Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 20 (8.5.1848)
- Date
- 1848-05-08
- Page
- Seite 288 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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288 im Zirkular bezeichnete Zahl von Repräsentanten - zu! wählen und. selbe zu der morgen um 3 Uhr Nach- I mittag in-der israelitischen Normalschule fiattfindenden Sitzung zu entsenden haben." Ferner: Der von Einhorn redigirten Wochenschrift lag ein Aufruf an die studirende Jugend mosaischer Konfession bei, worin sie aufgefordert wird, für die Kultusreform, wie sie der Geistder Neuzeit erheischt, ihätig mitzuwirken. Es-erfolgte folgende. Antwort: An die edelen, unbekannten Vorkämpfer für religiöse Reform des Judenthums. Das schöne Vertrauen, daß Sie in unsern Eifer für die nothwendig vorzunehmenden Reformen des Judentums fetzten, verdient unsern ungetheilten herzlichen Dank; wir freuen uns ungemein, in Ihrem begeisternden Aufrufe unsere Meinungen und Sympathien ausgesprochen zu sehen, daß wir Ihnen offenmüthig das Bekenntniß hier ablegen, daß nächst, der gedeihlichen Entwickelung unsers theuern Vaterlandes die Religionsbelebung unserer Glaubensbrüder das meiste Interesse für uns hat. Die schon langst prophetisch verkündigte Zeit ist endlich gekommen; ein wohlthätiges Donnerwetter Hab.die politische Luft gereinigt; gnade- und schonungslos werden tausendjährige/Systems niedergerissendas Alter heiligt keinen Mißbrauch mehr, was dem Geiste unsrer Zeit Hohn spricht, dem wird Hohn und Verachtung; die ewigen Wahrheiten gehen schmuck- und . hüllelos am Himmel unsrer errungenen Freiheit auf; wir haben in wenigen Wochen den Riesensprung von der Unmündigkeit bis zum reifen, überlegten Mannesalter gemacht,, und nur der. goldene Kern unsrer Religion sollte, fortan von der vermoderten Kruste mittelalterlicher Zeremonien verunstaltet bleiben? Wäre es möglich wo Alles grünet, und mit den frischen Formen der Jetztzeit sich schmücket; soll unser Glaube allein als ein mit der Neuzeit durchaus unvereinbares Element sich darstellen? Nein! nein, sagen wir! Wir glauben, und fühlen was wir glauben: Energie, Ausdauer und Beharrlichkeit werden uns gewiß zum ersehnten Ziele führen. Fern sei,daher von uns jeder Jndifferentismus, .jede Lauheit, jeder Aufschub dieser höchstwichtigen Angelegenheit. Wir lassen uns zwar vorläufig in keine speziellen Reformfragen ein; so viel ist aber gewiß, daß wir durchgreifende Reformen wünschen, keinen Kraftaufwand scheuen werden, um diese unsere Wünsche realisirt zu sehen. Indem wir unseren unbekannten Freunden abermals unsern tiefgefühlten Dank ausdrücken, ersuchen wir dieselben mit uns verein t Hand : an das schöne Werk der Reform zu legen. Vor Allem sei unser Losungswort: Ausdauer, brüderliches Zusammenhaltenliebevolles Benehmen gegen unsere andersdenkenden Glaubensbrüder. - Die studirende Jugend der' israel. Konfession. Preßburg, 25. April. (Pannonia.) Sellen wol wurde die Feier des heiligen Osterfestes auf unchristlichere Weise gestört als vorgestern. Sonntag den 23. d. Nachmittags beiläufig 5 Uhr varsammelte sich eine Schaar von 12—16jährigen Buben aus der Hefe des Volkes in der Aue, und zog in Folge dort getroffener Verabredung zum Schloßgrunde, um an den Israeliten ihre Bosheiten auszuüben. Einige Gewölbe waren im Fluge erbrochen, und die Waarenvorräthe auf dem Platze ausgestreut. Mit riesigen Knütteln versehen, schlugen diese Bursche auf jeden Israeliten, der das Unglück hatte in ihre Nähe zu kommen, unbarmherzig los. Der Kommandant der Nationalgarde, Graf Casimir Esterhazy, hiervon in Kenntniß gesetzt, ließ die Garde durch Trommelschlag versammeln. Bis diese und mit ihr zugleich einige Militärkompagnien ausrückten, war zur Knabenavantgarde bereits, das eigentliche Hauptchor des Pöbels gestoßen, und nur den wahrlich eifrigen Bemühungen der uniformirten und nicht uniformirten Garde, an deren Spitze sich viele trefflich gesinnte Magnaten und Bürger befanden, sowie der Militärmacht gelang es den Tumult vom Schloßberge als seiner eigentlichen Wahlftatt nach und nach fortzudrängen, worauf jedoch die zerstreuten Massen durch Seitengassen entweichend, sich am barmherzigen Platze wieder sammelten^ Ein großer Theil der Garde und ziemlich zahlreiche Truppenabtheilungen rückten sogleich nach, und sperrten die Zugänge, wobei viele und schwere Steine auf die bis zu diesem Augenblicke nur als Sicherheitsspalier angewendeten Bewaffneten fielen, wodurch ein uniformirter Weingärtner am Haupte hart getroffen zusammenstürzte. Ein Mann aus dem Volke behauptete zu wissen, daß im Szigraischen Hause, am Schloßberg über 30 Christen eingekerkert schmachten, welche Behauptung lebhaft aufgegriffen wurde und zur Folge hatte, daß eine aus Garden und Volk gebildete Deputation unter Anführung des Baron Lopresti da-