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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-08 · Heft 20 (8.5.1848) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 20 (8.5.1848)
Date
1848-05-08
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
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283 einzelner Religionskonfessionen, so wie die Aufhebung -er der Erwerbung aller Arten von Grundbesitz noch cntgegenstehenden Beschränkungen, werden der Gegenstand dem ersten Reichstage vorzulegender Gesetzesvorschläge bilden" — hiermit ist für die Juden Alles in 8totu quo geblieben, unsre Frage fängt wieder ganz von vorn an, und der spießbürgerliche Judenhaß hat so recht Zeit wieder, alle möglichen Einwände auszubeuten. Sehr unbedeutend ist dafür §. 31, der so lautet: „Allen in der Monarchie durch die Gesetze anerkannten christlichen Glaubensbekenntnissen und dem israelitischen Kultus ist die freie Ausübung des Gottesdienstes gesichert." Dies ist nicht mehr, als längst dagewesen, und steht noch obendrein mit §. 17 in offnem Widerspruch. Denn entweder er ist mit §.17 ein und dasselbe, oder er enthält wieder eine Klausel, um §. 17 zu beschränken. Denn z. B. der Deutsch- Katholik könnte nach §. 31 keinen Gottesdienst halten. Aus dem Großherzogthum Posen, 27. April. (Privatmitth.) Ich muß Ihnen meinen warmen Dank für das lebendige Interesse sagen, das Sie an unseren Zuständen nehmen; kann mir's aber nicht versagen, Ihre Illusion über Polen, besonders über die neuen Erscheinungen, zu zerstören. Sie theilen diese Illusion mit allen edelen, hohen Geistern der Literatur und Gesellschaft; aber wollen Sie nicht vergessen, werther Herr Doktor! Sie erhalten blos den reinen abgezogenen Wein, wir aber, umgährt von dem furchtbaren Prozesse, ersticken beinahe in der Hefe. Lassen Sie mich ohne Bild sprechen, so haben Sie kein selbstbewußtes, hochgesinntes Volk, das muthig seine Kelten sprengt, um die goldne Freiheit zu erringen; keine Führer, die im Bewußtsein ihrer hohen Mission, sie rein zu erhalten und auszuführen suchen, sondern ein rohes, wildes, grausames Gesindel, das seine Begeisterung in Schnaps sucht, und mordgierig über Deutsche und besonders Juden stürzt, raubend, plündernd mit echter Slavenwuth — und nun die Führer — Ihnen schwebt wol das Bild des hohen Kosciusko vor — — wenn's aber zum großen Theil verschuldete, durch ihre polnische Wirthschaft ruinirte Edelleute, die so ihre Güter wieder frei machen wollen; wenn's aber unwissende, dabei herrschsüchtige Männer sind, die gern wieder die alte Waiwodenzeit, heraufbeschwören möchten,' und den unter Preußen wohlhabend gewordenen Bauern knechten --- wie dann? Ich glühte für'Polen und seine Auferstehung / aber die Gräuel der Neuzeit zeugen gegen die innere Würdigkeit der Nation, die früher-gefallen, jetzt gesunken, und besonders die unmittelbare Nachbarschaft enttäuschte mich bald. Bromberg, '25. April. (Privatmitth.) Wir erlauben uns, Ihnen folgende Aufforderung zuzusenden: „Mitbürger! Mitbrüder! Die Nachricht von den schrecklichen Ereignissen, so unsere Mitbrüder in den jüngst verflossenen Tagen in Trzemeszno, Wreschen und Znin erleiden mußten, hat Niemand ungerührt gelassen. Diese Ereignisse stehen mit Flammenschrift tief in unserm Herzen eingeschrieben. Es sind Szenen vorgefallen, die das Blut in den Adern erstarren lassen. Neben der Leiche des Vaters stehen Waisendie vor Schmerz die Größe des Unglücks noch nicht erfassen; der Vater starb nicht den Tod, durch die Zeit herbeigeführt — nein, er siel als Opfer blinder Wuth; dort steht eine Mutter, steht ihre Tochter geschändet vor sich liegen; in einem andern Hause stehen Eltern, verzweifelt sehen sie, wie ihr unschuldiges Kind, am Körper verstümmelt, sich im Blute badet. Ja, in das Heiligste, den Tempel, den einzigen Zufluchtsort, wo die verirrten Flüchtlinge hineilten, Schutz zu suchen, drangen die Verfolger ein, und neben einem gemordeten 65jährigen Greise werden Einzelne aus Rache des Augenlichts beraubt, damit sie lebend, unglücklich bleiben. Die armen Wittwen und Waisen schreien händeringend, verzweifelnd um Hilfe, ihr Hab und Gut ist als Beute vertheilt, das Blut der Gefallenen spricht zu uns; es fordert uns nicht zur Rache auf, nein, dies überlassen wir Gott» Die stummen Leichen reichen uns, einem Jeden besonders die kalte Bruderhand, zeigen uns die klaffenden Wunden; denn uns Alle umschlingt nur das eine Band, has Band der Liebe, und sie rufen uns zu: „Brüder, helfet, sorgt für die Waisen!" Der letzte Anblick des gebrochenen Auges, um es für immer zu schließen, ist auf uns, die rvlr Meilen weit entfernt sind, gerichtet; dieser starre Blick spricht mehr als Lausend Zungen. Wir wollen aber auch dieses Vertrauen nicht täuschen; es zu rechtfertigen sei unser Wetteifer. Wir Unterzeichnete haben mit Bereitwilligkeit übernommen, Beiträge zu sammeln, Aufforderungen er-

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