauf das n'Sbnb rwntöh *jm:h wurde erst vom Kantor gesungen, und dann trat Herr Dub. auf das Katheder. Kurz und bündig war seine Rede; in einigen Worten erklärte er dm hohen Anwesenden den Zweck der Anstalt, mit einer löblichen Bescheidenheit legte er^ ihnen seine Pflicht als Leiter und Erzieher der ihm anvertrauten Jugend, auseinander, und den Eltern machte er die Wichtigkeit dieses ersten Schrittes zur Bildung klar. Zum Schluß versicherte er die Letzteren seiner steten unermüdeten Sorgfalt für die zarten Knospen, .die sie seiner einzigen Obhut übergaben, und Alles schaute ihn mit Erkenntlichkeit an, da man schon bereits von seiner Thätigkeit, seit der Errichtung der Anstalt, hinlängliche Beweise hat. Darauf sang der Mädchenchor die Volkshymne Los8obe Zaria chrani und aus dem zweiten Zimmer erscholl eine Musik, die zur Feierlichkeit nicht wenig beigetragen hat. In einem andern Zimmer erwartete die Gaste ein Frühstück, und Toaste waren im vollen Jubel für die Gesundheit Sr. Mai. des Kaisers, der kaiserlichen Familie, Sr. Durchl. des Fürsten Woronzoff, Sr. hohen Erz. des Ministers der V. A. u. s. w. getrunken. Mit ftolzerm Blick schaut nun unser Auge in die Zukunft hin, wo uns ein.heiterer Morgen entgegenwrnkt, der das Dunkel der bisherigen Unwissenheit an unseren Augen vorbeiziehen läßt. Eine Freude beseelt uns Alle, die der Selbstzufriedenheit von dem Verdienste, das man sich allein zu verdanken hat. Schon hört der Vater die Töne seiner Muttersprache im Munde seiner geliebten Tochter veredelt; schon folgt aus die Wehmuthsthräne, die jeder der vernach-

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