Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 19 (1.5.1848)
- Date
- 1848-05-01
- Page
- Seite 275 (sequence 7)
- Language
- German
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275 will, sondern in ganz neuer origineller Weise sich ausspricht. Alle diejenigen, die es mit dem Judenthume aufrichtig gut meinend, ein Absorbiren der unwesentlichen Observanzen für dringend nöthig halten, so wie alle NeuerungssüchLige, denen nicht genügt, das Entbehrliche auszuscheiden, sondern das Verbleibende zu modernisiren verlangen, Alle kommen bis jetzt dahin überein, daß kirchliche und religiöse Abänderungen von der gebräuchlichen Weise nur durch kirchliche Autoritäten, namentlich durch Rabbiner und Prediger, oder wenn auch durch Laien, durch Nichtgeistliche, die aber gründliche Kenntnisse unsrer Religion und ihrer Ursatzung besitzen, ausgemittelt und festgestellt werden können. In ganz andrer Weise entstand der Reformkampf hier, hier soll die Reform nicht theologisch, sondern praktisch gehandhabt werden, denn nicht von studirten Fachmännern, sondern von studirenden Jünglingen ging der Impuls aus, denen sich wol viele unterrichtete Leute anschlossen, die vereint' den Talmud exiliren und aus der Bibel sich einige Abschnitte aussuchen wollen, welche am Wenigsten genarrt sind und die uns, gegenüber unseren christlichen Brüdern, nicht verrathen. Als Oase in der Wüste, findet man unter diesen Reihen, einen einzigen Taldmudkundigen, den fleißigen Referenten Ihres geschätzten Blattes, Dr. Einhorn. Wir haben alle Achtung vor den Kenntnissen und dem Charakter dieses Mannes, bezweifeln auch nicht im Entferntesten seine reine Absicht, können aber dennoch die Frage nicht unterdrücken: ist ein einziger Rabbinatskandidat genügende Autorität eine Reform auzutragen, einen Reformverein zu bilden und sich als sanktionirendes Haupt an die Spitze zu stellet Wir fragen weiter, wäre es nicht eben die Pflicht dieses einzigen Erleuchteten gewesen, die Neuerungsstürmer aufzuklären und ihnen zu sagen, daß uns Reformen wol Noch thuen, diese aber aus unsrer Mitte aus Ungarn unmöglich ausgehen können, indem die Zahl der hellsehenden Rabbinen bei uns noch sehr winzig sei, und nur von diesen Reformen ausgehen müssen; er hätte ferner beruhigend beifügen können: „wenn auch jede Konstitution ihrem Lande anpassend gebildet werden muß, so ist es nicht so mit der Religion, diese bleibt sich überall gleich, warten wir bis unsere gelehrteren, vorgerückteren Glaubensbrüder in Deutschland oder Frankreich ein neues System aufgestellt und durchgeführt haben, dem wir uns dann, wenn es für gut erprobt ist, anschließen können." So glauben wir ist die Pflicht desjenigen^ sprechen, der durch seine Kenntnisse seinen Worten Vertrauen erworben hat, nicht aber ein Feuer anzufachen, das er allein nicht zu löschen vermag. Wenn, wie wir eben voran geschickt, die Entreprise — denn mehr ist's nicht — unausführbar ist, so müssen wir den Hauptbeweggrund, der diesen Geist herauf , beschworen, noch weniger stichhaltig bezeichnen. Die für jetzt gescheiterte Emanzipation ist's, welche man mit einer Reform flott machen will. Man hofft unsere Widersacher damit zu gewinnen, wenn man ihnen einige Bruchstücke unserer Religion opfert. O ihr bethörten Thoren! Unsre Religion hat keine Feinde, sondern wir, und mehr noch diejenigen, die ihr ungetreu sind, als ihre Anhänger. In Groß-Karoly und Neustadt a. W. sind Juden mit langen Bärten in die Nationalgarde ausgenommen worden, welche beide Städte den Typus der Erzreligiösität haben, während man hier in Arad, die zweite aufgeklärteste Gemeinde des Landes am Schnödesten zurückwies. Nicht Fanatismus ist im 19. Jahrhunderte unser Feind, sondern der Neid und Eigennutz, die Vorwände suchen, uns unschädlich sich , zu machen. Auch wird nicht unser Glaube, sondern unsere Sitten werden angegriffen. Gebt daher nicht durch Eure After-Reformaufrufe unseren Feinden eine Waffe mehr in die Hand, welche durch Euch aufmerksam gemacht, einen neuen Titel gewannen Euer Recht Euch vorzuenthalten. „Reformirt Euern Glauben erst" werden sie sagen, „und kommt dann wieder anfragen." Zum Glücke meinen es unsere Gesetzgeber, die jetzt an der Spitze stehen, gut mit uns, und wir werden so Gott will trotz Eurer Fehlschritte dennoch bald vom Drucke erlöst werden. Mit dem Entthronen des Talmuds und seiner Konsequenzen wollen gleichzeitig unsere heißblütigen Reformer, auch den politischen Körper, alle Institute, Verwaltungen und Vereine über und. durch einander werfen und nach neuen Systemen neu organisiren, oder auch aufgelöst und nicht wieder ersetzt lassem Unsere Konfuziusse sind auch Likurge. Sie sind kundig am&n d. h. beide sind ihnen terrae ineognitae. Geht ihr übersprudelnde Hitzköpfe nach Paris, nach Wien, Berlin und München u. fl w.,