Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 19 (1.5.1848)
- Date
- 1848-05-01
- Page
- Seite 276 (sequence 8)
- Language
- German
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2m überall war's die Jugend, die den ersten Streich geführt, denn wo's Gefahr giebt und Lebensverachtung gefordert wird, einen Koloß zu stürzen, da steht die muthige Jugend in den ersten Reihen, die bereit ist, ihr Blut zum Wohle des Vaterlandes zu verspritzen. Nachdem, aber der Sieg errungen und der Feind in die Flucht geschlagen war, reterirte sich überall die Jugend wohlweislich zurück, das Organisiren besonneneren, erfahrneren und praktischeren Männern überlassend. Lhut auch Ihr ein Gleiches! Begnügt Euch mit der offenen Sprache, grübelt nach, wo was Verfehltes noch eingewurzelt ist, entdeckt frei die Gebrechen, die ihr glaubt entdeckt zu haben, maßt Euch aber nicht an, daß Ihr dazu berufen seid, eine neue Konstitution zu verfassen. In dem Niederreißen und Auflösen aller Institute allein liegt noch kein Segen, sondern in der Errichtung besserer und zweckmäßiger und zeitgemäßer. Ueberstürzt daher nicht Alles und laßt durch reife Männer reif Alles berathen. Pfropft den Baum, haut, ihn aber nicht um. Bestrebt Euch die Blößen, die das alte Regime uns gelassen, zu verdecken und zu verbessern, nicht aber zur Schadenfreude unserer Feinde als Skandal sie auszubeuten. So spricht die vox populi, diese ist die vox «lei. ...b... Qfen, 10. April. Hier will sich der alte Judenhaß abermals Luft machen und die Juden mißhandeln. Es sind jedoch genügende Schutzmittel getroffen. Preßburg, 16. April. Heute Morgen sind von hier die letzten Reste der Artillerie und der Kavallerie nach Brünn marschirt, wo sehr blutige Austritte stattgefunden haben. Nur ein Feuerpiket von 60 M. Kuirassieren und gegen 200 M. ungarische Infanterie sind hier zurückgeblieben, um den stets drohenden Pöbelexzessen gegen die Juden im Vereine mit der Nationalgarde zu begegnen. Das Ministerium..hat endlich energische Maßregeln zum Schutze der Juden im ganzen Lande getroffen. In Stuhlweißenburg, der alten ungarischen Königsstadt, wurden den Juden nur drei Tage Zeit zum Abzüge gelassen, aber sofort sendete das Ministerium den.bekannten Franz Pulßky als außerordentlichen Regierungskommissar mit ausgedehnten Vollmachten nach Vieser Stadt, wo er den Magistrat suspendirte und den neu eingesetzten für jederlei Exzesse gegen die Juden verantwortlich machte. Gleiche energische Ministerialschreiben sind an alleKomitatsb.ehörden ergangen, welchen, zur.Aufrechthaltung der Ruhe auch die Requisition des. Militärs anheimgegeben worden. Galizien. ’ Krakau, 15. April. Wie sehr hier Juden und Polen fraternisiren, geht daraus hervor, daß unter den 6000 Mann der Nationalgarde 1600 Juden sind, und unter den 4 Adjuvanten des.Dbersten ein Jude ist. Großbritanien. London, 6. April. England, das so lange dem Festlande vorangeschritten, ist durch die Ereignisse der letzten Monate weit dahinter geblieben. ■: Der Kampf kann nicht ausbleiben. Darum haben die englischen Verhandlungen über die Judenfrage ihr wesentlichstes Interesse verloren; indeß. ist es unsre Pflicht, darüber zu berichten. Die Gleichstellung hat im Unterh ause ihr letztes Stadium durchgemacht, und zwar auf folgende Weise. Sitzung vom 3. April. Nachdem Lord I. Rüssel eine Petition zu Gunsten der Juden, Sir R. Jnglis aber und. Mr. Scott gegen die Emanzipation derselben verlesen hatten, nahm Mr. Goring das Wort, um auf die alten Phrasen von Christlichkeit und auf Bibelsprüche gestützt, die Ausschließung der Juden vom Parlament zu vertheidigen; er stellte daher folgendes Amendement: „Es ist die Ansicht des Unterhauses, daß — so lange dasselbe die Autorität ausübt, welche es gegenwärtig über-die Landeskirche handhabt, kein Jude berechtigt sein solle, in diesem Hause zu sitzen." Lord I. Ru s fei verwies auf die Debatte bei der zweiten Verlesung der Bill und würdigte das Amendement keiner Widerlegung. Dennoch fand dasselbe einen Vertheidiger in Mr. Bruce, der in einer langen, bigotten und etwas konfusen Rede die Juden als Fremdlinge hinstellte, ihnen zwar alle sonstigen Freiheiten lassen, aber von der Gesetzgebung sie ausgeschlossen wissen wollte. Nachdem sich ferner Mr. Gardner/ Mr. Simeon und Mr. Urquhart für die Bill kurz ausgesprochen hatten, namentlich, weil ja auch , alle Dissenters das Recht hätten, im Parlamente zu sitzen, von . Sir Vemer aber die Parallele! zwischen