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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-01 · Heft 19 (1.5.1848) · p. Seite 277

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 19 (1.5.1848)
Date
1848-05-01
Page
Seite 277 (sequence 9)
Language
German
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277 Katholiken und Juden als eine unstatthafte bezeichnet war, erhob sich Lord D. Stuart mit einer schlagenden Rede für die Bill: „es käme darauf an, zu zeigen, ob das Unterhaus die Grundsätze der Duldung oder die der Unduldsamkeit anerkenne, ob es den Willen der großen Majorität des Volkes zum Gesetze erheben oder ihn mißachten wolle (Hört!). Die Petitionen gegen die Bill seien von 56,000, die für dieselbe aber von 300,000 Personen unterzeichnet; noch bei keiner andern Gelegenheit habe dies Parlament so viel Petitionen erhalten, als zu Gunsten der Emanzipation der Juden. Gegen die Einflüsse der Juden aus die Kirche könne man ja Gesetze geben; man müsse die jetzigen Juden nicht mit den vor 1800 Jahren verwechseln; jeder Unterschied der politischen Rechte wegen konfessioneller Ueberzeugung sei Verfolgung und Knechtschaft, also nichts weniger denn christlich." Dennoch findet Mr. Hornby keine Ungerechtigkeit darin, die Juden vom Parlament auszuschließen, weil sie nicht befähigt seien, darin zu sitzen; sieht aber wol eine große Gefahr in ihrer Zulassung, indem bei dem enormen Reichthume und dem großen Ehrgeize derselben nicht 4 oder 5, sondern 40 oder 50 Juden in's Parlament kommen könnten; am Ende würde sogar der Premierminister ein Jude sein. Ferner finde er bei ihnen keine englische, sondern eine jüdische Nationalität und wenn er auch nichts gegen ihre Moralität habe, so seien sie doch der Mehrzahl nach Geldwucherer u. s. w. Hierauf erhob sich auch Sir R. Jnglis noch einmal, um aus kirchlich-christlichen Gründen die Bill zu bekämpfen und das Amendement zu unterstützen; und endlich versuchte es noch Mr. Adderley, die alte Gehässigkeit gegen die Nationalität und den Reichthum der Juden wieder aufzureizen. Nachdem indessen Mr. Goring sein Amendement zurückgenommen, kam das Haus zur Abstimmung über die Bill; Punkt 1 — 5 wurden ohne Widerspruch angenommen; zum 6ten machten Sir Willoughby den Vorschlag, folgende Worte hinzuzusetzen: „Oder irgend ein Amt, — von Ihrer Majestät, ihren Erben und Nachfolgern zu vergeben, ferner die Bestallung und Empfehlung zu irgend einem Amte oder einer Beförderung in der vereinigten Kirche Englands und Irlands, oder der von Schottland. Das Amendement wird von Mehreren unterstützt, von Mr. Reynolds, soweit es Irland betrifft, angegriffen, hauptsächlich aber von Lord I. Ruffel bekämpft; bei der Abstimmung ergaben sich 99 Stimmen für und 196 gegen das Amendement, es war also mit 97 Stimmen Majorität verworfen. Hierauf brachte Sic R. Jnglis ein neues Amendement ein, wodurch er verhindern wollte, daß die Juden Richter an einem königl. Gerichshofe, oder Mitglied des Geheimen-Raths der Königin werden könnten. Auch dieses Amendement wurde mit einer Majorität von 94 Stimmen verworfen und der 6te Artikel der Bill blieb also unverändert; die übrigen Punkte wurden ebenfalls gebilligt. Nachdem auch eine 4te Motion von Mr. Anstey zurückgenommen war, wurde die Einleitung zur Bill angenommen und nach kurzer Debatte die dritte Verlesung derselben auf den nächsten Montag festgesetzt. Frankreich. Paris, 21. April. Eine Deputation der verschiedenen israelitischen Hilfsvereine zu Paris mildem Großrabbinen des Zentralkonflstoriums und dem Großrabbinen von Paris an ihrer Spitze, hat der provisorischen Regierung ihre Ergebenheit zu erkennen gegeben und der Republik eine patriotische Gabe von 1275 Franks dargeboten. Der Bürger Buchez, Adjunkt des Maires von Paris gab darauf denselben folgende Antwort: „Bürger, im Namen der provisorischen Regierung dankeich Euch für die Gabe, welche Ihr gebracht habt; ich danke Euch ebenso für die edelen Worte, die Ihr ausgesprochen, und die Gesinnungen, welche Ihr an den Tag gelegt habt. Indessen bin ich nicht erstaunt, diese Gesinnungen bei Euch anzutreffen; denn Ihr könnet nicht vergessen, daß die Republik es ist, welche das Joch zerbrochen hat, daß auf dem Haupte der Israeliten lastete, und welche die Schranken hat verschwinden lassen, die Euch trennten von Eueren übrigen Brüdern. Das israelitische Volk, oder vielmehr das Judenthum hat das Licht der Vergangenheit in den Orient und den Okzident getragen, indem es die heiligen Schriften bewahrte, welche es ihnen übergeben hat. Es ist klar, daß das Judenthum hierdurch der Menschheit einen unermeßlichen Dienst erwiesen hat. Zu allen Zeiten hat es hierdurch Anspruch gehabt auf die Achtung aller derer, welche denken. Aber es haben gegen dasselbe dennoch große Vorurtheile existirt; jetzt sind sie gefallen und wir sind Alle vereint durch ge- 19*

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