Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 20 (8.5.1848)
- Date
- 1848-05-08
- Page
- Seite 282 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Leitender Artikel. Magdeburg, SOÜ Die Lage. In den jüngsten Tagen haben die bürgerliche Gleichstellung der Juden vollständig ausgesprochen: Braunschweig, Moderig. Dagegen sind vorläufig zurückgetreten: Oesterreich und Ungarn. Höchst bemerkenswerth ist diese Umwandlung der Dinge in Modena. Bekanntlich war der vorige Herzog von Modena ein wahrer Judenfeind. Er verbannte sie in's Ghetto zurück, ja er befahl ihnen, gelbe Abzeichen auf dem Kleide zu tragen, so daß viele, und zwar begüterte Juden Modena verließen-, er erdrückte sie mit Abgaben. Aus diesen traurigen Zuständen sind sie dort nun heraus. — In Rom sind die Thore des Ghetto gefallen. Ueberall haben die Juden einen lebhaften Antheil an dem Aufschwung Italiens genommen, überall haben sie bewiesen, daß ihnen die italienische Sache die ihrige ist, und so finden sie verdientermaßen in der Freiheit Italiens die ihrige. Traurig ist dagegen die Lage der Juden in Böhmen und Ungarn. Ein dort von gewisser Seite seit lange absichtlich genährter Judenhaß kommt zu den schrecklichsten Ausbrüchen, und Prag und Pesth beflecken sich mit mittelalterlichen Gewaltthaten. Energisch treten hingegen die Juden in Posen auf Seiten der Deutschen, und, obschon einzeln schrecklich leidend, halten sie sich doch kräftig an dem Grundsätze aufrecht: Deutsche zu sein und Deutsche, bleiben zu wollen. An Frieden derselben von polnischer Seite ist daher noch lange nicht zu denken. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, 18. April. Wenn irgendwo, wird die Gleichstellung der Juden in Sachsen noch viele Hindernisse zu überwinden haben. Die Aügsb. Ällg. Zeit, läßt sich von hieraus schreiben : „Auch ein „kirchlicher Verein für alle Religionsbekenntnisse" hat sich eröffnet. Allein während die Freiheit aller Glaubensgenossenschaften gepredigt wird und sich die politische Erlösung der Juden von selbst darunter begreift, erschrickt die deutsche Bevölkerung Leipzigs vor dem Gedanken einer ungehinderten Einwanderung jüdischer Kaufleute und l Geschäfte. Angriffe und Vertheidigung der Juden,folgen in den Tagsblattern ungestüm aufeinander. Die kühnere 'Sicherheit, die geschicktere Führung der Waffen ist in den Händen der Juden, und der eingebornen Abneigung fehlt das rechte Wort des Vorwurfs. Dieses Wort heißt aber nicht religiöses Vorurtheil, sondern Widerwillen gegen die Race. Wer wird den Juden heute noch ihren Glauben zum Vorwurf machen, ihre Tora, ihren Sabbat? Es ist ihre Art zu sein, zu denken und zu handeln, es ist die Gattung vor welcher unser Volk zurückscheut. Diese Gattung geht auf in dem Allgemeinen, wenn einmal das Allgemeine für die verstoßenen Söhne Israels sich aufthut, sagen die Vertheidiger der Juden. Wohlan, so wollen wir hoffen. Denn ein billiges und gerechtes Mittel die Juden von einer Freiheit auszuschließen, die wir für Alle und Alles in Anspruch nehmen, giebl es nicht. Wir müssen uns daher fügen und zusehen wie wir uns vertragen und neben einander bestehen." München, 22. April. Es ist den Kammern ein Gesetz über die standes- und gutsherrlichen Verhältnisse vorgelegt worden, in welchem auch die an die Guts- und Gerichtsherren zu zahlenden „Judenschutzgelder" ohne Entschädigung der Berechtigten aufgehoben werden. In manchen Theilen des Landes, z. B. im Wallerstemischen, ist dies nicht ohne Bedeutung. Wien, 25. April.' Die Konstitution für die österreichischen Staaten mit Ausnahme Ungarns und Italiens ist erschienen. Was uns aus derselben mleressirt, sind folgende Paragraphen: „§. 17. Allen Staatsbürgern ist die volle Glaubens- und Gewissens-, so wie die persönliche Freiheit gewährleistet." 24. Jeder Staatsbürger kann Grundbesitzer werden, jeden gesetzlich erlaubten Erwerbszweig ergreifen und zu allen Aemtern und Würden gelangen." — Hiermit sollte man die bürgerliche Gleichstellung ausgesprochen halten, aber — „der hinkende Teufel" kommt nach, nämlich 27. Die Beseitigung der in einigen Theilen der Monarchie*) noch gesetzlich bestehenden Verschiedenheiten der bürgerlichen und politischen Rechte *) Wenn wir nicht irren — in allen Theilen der österreichischen Monarchie. Redakt.