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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-01 · Heft 19 (1.5.1848) · p. Seite 274

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 19 (1.5.1848)
Date
1848-05-01
Page
Seite 274 (sequence 6)
Language
German
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274 wäre. Jndeß ist es noch nicht zu spät, und ich fordere Euch im Namen der Freiheit und der Gerechtigkeit hiermit auf, das Versäumte dadurch wieder gut zu machen, daß Ihr das Gesuch um Emanzipation, welches demnächst von dm Israeliten höhern Orts eingereicht werden wird, kräftig unterstützet, und dadurch tatsächlich zeiget, daß Ihr selbst der Freiheit werth seid, indem . Ihr sie Anderen, die ihrer noch unverschuldet beraubt sind, erringen helft. Lhut Ihr dieses, so werdet Ihr Euch Eure israelitischen Brüder zu dankbaren Menschen machen; doch den schönsten Lohn wird Euch das Bewußtsein gewähren, für eine unterdrückte Menschenklaffe in die Schranken getreten zu sein und derselben zur Freiheit verholfen zu haben. Bückeburg, den 7. April 1848. L. M. Cohn, Lehrer und Kantor der israel. Gemeinde Hieselbst. Darmstadt, 11. April. Soeben ist ein Kommando, bestehend aus 50 Mann, nach Rimbach mit dem Bahnzuge bis. Heppenheim abgegangen, um die dortigen Juden in Schutz zu nehmen. Schwerin, 15. April. Unter dem 10. d. hat die Regierung eine Verordnung wegen der Wahlen zur deutschen Nationalvertretung erlassen. Nach derselben ist das. Großherzogthum in 7 Wahldistrikte gelheilt, deren jeder einen Abgeordneten und einen Ersatzmann zu wählen hat. Beide werden von gewählten Wahlmännern gewählt, wobei Jeder, ohne Unterschied der Religion, stimmberechtigt ist, welcher 1) volljährig ist, 2) Niederlassungsrecht im Lande hat, 3) nicht aus öffentlichen Mitteln Armenunterstützung empfängt, 4) nicht persönlich unter gerichtlich angeordneter Kuratel steht, 5) nicht wegen eines ehrenrührigen Verbrechens in Untersuchung gewesen und nicht freigesprochen ist. Braunschweig, 20. April. Die Stände haben den Gesetzentwurf über die Aufhebung der aus dem Glaubensbekenntnisse folgenden Rechtsungleichheiten, so wie über die Aufhebung des Eheverbots zwischen Juden und Christen nebst Einführung einer Zivilehe für. solche gemischte Ehen angenommen. Hamburg,'20. April. Dr. Rießer ist hier als Abgeordneter nach Frankfurt nicht gewählt worden. Prag, 18. April. Unser Oberstburggraf/ Graf Stadion, ist auf sein Ansuchen des Dienstes enthoben worden; dafür wird Graf Leo Thun, bisher Gubernialrath in Galizien, Präsident des hiesigen Guberniums. — Gestern hatten wir hier einigen Straßenkrawall. Die Juden hatten sich nach und nach trotz bestehender Verordnungen in die Christenstadl gezogen und dort Gewölbe eröffnet. Der Jude Wehle an der Ecke des Roßmarkts hatte sich schon längst das Mißfallen der Kaufmannschaft und des Volkes zugezogen, mehre Drohungen waren an seine Gewölbethüren angeklebt worden; als er sein Gewölbe gestern Morgen aufschloß, versammelte sich ein Masse aufgeregten Volkes und wollte ihn zwingen, den Laden wieder zu schließen, und stieß allerlei Drohungen aus. Der Sohn des Eigenthümers, Mitglied der Nationalgarde, zieht den Säbel und droht dem Volke, das aber augenblicklich Justiz übt und ihm die Waffe entreißt, zerbricht; die herbeigeeilte Patrouille der Studentenkohorte konnte ihn nur mit Mühe den Händen der wüthenden Volksmasse entreißen und eskortirte ihn nach dem Rathhause. Es fielen im Laufe des Tages noch mehre kleine Exzesse vor und es wurden von der dienstthuenden Nationalgarde Mehre arretirt; die Stimmung im Allgemeinen ist gegen die Juden eine fürchterliche, und hier dürfte es wahrscheinlich einmal zum Konflikte kommen. In der Nacht patrouillirte die Nationalgarde in der Judenstadt und hatte dortwie auf dem Tandelmarkt, ihre Reservekompagnien ausgestellt. Ungarn. Pesth, 17. April. (Privatmitth.) fBemerk. der Redakt. Wir geben den Artikel unsers Korresp. so wie er ihn niedergeschrieben, ohne für die einzelnen Ansichten völlig verantwortlich zu sein.^I Durch den Sturz der veralteten Staatsverfaffungen ist eine Wuth des Zerstörens und der Auflösung alles Bestehenden erzeugt worden, die in alle Verhältnisse des praktischen so wie ideellen Lebens eingedrungen ist, welche alt identisch für schlecht hält, und nur .das für gut erkennt, was neu umgemodelt ist. Dieses Moment des Regenerirens rief auch unter den hiesigen Juden eine Reformpartei in's Leben, welche nicht nach dem Vorbilde der schon ftüher mehrmals angeregten Reformbestrebungen sich organisiren

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