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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-01 · Heft 19 (1.5.1848) · p. Seite 278

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 19 (1.5.1848)
Date
1848-05-01
Page
Seite 278 (sequence 10)
Language
German
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278 meinsame Brüderlichkeit. Ihr dürft daher von-unsrer Seite auf den vollständigsten Schutz rechnen, seies in Eurer Eigenschaft als französische Bürger, sei es in unsrer als Söhne der katholischen Kirche; denn wir können nicht vergessen, daß die Israeliten unsere Brüder sind, und daß sie unsere Väter gewesen." Die Deputation entfernte sich unter dem Rufe: „Es lebe die Republik! Es lebe die provisorische Regierung!" Korrespondenz. Die Geschichte des jüdischen Schulwesens. Von Emanuel Hecht. (Fortsetzung.) Juda, der Heilige, der Redakteur der Mischna, beorderte zwei Männer, die das Land bereisen, über das Dasein der Schulen Bericht erstatten und um Errichtung derselben sich bemühen mußten. Sein Freund Rabbi Ehia machte sich noch verdienstlicher um sie, da er nicht nur Lehrer der Jugend wurde und dieser besonders kopirte, was ec vortrug, sondern auch unter andere Kinderlehrer Abschriften vertheilte und Schöpfer der wechselseitigen Methode*) wurde. Sein Verdienst fand alle Würdigung. Man hielt ihn und seine Söhne als die Wiedechersteller des Gesetzes und stellte ihn mit Esra auf gleiche Stufe. Auch von Huna wird berichtet, daß er wie Rab Ehia den Aba Nichts gegessen, bevor sie ihre Kinder unterrichten. Wenn die Großen und Frommen der Zeit ein solches Interesse für den Unterricht zeigen, muß natürlich auch in niederen Kreisen die Sache ihre Verehrer finden und so war es auch. Die Schulen wuchsen der Art, daß es bald keine Gemeinde mehr gab, die derlei Institute entbehrte. Selbst in den traurigsten Epochen seiner Laufbahn, wo Israel von Ort zu *) Es ist mir nicht bekannt, ob diese Methode auch noch später in den jüdischen Schulen angewandt wurde. In der fürther Jeschibo war sie jedoch in Gebrauch, wie mir aus einer Mittheilung des Dr. Einhorn erinnerlich. Daß die Britten Bell und Lancaster im Anfang unsers Jahrhunderts durch diese Methode, für deren Urheber sie sich ausgaben, so große Regsamkeit in der europäischen Schulwelt hervorriefen, ist jedem Lehrer bekannt. Ort, von Land zu Land getrieben, kaum den Fuß ruhig niedersetzen konnte, war sein Erstes für die Jugend Lehrstätten zu errichten und wo es, aus welchem Grunde immer, kein eignes Schullokal ermitteln konnte, da wurden die Synagogen (die ihr Dasein den Schulen verdanken) zum Gebrauche des Kinderunterrichts frergegeben. Die Gemeinden mußten pflichtgemäß eher für Erbauung der Schulen als für Erbauung eines Gotteshauses sorgen; das Schulgebäude galt auch an sich als heiliger, so daß man wol aus einer Synagoge eine Schule, nicht aber aus einer Schule eine Synagoge bauen durfte, daher man auch liest, daß Rabbi Ammi und Rab Assi niemals anders als unter dem Vorhofe der Schule zu Liberias gebetet haben, ungeachtet man dort 13 Synagogen zahlte. Auch konnte Niemand die Errichtung einer Schule in seiner Nachbarschaft unter dem Vorwände verhindern wollen, daß er wegen des Kindeclärmens gestört werde. Fragen wir, welche Einflüsse den Unterricht so gewaltig beförderten, so daß Jedermann ohne Rücksicht seines Berufes sich der Gesetzeserforschung widmete, so scheint vor Allem der Mangel an Beschäftigung Veranlassung gegeben zu haben. Die bürgerlichen Gesetze schlossen bekanntlich die Juden von wissenschaftlichen und gewerblichen Beschäftigungen aus und gestatteten ihnen nur den Schacher- und Geldhandet und das Verleihen auf Pfänder. Diese unbedeutenden Erwerbsquellen konnten nun aber eine auf sittlicher Höhe stehende Nation keineswegs befriedigen, man verlegte sich auf das Riesenstudium des Talmuds und um dies recht rasch und sicher zu befördern, mußte man schon frühzeitig dem Elementacschulwesen sein Augenmerk zuwenden. Das Schulkind, den religiösen Eifer gewahrend, den die Erwachsenen auf's Lernen verwendeten, konnte unmöglich den Unterricht für unbedeutend betrachten, umsoweniger, als man außer dem Reichthume nur durch Gesetzeskunde einige Geltung in den Gemeinden erwerben konnte. Endlich machte die ganze Einrichtung des Gottesdienstes das Studium des Hebräischen zur Nothwendigkeit und vorzüglich trug zum eifrigen Betriebe desselben die buchstäbliche Deutung der Worte: nV’Vi üft'n 12 nMm und Qbi2 2352 hYin “wabn und der Eifer jüdischer Rabbiner bei, die im Gegenspiele der katholischen Geistlichkeit zur Erforschung der Religionsquellen ihre Gemeindeglieder eifrigst ermunterten. Der Unterricht der Mädchen war freilich nicht so weitgreifend, der ganze Zyklus ihres Wissens schränkte

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