Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 20 (8.5.1848)
- Date
- 1848-05-08
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225572--09372-3237627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
286 einer dabei zulässigen religiösen Weihe überall keine Erwähnung thäte. Ich schließe, mich deshalb dem Anträge des Abgeordneten Forke an, indem ich daher anheim gebe, statt des Ausdruckes" „religiöse Weihe" „kirchliche Einsegnung" zu setzen. (Schluß folgt.) Prag, 28. April. Abends 7 Uhr. Seit ungefähr zwei Stunden sieht es wieder ganz kriegerisch aus auf dem altstädter Ringe. Zahlreiche Rotten Nationalgarde kreuzen den Platz in allen Richtungen, und brechen durch die dichten Haufen, welche hier versammelt sind. Es hat ganz den Anschein, als ob eine unruhige Nacht folgen wollte. Der Auflauf ist blos eine Fortsetzung des vorgestern durch den Regen unterbrochenen Judenkravalls. Schon vom frühen Morgen zeigten sich kleine Gruppen aus der nieder» Volksklasse vor dem Rathhause; sei es nun, daß die Judenverfolgung methodisch betrieben wird, oder daß die Nachrichten von den blutigen Vorfällen in Preßburg unter das Volk gedrungen sind und die gereizten Gemüther noch mehr entflammt haben; so viel ist sicher, die Sache gewinnt ein immer bedenklicheres Aeußere, und läßt, wenn die Volkswuth einen unbewachten Augenblick gewinnen sollte, das Schlimmste befürchten. Morgen ein Näheres. Wien, 28. April. Aus Anlaß der vandalischen Verfolgungsszenen, welche gegen die jüdische Bevölkerung in Preßburg vorgefallen sind, ist von den in Wien lebenden Ungarn aller Glaubensbekenntnisse eine Eingabe an den ungarischen' Justizminister Franz von Deük gerichtet worden; . . (Wien. Z.) Italien. Modena. (Die Juden emanzipirt.) Die provisorische Regierung in Modena hat unterm 1(K d. M. sämmtlichen Israeliten des Landes völlige Gleichstellung der bürgerlichen Rechte mit allen anderen Konfessionen ertheilt. (Oester. Ztg.) - Rom, 7. April. Besonderes Aufsehen hat es gemacht, daß viele Juden, mit dem Kreuze in den Nationalfarben auf der ^Brust, in die Reihen der Kämpfer eingetreten sind. - . . Rom, 18. Aprill ..So-wären denn nun auch die Thore des Ghetto, gefallen, welche die Judenstadt von der Gemeinschaft mit der .katholischen Christenheit streng gesondert hielten^ Gestern Abends 10 Uhr sind sie auf Befehl des: Kardinalvikars niedergeriffen worden, und das Judenviertel'geht von nun an in dem neuen Rom auf. .Die Vorurtheile, welche mit diesen alten Mauerstücken hinweggeräumt.worden sind, kann man hier zu Lande nicht hoch genug anschlagen; falsch aber würde man die Bedeutung dieses Verhags beurtheilen, wenn man annehmen wollte,, er habe eben nur dazu gedient, die jüdische Bevölkerung von den Christenmenschen abzusperren, er hat auch die bedrückten, oft geängstigsten und. gequälten Söhne Jakob vor mancher Unbill, schützen muffen.. Er war namlick nicht blos Gefangniß, sondern auch Asyl. Aengstlich wurden die Kinder innerhalb seines Bereiches gehalten, weil, wenn etwa Eines außerhalb desselben von einem eifrigen Katholiken unter Hersagung der Laufformel mit Wasser benetzt wurde, es seinen Eltern und seiner jüdischen Gemeinschaft für immer entrissen war. Auch in dem gegenwärtigen Augenblicke sehen daher die Gönner derJüden diese Schutzmyuern nicht ohne Besorgniß niederreißen, indem sie von nun an jeder Invasion von Uebelwollenden oder Unruhstiftern Preis gegeben sind. In anderen weniger wirren Zeiten würde man darauf keinen Werth gelegt haben, und in der Lhat ist die ganze Sache gar nicht einmal neu. Zur Zeit der französischen Herrschaft nämlich war dasselbe geschehen, und erst bei der Rückkehr Pius' VII. hat man die damals schon veraltete Einrichtung mit so vielen änderen Borurtheilen und offenbaren Mißbräuchen wieder hergestellt. Ungar». Pesth, 21. April. Wit haben von hier aus in zwiefacher Beziehung zu berichten, über die Tumulte gegen die Juden, und eine Reformbewegung unter den Juden. Die Ersteren sind traurig genug. Am 18. April fand eine große Bürgerversammlung auf dem Rathhaufe statt, wo insonders die Zunftgenossen Beschwerden vorbrachten. Der erste Punkt betraf „die vielen vorn Magistrat tolerirtenJsräeliten,