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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-08 · Heft 20 (8.5.1848) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 20 (8.5.1848)
Date
1848-05-08
Page
Seite 287 (sequence 7)
Language
German
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287 die kein gesetzliches Jnkolat besitzen, und deren gefährlicher Konkurrenz mit der Mangel an Arbeit und Verdienst bei so vielen Gewerbszweigen zuzuschreiben sei, weshalb deren sofortige Ausweisung verlangt wurde." Eine an das Ministerium gesandte Deputation brachte zur Antwort: „das Ministerium werde sofort eine gewissenhafte Konskribirung der in Pesth sich aufhaltenden Israeliten veranlassen, und in Folge davon die Abschaffung derjenigen, welche unbefugterweise hier domiziliren." Allein hierbei verblieb es nicht. Die D. A. Z. berichtet aus Pesth vom 20. April: „Gestern Abend war hier ein großer Tumult, zu dessen Dämpfung neben der Nationalgarde auch Das Militär einschreiren mußte. Der Sturm galt zunächst den Juden, verschonte aber auch reiche christliche Einwohner nicht. Schon seit einigen Tagen gährte es. gewaltig in den niederen Klassen, welche von Kommunisten und Unruhestiftern aufgewiegelt, werden. Es kam zu einem drohenden Konflikte zwischen den Gesellen und den Meistern, bei welcher Gelegenheit der hiesige Magistrat suspendirt und bereits vielfache Foderungen zur. Austreibung; der Juden laut wurden. Die Meister namentlich, benutzten den allgemeinen Judenhaß, um die Wuth der Gesellen von sich auf die Juden abzuleiten. Gestern kam noch ein Vorfall hinzu, welcher den Ausbruch beschleunigte. Einige Bürger griffen einen jüdischen Nationalgardisten an, als er vor dem Stadt- Hause Wache hielt. Dieser, zog das Schwert und verletzte einen der Angreifer leicht an der Hand. Sofort entstand ein Volksauflauf, .welcher die Entwaffnung aller Juden und die Austreibung Derjenigen, welche seit 10 Jahren sich hier niedergelassen, foderte. Die meisten Laden wurden gesperrt, die Straßen wogten von Menschen,, ebenso schnell aber, wurde auch eine imposante Macht von Nationalgarden und Soldaten auf den verschiedenen Punkten zusammengezogen. Auf dem Stadthause saß die permanente Sicherh.eilsk.ommission, in welcher auch der Premierminister L. Batthyanyi erschien. Dieser sprach sich, sehr bitter über die judenfeindlichen Intentionen der Bürgerschaft aus. Gegen. 7 Uhr Abends begann indeß der Sturm in der Königsgasse, der Waitznerstraße, und. der Elbogengasse mit. der Plünderung einiger jüdischen Häuser. .,7 Ehe die Nationalgarden Meister der Plätze waren,. wurden mehre Juden jämmerlich zugerichtet; ein Studirender, . welcher den - Meuterern .in die Hände gerathen, soll fast zu Tode geprügelt worden fein. Um. 9 Uhr waren die Straßen gesäubert, einige Hunden Tumultuanten wurden verhaftet. Heute Morgen konnte man sich überzeugen, daß der Tumult nicht allein, auf die Juden abgesehen war, denn man sah nicht minder an christlichen Häusern die Fenster eingeworfen. Die Bürgerschaft will nun die Austreibung eines Theiles der Juden , auf sogenanntem gesetzlichen Wege erlangen, und es werden zu diesem Behufe Unterschriften für eine diesfallige Petition gesammelt." Neben so traurigen Ereignissen nimmt sich natürlich eine innere Reformbewegung zur selben Zeit etwas eigen aus. Wir lassen die Pestyer Zeitung darüber sprechen: „Die inneren Verhältnisse der hiesigen Israeliten, schreibt „Der ungarische Israelit"*) aus Pesth vom 14. d., gehen einer neuen erfreulichen Umgestaltung-entgegen. Reform in administrativer und religiöser Beziehung wie-überhaupt in allen anderen Verhältnissen, ist die allgemeine Parole. Volksvertretung, /vertreten durch intelligente Männer aus seiner eigenen Mitte, ist der allgemeine Wunsch, dem jetzt auch der bisherige Vorstand nachzugeben, bereit ist. Ueber die stürmischen Sitzungen, die darüber gestern im früher s. g. Gemeindehause und in der Normalschule abgehalten wurden, nächstens ein Mehreres. Für heute nur das -Resultat: Da es bei den gegenwärtigen, stürmisch aufgeregten Zeiten nicht rathsam ist, mehre tausend Juden zu Urwahlen zusammen zu berufen, wurde von der Versammlung beschlossen, daß jeder Stand unter den Juden, wie Großhändler, Kaufleute, Handwerker, Studirende, Literaten u.s. w. einige. Mitglieder aus seiner Mitte zu wählen habe, welche im Verein mit mehreren Mitgliedern des bisherigen Vorstandes die obgenannten Reformen berathen und Leiten sollen, und im Allgemeinen das Weitere bestimmen. Zur Leitung der Wahlen wurde mit Akklamation-ein Komite, bestehend aus den HH. Dr. Rosenfeld, G. Galantay und'dem Redakteur Dieses Blattes, ernannt. Das Komitö hat-soeben ein Zirkular an ein oder zwei Individuen jedes Standes erlassen und - sie aufgefordert, noch heute alle ihre Standesgenoffen zu berufen, die dann aus ihrer Mitte die *) Dieses Blatt, redigirt vom Rab. Kand. Einhorn, ist uns noch' nicht zu Gesichte gekommen. Redakr. d. A. Z. d. Jud.

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