Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-08 · Heft 20 (8.5.1848) · p. Seite 289

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 20 (8.5.1848)
Date
1848-05-08
Page
Seite 289 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3225551-3225572--09375-3237630
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

289 hin abgeordnet wurde, um das Haus zu durchsuchen. Dieser Deputation folgte eine zweite unter Kavallerieeskorte. Daß beide Durchsuchungen kein Resultat lieferten,, versteht sich von selbst. Vom Barmh. P. durch die Schöndorfer und Viereimergaffe mit friedlichen Demonstrationen zurückgedrückt, richtete der -Schwarm der Aufrührer sein Augenmerk auf das neben dem Komitathause befindliche Hermann Ledescoische Stiftungsgebäude, wo die Thore, Spaletläden und alles mobile HausgerLthe zertrümmert wurden. Nachdem der. erste Angriff auf dieses Gebäude von Garde und Militär noch abgewährt wurde, und . diese, um jene, Stelle zu säubern, die Straßen durchzogen und über die Nonnenbahn wieder auf den Barmherzigkeitsplatz zurückkehrten, hatte sich der Haufe der Stürmer zum zweiten Male an dem Stiftgebäude versammelt, und viele ins Haus eingedrungene Haupträdelsführer-warfen die Bücher der dieser Anstalt vor Jahren, von einem wiener Christen zum Geschenk gemachten kostbaren Schulbibliothek, physikalische Instrumente rc. zum Fenster hinab. Nun mußten energischere Maßregeln ergriffen werden, und man begann daher einige der im bestürmten Hause betroffenen Aufrührer mittelst Militäreskorte fortzuführen. > Der Pöbel suchte sie zu befreien, und als, um die bedrohlichen Andringer Ln Schach, zu halten, die Militärkompagnien im Sturmschritt mit gefällten Bajonneten vordrangen, da fiel am Michaelerthore ein. Schuß, welcher von einem Militäristen vielleicht aus Unvorsichtigkeit entladen, vielleicht auch blos in die Lust beabsichtigt, einen eben zum Thore hineineilenden gut gekleideten Mann augenblicklich tobt zu Boden streckte. Jetzt hatte die Volksaufregung einen Anhaltspunkt, der Aufruhr .stieg und die aufgeregte. Stimmung war zur Wuth gesteigert, man ließ (nur auf sehr kurze Zeit) die Sturmglocke lauten, man tobte ob des vergossenen Bürgerblutes und fluchte den Israeliten als den Urhebern dieser That. Das von allen Seiten bedrängte Militär wurde gezwungen nachträglich mehre Male einzeln zu feuern; wie viele Opfer fielen, kann man noch nicht angeben, eiroa 6 Todte und Verwundete werden für bestimmt angenommen. Man trug die Leichen vor das.Haus des Militärkommandanten Grafen von Lamberg, und zertrümmerte alle Fenster von dessen Wohnung. Gegen 3 Uhr Nachts wurde.es nach und nach ruhiger. Man befürchtete viel von dieser heimtückischen Ruhe, und diese Befürchtung zeigt sich bereits als nicht ungegründet. Ostermontag früh 7 Uhr begannen bereits die Massen des Volkes sich wieder zu sammeln, und im Augenblicke, als ich diese kurze Skizze müde und angegriffen von dem Gardedienste der Nacht hinwerfe, sollen bereits ernste Demonstrationen gegen den Magistrat, welchem man die noch nicht erfolgte Entfernung der Israeliten vorwirft, und gegen das Militär stattfinden. Gott gebe, daß meine in nächster Preßburger Zeitung folgenden Mittheilungen günstiger sein können. Preßburg, 25. April. (Pan.) In Folge der gemeldeten Ereignisse erließ der Magistrat gestern folgende. Kundmachung: „Die eingetretenen Umstände, durch welche Ruhe und Ordnung in dieser Stadt gestört worden sind, haben die Stadtbehörde hier bestimmt, daß alle im Gebiete der Stadt außerhalb des Gatters wohnenden Juden binnen 24 Stunden aus der Stadt ausziehen müssen, ferner daß alle ebenfalls außerhalb des. Gatters in der Stadt befindlichen Judengewölber alsogleich unabänderlich.. gesperrt werden und geschloffen bleiben, daß somit die Juden sammt Gewölbern blos innerhalb des Gatters auf dem Schloßberge beschrankt bleiben. Da diese Verordnung auf die allgemeine Forderung der hiesigen Einwohner sich gründet, somit die Wünsche befriediget, vertraut die Stadtbehörde die Herstellung und Aufrechthaltung der gesetzlichen Ruhe und Ordnung dem Biedersinn der ganzen Einwohnerschaft, und fordert sie auf, sich unter Kommando ihrer betreffenden Vorgesetzten sogleich, bewaffneteinzuflnden, und die weiteren diesseitigen Anordnungen zu vollziehen." Preßburg, 25. April um 3 Uhr Nachmittags. Gräßliches hat.sich ereignet.^Der Vandalismus herrscht im wahren Sinne des Wortes. Mir schwindelt der Kopf — ich kann keine Worte fassen, um zu schildern das Gräuliche, , das sich ereignete. — Gestern Montag begann es; um 8 Uhr flog ein fürchterlicher Steinhagel an sämmtliche Fenster des Ghetto. Das Pflaster wurde.aufgerissen und die großen Quadern flogen in die Zimmer und zerschmetten Alles, was sich darin befand. Menschenleben ging jüdischerseits Eines zu Grunde, Stöckel, ein 'Student; außerdem wurden Viele verwundet, oder kamen mit blutigen Köpfen davon. —Von den Christen fiel der Juwelier 20*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.